10 Jahre Grabungen auf dem Gleisberg bei Bürgel

Grabungsleiter Enrico Paust mit dem Teil eines Steinbeils: .“Die Ausgrabung ist ein richtiger Knochenjob. Nach acht Stunden ist man platt.“ Enrico Paust, Grabungsleiter
 
Der Alte Gleisberg erhebt sich nahe Bürgel.

343 Meter erhebt sich der Alte Gleisberg bei Graitschen im Saale-Holzland-Kreis in die Höhe. Es ist ein so genannter Inselberg, eingeschlossen im flachen Land. Der Weg nach oben ist beschwerlich. Doch hat man ihn bewältigt, ist ein beeindruckender Ausblick ins Saaletal der Lohn.

Es war aber nicht die schöne Aussicht, die den Gleisberg vor rund 3000 Jahren als Siedlungsort attraktiv machte. Noch heute führt nur ein einziger Weg hinauf aufs Plateau. In unseren Tagen eher eine kleine Randnotiz bot dieser Umstand den Menschen in der späten Bronze- und beginnenden Eisenzeit einen besonderen Schutz.

Rückschlüsse nur über Grabungsfunde


Es gibt keine schriftlichen Zeugnisse aus jener Zeit, als das Leben auf dem Gleisberg pulsierte. Rückschlüsse erlauben allein Grabungsfunde und Bodenanalysen. Schon im 19. Jahrhundert reizte der Berg Archäologen der Uni Jena als Grabungsstätte. Systematisch wird der Gleisberg aber erst seit 2005 untersucht. In diesem Jahr errichten zum 10. Mal Wissenschaftler, Studentenund Hilfskräfte ihre großen Sonnensegel auf dem Berg, um Grabungsfelder auszuheben und mit Spaten, Hake und Gespür nach Überresten der alten Siedlung zu suchen. „Reichtümer finden wir hier oben nicht“, erklärt Professor Peter Ettel, der das Projekt von Beginn an leitet. Vielmehr wolle man verstehen lernen, wie die Menschen vor 3000 Jahren gelebt haben. Um ein Gesamtbild zu schaffen, erforschen nicht nur Archäologen das Gebiet; auch Geografen, Geologen und Geophysiker beteiligen sich.

Handwerker lebten auf dem Glesiberg


Kleine Gehöfte bestimmten offenbar das Bild auf dem Gleisberg. „Es waren aber keine Bauern“, weiß Professor Ettel. Ihre Lebensmittel besorgten sich die Gleisbergbewohner bei den Bauern im Saaletal. Sie selbst waren Handwerker: Weber, Schmiede, Bronzegießer. Nicht unvermögend. Besondere Scherbenfunde lassen darauf schließen. „Luxusgeschirr“ nennt es Professor Ettel. Ursprünglich stammt es aus Italien. „Das konnten sich nur wenige leisten.“


Wie viele Menschen auf dem Gleisberg gelebt haben? Professor Ettel will sich nicht festlegen. Das wäre eine unseriöse Zahl. Beeindruckender sei viel mehr die lange Besiedlungsdauer. Rund 1000 Jahre lebten Menschen auf dem Gleisberg. Andere Höhensiedlungen im nähren Umfeld, beispielsweise auf dem Jenzig oder dem Johannisberg in Jena waren es nur 100 bis 200 Jahre.


Nicht allein durch ihr handwerkliches Geschick bestritten die Menschen auf dem Gleisberg ihren Lebensunterhalt. Unten im Tal schlängelte sich entlang der Saale ein wichtiger Handelsweg. Vermutlich kontrollierten sie ihn und generierten so zusätzliche Einnahmen.

Seit Juli wurde wieder auf dem Gleisberg gegraben. Eine Nadel mit Zierknopf nennt Grabungsleiter Enrico Paust als bisher bedeutendsten Fund. Hinzu kommen die Reste eines Steinbeils und verzierte Tonscherben.

Erklärtes Ziel in diesem Jahr aber ist es, die alte Befestigungsgrenze der Siedlung zu finden. Kein leichtes Unterfangen. Denn in den letzten drei Jahrtausenden war der Berg Erosionen ausgesetzt.


Zur Sache
Der Alte Gleisberg gilt mit einer Fläche von 7 Hektar als eine der wichtigsten Höhensiedlungen Thüringens. Er war rund 1000 Jahre besiedelt. Unterstützt werden die Ausgrabungen durch die Gleisberg gGmbH, gegründet von einem Unternehmer aus der Region. Bei ihr sind Grabungshelfer angestellt. Auf diese Weise wird das Projekt finanziell gefördert.
Auf dem Gleisberg sind auch Schüler an den Ausgrabungen beteiligt. Die Uni Jena organisiert seit zehn Jahren ein Archäologencamp. Zudem unterstützt die Robert-Bosch-Stiftung die Teilnahme von Schülern aus dem Friedrich-Schiller-Gymnasium Eisenberg und dem Angergymnasium Jena an den Grabungen. Sie beschäftigen sich während der Schulzeit in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Thema. Die Teilnahme an der Grabung ist ein besonderer Abschluss.
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