Studentin des Primatenzentrums forscht im Straußberger Affenwald

Sie liebt die Kattas und die Kattas lieben sie: Studentin Heather Sanders.
  Sondershausen: Affenwald |

Bei den Kattas haben die Frauen das Sagen. Die ­Kanadierin Heather ­Sanders erforscht im Straußberger Affenwald das Sozialverhalten der Lemuren.

Ifathy ist die erste am Futterplatz, verputzt stückchenweise Möhre, Paprika und Banane. Teilen möchte sie die Köstlichkeiten noch nicht. Das macht die Katta-Dame ihren Artgenossen mit schrillen Lauten deutlich. Wer nicht hört, bekommt einen Klaps.

 „Sie ist die Chefin der Gruppe, das Alpha-Weibchen“, kommentiert Heather Sanders das dominante Gehabe. „Denn bei den Kattas“, so erklärt sie, „haben die Frauen das Sagen. Und Ifathy steht ganz oben in der Hierarchie.“ Heather Sanders muss es wissen, sie studiert Verhaltensbiologie. Seit einigen Wochen streift sie durch den Affenwald bei Straußberg im Kyffhäuserkreis, beobachtet das Sozialleben und die Interaktion der katzengroßen Lemuren. Das Erforschte wertet sie aus für ihre Masterarbeit.

 Dass die 26-jährige ­Kanadierin sehr gut deutsch spricht, kommt nicht von ­ungefähr. „Ich habe in den USA Deutsch und ­Biologie studiert, um dann auf Deutsch Biologie zu studieren“, sagt sie fröhlich. Als Lemuren-Fan fiel ihre Wahl auf die Universität Göttingen, weil diese eng mit dem dortigen Deutschen Primatenzentrum kooperiert. Für Heather Sanders die Top-Adresse in Sachen Primatenforschung. Im Auftrag des Zentrums weilt sie nun für drei Monate in Nordthüringen.

 Sie liebt die Kattas und die Kattas lieben sie. Kaum sitzt die junge Wissenschaftlerin im Gras, wird sie im Affentempo begrüßt. Die zutraulichen, tagaktiven Tiere wollen spielen. Aira klettert samt Baby auf Heathers Schulter, Beza springt auf ihren Schoß, Zutscher postiert sich mit hoch erhobenem Ringelschwanz, um gestreichelt zu werden. Mehr als 40 Kattas tummeln sich im Straußberger Affenwald, Heather Sanders nennt sie alle beim Namen. „Augen, Nase, Fellfarbe oder Schwanz – jedes Tier hat irgendwo ein kleines Merkmal, an dem ich es erkenne.“ Sie registriert genau, wer sich wann wo wie verhält. Wer wessen Freund, wer wessen Feind ist. Alle Beobachtungen tippt sie gleich vor Ort in den Minicomputer, ein ähnliches Modell, wie es Politessen nutzen. Stück für Stück vervollständigt sie ihr elektronisches Tagebuch.

 Hier am Fuße des Nordhangs der Hainleite haben die Kattas, die auf Madagaskar beheimatet sind, einen naturnahen Lebensraum. „Sie leben in zwei Gruppen“, erzählt die Wissenschaftlerin. Die Reviergrenze zwischen ihnen ist für Menschen allerdings unsichtbar. Nur die Tiere können sie mit ihrer feinen Nase erschnüffeln. Katta-Männer sondern an den Drüsen am Unterarm ein streng duftendes Sekret ab, mit dem sie das Revier markieren und den buschigen Schwanz einreiben. Den halten sie ungeliebten Artgenossen vor die Nase.

 „Während sich die Weibchen um die Jungtiere kümmern, sind einige Männchen dabei, zwischen den Gruppen zu wechseln“, schildert Heather Sanders ihre jüngsten Beobachtungen. Das geht nicht ohne Kampf um Auf- oder Abstieg in der Rangordnung. „Der soziale Stress macht den Tieren zu schaffen“, ist sie sich sicher. Deshalb widmet sie einen Teil ihrer Masterarbeit auch diesem Thema. Welche Auswirkungen hat Stress auf die Lemuren? Sie will es erforschen. Wer weiß, vielleicht sind die Ergebnisse eines Tages sogar für die fernen Verwandten – die Menschen – von Nutzen.

 Leittier Ifathy hat sich inzwischen satt gefuttert, lässt jetzt die anderen speisen. Es herrscht wieder Eintracht im Affenwald.

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