Armbrustschütze gefasst

Während der PK, von links: Soko-Leiter Kriminalhauptkommissar Sven Opitz von der Kripo Jena, Polizeipräsident Wilfried Bischler; Heiko Schmidt, Leiter der Landespolizeiinspektion Jena sowie Katrin Sander, Leiterin der Kripo Jena. Foto: Polizei (Foto: Steffi Kopp)
 
Heiko Schmidt, Leiter der Landespolizeiinspektion Jena sowie Katrin Sander, Leiterin der Kripo Jena erläutern bei der Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten sichergestellte Beweismittel. Foto: Polizei (Foto: Steffi Kopp)
Der Soko Weide ist es nach wochenlangen Ermittlungen gelungen, den Armbrustschützen zu fassen, der seit letztem Jahr insgesamt 15 Tiere verletzt und drei getötet hat. Im Visier des 30-Jährigen standen dabei Kühe, Pferde, aber auch ein Hund. Die Soko wurde Anfang März mit sechs Beamten gegründet und zeitweise auf bis zu zehn Beamten aufgestockt. Eine geschädigte Besitzerin eines getöteten Pferdes hatte eine Belohnung von 10.000 Euro zur Er-greifung des Täters ausgelobt, weitere 4000 Euro waren von den Jenaer Tierschützern bereit gestellt worden.

Gegenstand der Arbeit Soko Weide waren folgende Straftaten:

3./4.6.2012: Isserstedt, fünf Rinder verletzt
6./7.01.2013 Großlöbichau, vier Rinder verletzt
3./4.02.2013 Großlöbichau, vier Rinder verletzt
6./7.02.2013 Bucha/Nennsdorf, ein Pfeil steckte im Fell eines Rindes, das Tier blieb unverletzt
1./2.03.2013 Großbockedra, ein Pferd getötet, eins schwer verletzt
12./13.04.2013 Bucha, ein Hochlandrind verletzt, Tier verstarb später
16.04.13 Eine Labrador-Hündin aus Jena wird vermisst und Tage später tot aufgefunden


Ermittlungen:
Die Ermittlungsarbeit gestaltete sich insofern schwierig, da es keine eigentlichen Tatzeugen gab. Der Beschuldigte war nachts in seinem PKW unterwegs und handelte in einsamen Gegenden. Es gab keine verwertbaren Schuh- oder Fingerabdruckspuren. Im Rahmen von Presseveröffentlichungen waren insgesamt 36 Hinweise eingegangen. Damit verfolgten die Ermittler über 80 Spuren. Außerdem wurden mehrere Dutzend Händler abgefragt, bei denen man Armbrüste und Armbrustbolzen erwerben konnte. Die Ermittler hatten die Händler aufgesucht und angeschrieben und um Übermittlung der Be-stellungen aus dem hiesigen Raum gebeten.
Zur Ermittlung des Täters führte am Ende der Abgleich dieser Bestellungen. Dabei stellte sich heraus, dass der Beschuldigte bei mehreren Händlern Bolzen bestellt hatte. Außerdem gab es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Bestellungen und den Handlungen.

Mit diesem Hintergrund konnte beim Amtsgericht ein Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Beschuldigten erwirkt werden.
Dabei wurden am gestrigen Montag über 70 Beweismittel sichergestellt, u.a. die Tatwaffe (Armbrust), zwei Luftgewehre, 32 000 Diabolos sowie 170 Armbrustbolzen.

Zum Tatverdächtigen:

Der Tatverdächtige ist 30 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Jena. Der gelernte Sozialbetreuer ist derzeit arbeitssuchend. Polizeilich aufgefallen ist er bisher mit einem Fall von Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (2006, Katze getötet) und mehreren Diebstahlsdelikten. Er hat eine Affinität zu Waffen.
Er besitzt selbst Haustiere (Wellensittiche) und gibt an, eigentlich Tiere zu lieben.

Zu seiner Motivation: In seiner Vernehmung gibt er an, seit zehn Jahren unter Angstzuständen und Wutausbrüchen zu leiden. Während solcher Wutausbrüche kann er sich nicht mehr selbst steuern, und beschreibt diesen Zustand wie „in einem Tunnel“ zu sein. Hinterher habe er sich dann oft ge-schämt. Auch gegenüber den Untersuchungsbeamten zeigte er Reue.
Er war bei seiner Vernehmung kooperativ, hat die ihm vorgeworfenen Tathandlungen gestanden und wirkte am Ende erleichtert.

Er gibt an, allein gehandelt zu haben.

Der Beschuldigte wurde durch die Richterin beim Amtsgericht Gera mit seinem Einverständnis in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Eine Wiederholungsgefahr konnte nicht ausgeschlossen werden. Dabei wurde auch in Betracht gezogen, dass eine Gefährdung für Menschen durchaus gegeben war. Besitzer von Tieren waren in den letzten Monaten außerordentlich besorgt und haben sich teilweise auf die Lauer gelegt um ihre Tiere zu schützen. In der Klinik muss nun seine Schuldfähigkeit begut-achtet werden.

Ausblick:
Die Ermittlungen sind mit der Festnahme des Tatverdächtigen noch lang nicht abgeschlossen. Es erfolgen weitere Abgleiche der sichergestellten Gegenstände mit den erhobenen Spuren.
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1 Kommentar
Lokalredaktion Weimar aus Weimar | 31.05.2013 | 15:23  
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