Abenteuer Sardellensalat: Längst vergangene Eßkultur in Weimar wiederbelebt

Nächster Termin: 26.08.2016 bis 22.12.2016

Wo? Jenaer Straße, Weimar DE
Sardellensalat nach einen Rezept von Claudine von Arnim.
 
Goethe aß gern Sardellensalat. Das verät eine neue Ausstellung im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Die wichtigsten Zutaten sind vor allem Kartoffeln, rote Beete, Fleisch und natürlich Sardellen.
Weimar: Jenaer Straße |

Was Goether gern aß, Franz Liszt sich an Konserven bestellte und wie früher Menükarten aussahen, davon berichtet eine Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar unter dem Titel "Sardellen Salat sehr gut".

Zwei kleine Kartoffeln sollen es sein, zwei Essiggurken und „einige rothe Rüben“. Und schon kommt die Autorin ins Stocken. Rote Rüben sind wohl rote Beete. Aber wie viele? Muss man sie vorher kochen? Wie klein sollte man sie schneiden für das Sardellensalat-Rezept von Claudine von Brentano, vor über 200 Jahren notiert. Und wie viel bedeutet eigentlich die „Brust von einem Hahn oder etwas Kalbsfleisch“?

Rezepte als flüchtige Notizen


Es ist kein leichtes Unterfangen, sich auf historische Zutatenlisten einzulassen. Evelyn Liepsch von Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar kennt die Probleme. Die Rezepte wurden meist nur flüchtig notiert, ohne ausschweifende Hinweise zur Zubereitung. Schwierig wird es aber vor allem mit den Maßeinheiten. „Die Mengenangaben sind abenteuerlich. Es stellt sich die Frage, wo das Rezept niedergeschrieben wurde“, erklärt die Archiv-Mitarbeiterin. Durch die deutsche Kleinstaaterei war das Pfund unterschiedlich schwer. Das änderte sich erst 1870 mit der Einführung des metrischen Maßes.

Und schon überlegt sie Autorin, wie viel sich wohl hinter dem Viertel Pfund Sardellen verbergen mag und entscheidet sich für eine kleine Konservendose. Ob das Öl, in dem die Fische schwimmen, den Geschmack verändert? Denn eigentlich sollen Bratensoße oder Fleischbrühe für Feuchtigkeit sorgen.

Bis der Sardellensalat von Claudine von Brentano fertig ist, wandern einige Mails ins Goethe- und Schiller-Archiv. Denn Evelyn Liepsch hatte den Salat ausprobiert in Vorbereitung auf die neue Ausstellung in Weimar. Letztendlich ist die Liepsch‘e Variante viel roter als die der Autorin. Es wurde wohl weniger mit den „rothen Rüben“ gegeizt. Aber das ist ­– wie so oft beim Essen – rein Geschmackssache.


Niederschriften in Kurrent-Schrift verfasst


In der neuen Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv gibt es aber weit mehr zu entdecken als den Sardellensalat. Zwölf Rezepte haben Archivmitarbeiter aus den Beständen der Dichternachlässe zusammengestellt, immer auch mit der Transkription in lateinischer Schrift. Denn die Originale wurden zumeist in Kurrent abgefasst. Hinzu kommen Kochbücher, Menükarten und Bestellzettel.

Bei den Rezepten bereiteten nicht nur die Mengenangaben beim „Übersetzen“ Probleme. „Macis war für uns eine unbekannte Zutat“, erinnert sich Evelyn Liepsch. Nachforschungen haben ergeben, dass es sich dabei um eine Muskatblüte handelt, die häufig in Kuchenrezepten verwendet wird.

Das Kochbuch von Goethes Großmutter


Am Kochbuch der Lindheimerin kann man die Unterschiede zu heutigen Rezeptsammlungen besonders gut nachvollziehen. Anna Margaretha Lindheimer war die Großmutter von Goethe und hat dieses Buch zur Konfirmation geschenkt bekommen. „Das war damals so üblich“, erklärt Evelyn Liepsch. „Die Eintragungen sind handschriftlich. Aber wer es geschrieben hat, wissen wir nicht.“ Offensichtlich war es eine Auftragsarbeit.

Der jungen Lindheimerin sind nur Rezepte für ihr späteres Eheleben mit auf den Weg gegeben worden. Liepsch weiß: „Hier stehen auch Haushaltstipps drin.“ Üblich war es auch, in solchen Bücher Hausmittelchen zu beschreiben, etwa gegen Verstopfung, Kopfschmerzen oder Krämpfe.

Liszt orderte Gemüse in Konserven


Andere Exponate geben Einblick in den Lebensalltag. Christoph Martin Wieland bestellte sich in Erfurt bei den Gebrüdern Ramann Wein. Eimerweise wurde der berechnet. Goethe ließ sich Nudeln liefern, Franz Liszt gern Gemüse in Konserven.

Mit wie viel Liebe getafelt wurde, davon erzählen Menükarten, die für besondere Anlässe gestaltet wurden. Unter den Exponaten ist auch jene zu finden, die zur Eröffnung des Goethe- und Schiller-Archiv entworfen wurde.

AUSSTELLUNG

im Goethe-Schiller-Archiv Weimar, Jenaer Straße 1
+ "Sardellen Salat sehr gut: Kochbücher, Rezepte und Menükarten"
zu sehen bis zum 22. Dezember 2016
+ Eintrittspreise: wochentags Eintritt frei, Sa So und feiertags Erwachsene 2 Euro, ermäßigt 1 Euro, Schüler Eintritt frei
+ Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertag, 11 bis 16 Uhr

REZEPTE (Transkripte)


Sardellensalat nach Ottilie von Goethe

¼ Sardellen,
2 rothe Rüben, dito gelbe
½ Zellerie Kopf
etwas Kartoffeln nicht zu weich gekocht,

Alles in kleine Würfel oder länglicht geschnitten, mit einem rohen Eigelb 3 Löffel Oel, dito Essig 2 Löffel Essig etwas Pfeffer angemacht.

Sardellen Salat sehr gut, nach Claudine von Arnim

2 kleine Kartoffeln
2 kl. Essiggurken
einige rothe Rüben
die Brust von einem Hahn oder etwas Kalbsbraten,
ohngefähr ¼ Pfund Sardellen (entspricht 468 Gramm)
1 fein gehackte Charlotte
ein Theelöffel voll Senft
Essig & Öhl, und etwas Kapern.

Alles dieses fein gehackt und wenn der Salat nicht naß genug sein sollte, thut man etwas Bratensauçe, Fleischbrühe oder Jus daran.
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