Ochsenfrosch, Nilgans, roter Krebs & Co. in der Ausstellung "Biologische Invasionen" in Sondershausen

Nilgans im Schlosspark Sondershausen.
 
Die Hermelingruppe, die Hannelore Kutscha hier in der ­Ausstellung richtet, wurde einst für das Naturalienkabinett des Fürsten präpariert. Eingeführte Ratten, Hunde, Katzen und Hermeline bedrohen die einheimischen Tiere auf Inselgruppen wie Hawaii oder Neuseeland. Ursprünglich gab es dort keine räuberischen Säugetiere, auf die sich die Fauna evolutionär hätte einstellen können.
Sondershausen: Schloss |

Mit dem globalen Handel und Verkehr wächst auch der ­Artentourismus – Eine Wanderausstellung in ­Sondershausen informiert, wie verschleppte Tiere und Pflanzen die Welt verändern. Konzipiert wurde sie am Phyletischen Museum der Universität Jena.

Auf langen roten Beinen stolziert die Nilgans am Ufer des Sondershäuser Schlossteiches entlang. Markant ihr Augenfleck und ihr Gefieder, das in ­edlen ­Brauntönen schimmert. Dieser Schönheit wegen hatten Europäer den afrikanischen Brutvogel im 18. Jahrhundert in ihre Parks und Menagerien geholt. Einige Gefangene büxten aus und brüteten – zunächst in England – in freier Natur. Vor 40 Jahren entdeckten Vogelkundler die Nilgans dann erstmals am ­Niederrhein. Heute schnattert sie hierzulande beinah an jedem Gewässer, auch in Sondershausen. Ohne zu ahnen, dass sich im Schlossmuseum hoch überm Teich eine Sonderschau mit ihrer und manch anderer zugereisten Art beschäftigt.

Jede Menge Mitfahrgelegenheiten

„Biologische Invasionen“ heißt die Ausstellung, die als Projekt der Stadt Sondershausen in der Alten Hofküche zu sehen ist. Sie veranschaulicht, wie verschleppte Tiere und Pflanzen die Welt verändern. „Seit Kolumbus Amerika ­entdeckte, ist das ein Thema. Heute erreicht es durch den globalen Handel und Verkehr jedoch eine neue Dimension“, erklärt Hannelore Kutscha. Die Mitarbeiterin des Schloss­museums hat gleich eine Zahl parat: Rund 12 000 gebietsfremde Pflanzen- und Tierarten sind in Europa bisher bekannt. Tendenz steigend. „Die Barrieren, die von den Organismen zu überwinden sind, werden stetig niedriger“, begründet sie. Immer größere Schiffe befördern immer mehr Waren hin und her. Das Ballastwasser und die Holz­paletten, die als Verpackung dienen, sind eine gute Mitfahrgelegenheit. „Denn“, sagt Kutscha, „auch Bakterien, Viren, Sporen und Insekten gehen auf Weltreise“. Der gefürchtete Asiatische Laubholzbockkäfer etwa kam im Holz hierher.


Die Pest ist zurück

Aber bei Weitem nicht jede fremde Art schmuggelt sich als blinder Passagier in den neuen Lebensraum. Oft ist es der Mensch, der sie ganz bewusst einschleppt, anpflanzt, auswildert. Die Folgen sind mitunter verheerend. Wie beim amerikanischen Flusskrebs: Vor 120 Jahren im Odergebiet ausgesetzt, um den Bedarf an Speisekrebsen zu decken, verdrängt er zunehmend heimische Arten. Er überträgt die Krebspest. Selbst ist er dagegen immun, aber andere Krebse sterben. Auch im Kyffhäuserkreis, wie Hannelore Kutscha berichtet. „Beim Abfischen der Bendelebener Teiche im vergangenen Herbst wurden nur noch amerikanische Flusskrebse gesichtet.“


Superfood oder Invasor?


Als invasives Beispiel aus der Botanik zeigt sie einen Bocksdorn, auch als Goji-Beere bekannt. „Das ursprünglich chinesische Gewächs breitet sich in der Landschaft sehr aggressiv aus.“ Ein Bild vom zugewucherten Burgberg Wendelstein belegt ihre Worte. „Wo Bocksdorn wächst, wächst nichts anderes mehr.“

Exoten lassen, wo sie hingehören

Biologische Invasionen werden wissenschaftlich untersucht, Manegementpläne entwickelt. „Wir können den Prozess nicht umkehren“, ist sich auch Hannelore Kutscha bewusst. „Aber wir können uns verantwortungsvoll verhalten, als Tourist exotische Organismen dort lassen, wo sie hingehören.“ Im Fall der Nilgans besteht für die heimische Vogelwelt vorerst keine Gefahr. Der Schlosspark ist groß genug für ein friedliches Nebeneinander mit Stockenten, Blässhühnern und Co. Platzhirsch ist sowieso der Höckerschwan. Nilgans hin oder her.

Weitere Beispiele:

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Termin

» Zu sehen ist die Ausstellung bis 27. November im Schloss­museum Sondershausen, Di - So jeweils 10 - 17 Uhr.
» Die Wanderausstellung wurde von Dr. Gunnar Brehm am Phyletischen Museum der Universität Jena konzipiert.
» Ochsenfrosch, Bisamratte, Spanische Nacktschnecke:
Mehr als 60 Vertreter invasiver Arten aus ­Europa und Neuseeland werden vorgestellt – dank Leihgaben aus Jena und aus den Naturkundemuseen Gera, Erfurt und Stuttgart. Etwa ein Drittel der Objeklte stammt aus dem Fundus des Schlossmuseums.
» 25. Mai 2016, 18 Uhr: Führung mit Dr. Gunnar Brehm
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