Amt bleibt in der Familie

Ortschronisten: Sieglinde Römhild hat die Aufgaben von ihrem Vater Gerhard Henschel übernommen.
Nohra: Herrenstraße | Es war ein Zufall, der Gerhard Henschel nach Thüringen führte. Als er 1945 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, blieb im der Weg in seine Heimatstadt Breslau (heute Wroclaw) versperrt. Er besann sich auf eine Cousine, die in Weimar wohnte, und machte sich auf den Weg. Die Verwandte war aber zwischenzeitlich weggezogen. Guten Rat gab es dafür von ihrer ehemaligen Nachbarin. In Nohra suche man Arbeitskräfte.

Das kleine Dorf am Weimarer Stadtrand wurde bald zu Henschels neuer Heimat. Hier arbeitete er im Gemeinderat mit, war Vorsitzender der LPG und zeitweise stellvertretender Bürgermeister. Dass Gerhard Henschel auch als Rentner nicht dem Müßiggang verfiel, liegt in seinem Naturell. Seit 2004 kümmerte er sich um die Nohraer Ortschronik. Prall gefüllte Karteikästen und Ordner mit akribisch sortiertem Fotomaterial füllen die Schränke in seinem Arbeitszimmer und verheimlichen nicht den ehemaligen Buchhalter. „Ich bin unter die Jäger und Sammler gegangen“, erzählt er schmunzelnd von seiner Arbeit für die Nohraer Chronik.

Hat sich der Senior in den ersten Jahren um eine Zusammenfassung der Geschehnisse von der Ortsgründung bis in die Jetztzeit gekümmert, gab er ab 2006 regelmäßig eine Jahreschronik heraus. Heute möchte der 85-Jährige doch etwas kürzer treten. Eine Nachfolgerin ist schon gefunden. Das Chronistenamt bleibt in der Familie. Henschels Tochter Sieglinde Römhild tritt in die Fußstapfen ihres Vaters.

Sein umfangreiches Archiv wird nicht verwaisen. Ab jetzt gehört die regelmäßige Zeitungsschau für die neue Chronistin zur täglichen Pflicht. Im Ort hält sie die Ohren offen, um Neues zu erfahren. Viele, die hier leben, kennt sie schon von Kindesbeinen an. Schließlich hat sie bis Januar dieses Jahres als Kindergärtnerin in Nohra gearbeitet. „Ich bin hier verwachsen“, erklärt sie ihre Intension fürs neue Amt. Ihr Vater habe vieles zusammengetragen. Das müsse erhalten bleiben. „Wenn niemand dokumentiert, was in Nohra geschieht, geht das Wissen verloren.“

Mit Sieglinde Römhild wird für die Nohraer Chronik das Computerzeitalter eingeläutet. Ihr Vater hatte alles noch handschriftlich zusammengetragen und später abtippen lassen. „Ich fuchse mich da jetzt ein“, sagt Sieglinde Römhild, die auch auf Facebook aktiv ist und dort immer wieder auch ihre ehemaligen Kindergartenkinder „trifft“. Etwas Übung braucht sie noch, wenn Texte mit Fotos ergänzt werden sollen. Doch hierbei kann sie auf die Hilfe ihres Sohnes bauen. Er half auch, als kürzlich Teile der neuen Chronik im Computer nicht mehr aufzufinden waren.

Doch nicht allein auf familiäre Banden kann sich Sieglinde Römhild verlassen. Im Ort leben viele Geschichtsinteressierte. Roland Thiele, Isolde Rietzel und Harald Schmidt haben früher schon ihrem Vater sehr geholfen. Auf deren Unterstützung möchte auch Sieglinde Römhild nicht verzichten. Denn sie hat sich viel vorgenommen.

Für die 800-Jahr-Feier im Jahr 2017 würde sie gern eine Broschüre gestalten. „Das kann ich nicht allein.“ Und dann gibt es noch die umfangreiche Sammlung ihres Vaters zu einzelnen Einwohnern, Gebäuden und Betrieben. Auch diese Themen wären es wert, einmal veröffentlicht zu werden.
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