AA 25 - Redakteur Thomas Gräser trifft in Weimar auf SUPERLATIVE

Exbundeskanzler Gerhard Schröder (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)
  Weimar: Klassikerstadt |

Es ist nicht immer leicht, als Redakteur. Doch es gibt so viele liebenswerte Erinnerungen, wenn man einmal zurückblickt. Wen man als Redakteur so alles trifft - schon erstaunlich. Und vorallem, was man nach Jahren noch für Momentaufnahmen gespeichert hat. Ich muss schon wieder schmunzeln.

Der Gewichtigste… war natürlich Bundeskanzler Helmut Kohl. Er besuchte in Weimar das Hausschwesternhaus der Altenhilfe Sophienhaus. Anwesende Journalisten machten sich lustig, ob er sich einen Ruhesitz hier sucht. Er war halt am Ende seiner politischen Karriere und Demonstranten standen auch vor dem Altenpflegeheim. Kohl wies seinen Fahrer an nach rechts abzubiegen. Damit verfließ die Limousine den Konvoi und düste allein in die Stadt hinunter. Der Gewichtigste wollte nicht an den Demonstranten vorbei fahren. Die Polizeieskorte war ratlos.

Der Bekleckertste… war Bundeskanzler Gerhard Schröder. Beim Verzehr einer Bratwurst auf dem Weimarer Markt tropfte Senf auf seine seidene Krawatte. Er nahm es mit Humor – Hauptsache Thüringer Wurst.

Der Abgeschirmteste…
war zweifelslos der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin. Ich konnte zwar ein Nahfoto schießen, doch bis ich mit Kollegen auf dem Weimarer Markt kam vergingen Stunden. Sicherheitscheck, durchleuchten und dann mit dem Bus vom Landesverwaltungsamt zum Markt.

Der Wohlbehütetste… war der russische Außenminister Eduard Schewardnadse. Gefühlte zehn schwarze Limousinen bremsten lautstark vor dem Goethehaus in Weimar. Autotüren sprangen auf, es wurde dunkel, da sechs riesige Gestalten sich schützend um Schewardnadse gesellten und ihn ins Haus geleiteten.

Die Ruhigste… war Daliah Lawi. Die israelische Sängerin und Schauspielerin sorgte auf der Bühne für laute Töne. Doch im Interview war sie ruhig, sanft, liebevoll.

Die Zugänglichste und Häuslichste… war Ute Freudenberg. Dreimal interviewte Thomas Gräser die Sängerin. Zweimal davon bei ihr Zuhause. Zuerst in ihrer ersten Wohnung nach der Wende in Weimar und dann im Eigenheim. Das waren gesunde Treffen: es gab japanischen Grünen Tee und dunkle Schokolade, mindestens 80 Prozent Kakaoanteil. Und Krümel entsorgte die vorsorgliche Gastgeberin mit dem akkubetriebenen Handstaubsauger.

Der Betrügerischste… war Konrad Kulau. Der Fälscher der Hitler-Tagebücher besuchte 1999 die Kulturhauptstadt. Und was eröffnete er mit? Natürlich eine Fälschung, die Kopie des Goethegartenhauses im Ilmpark.

Der Eleganteste… war Bernd Kauffmann. Der Präsident der Stiftung Weimarer Klassik und Generalbeauftragte der „Weimar 1999 – Kulturhauptstadt Europas GmbH“ brachte auch als Intendant des Kunstfestes neuen Schwung in das verstaubte Weimar. Man denke nur an: „Weimar liegt am Meer“, „Statt der toten Dichter“.

Der Ausgebuffteste… war Otto Rehhagel. Der einstige Trainer von Bundesligist Werder Bremen antwortete auf meine besorgte Frage: Momentan sieht es aber mit gerademal einem Unentschieden, also einem Punkt, mau aus. Rehhagel: Das sehen sie ganz falsch. Wir stehen doch dicke da.

Der Interessanteste… war Thomas Thieme. Den Schauspieler traf ich vor der Kunstfestaufführung im Gasthof in Taubach. Das Ensemble brachte erstmals den Fluss Ilm auf die Bühne. „Kani“ – Rocklegende Bernhard Kanhold - war mit von der Partie ein echter Kulturbrüller.

Der Verblüffendste… war Guildo Horn alias Horst Köhler. Er war Gast bei Antenne Thüringen und zeigte sich nicht nur „durchgeknallt“, sondern überaus engagiert, sozial, lebensnah.

Der Ungezwungenste… war Rea Garnay alias Raymond Michael „Rea“ Garvey. Mit dem Frontmann der einstigen Band „Reamonn” sprach ich zweimal. Es waren ganz ungezwungene, natürliche Treffen. Ein Star zum Anfassen, ganz ohne Allüren.

Der Dreisteste… war natürlich Udo Lindenberg. Zur Eröffnung des Kulturstadtjahres schlenderte Udo schlaksig durch das DNT. Er entdeckte den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, ging schnurstracks an seinen Tisch und begrüßte seinen „Oberindianer“ herzlich, setzte sich zu ihm und verspeiste dort gleich ein belegtes Brötchen.

Die Profilbedachteste… war Gunda Niemann-Stirnemann. Mehrmals lief sie dem Redakteur Thomas Gräser vor die Fotolinse, auch exklusiv. Stets wies sie ihn auf ihre Schokoladenseite hin und dreht sich so auch schon mal aus dem Bild.

Der Staatsmännischste… war Michail Sergejewitsch Gorbatschow. „Dreimal traf ich ihn“, sagt Thomas Gräser. „Beim ersten Mal war Ehefrau Raissa, die 1999 verstarb, dabei.“ Ein freundliches Treffen. Beim letzten Treffen war Gorbatschow mit Tochter Irina in Weimar.

Der Gelbeste… war Hans-Dietrich Genscher. Damals war er noch Außenminister und trug genüsslich seine gelben Pullover. Genscher antwortete souverän im Interview und machte so manches Späßchen. Unter das Foto – was Genscher nicht gerade geschicklich im Umgang mit einer Dachziegel zeigte schrieb ich: Nicht jeder in diesem Land kann ein Dachdecker sein. (Wer kriegt es raus?)

Der Modischste… war natürlich Wolfgang Joop – ein sehr netter, freundlicher Modemacher und Designer. „Ich traf ihn 2002 im Kunsthaus der Apolda Avantgarde.“

Der Königlichste… war Prinz Poldi, Leopold Prinz von Bayern. Er ist sehr gesprächig, bodenständig, interessiert und erzählt gern Lebensepisoden, auch Rennfahrergeschichten.

Die Quirligste… war Nora Tschirner. Bei der Premiere des zweiten Weimar Tatortes alberte sie mit den Kollegen Christian Ulmen und Dominique Horwitz auf der kleinen Fotobühne herum. Dann schoss sie durch die Besucherreihen, machte da ein Selfie, dort Faxen und da wieder ein Selfie von sich mit Fans. Es scheint sie spielt nicht, sondern ist so.
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