Auf Wanderschaft

Angela Blume vom Naturschutzbund (Nabu) und Roland Eberhardt vom Landschaftspflegeverband Mittelthüringen bauen Amphibienschutzzäune am Ortsausgang von Loßnitz auf.
Blankenhain: Ortsausgang | Kräftiger Wind weht Angela Blume am Ortsausgang von Loßnitz um die Nase. Es ist viel kälter als in den vergangenen Tagen, doch sie und ihre Mitstreiter können nicht länger warten. „Beim ersten warmen Regen begeben sich Kröten und Molche auf Wanderschaft zu ihren Laichgewässern“, erklärt die NABU-Mitarbeiterin. „Frösche noch viel früher.“
Die Zeit drängt. In wenigen Tagen dürfte es losgehen. Viel zu oft queren Straßen die Routen zu den Laichgewässern. Eine tödliche Gefahr für die Tiere. Um sie vor dem Verkehr zu schützen, werden derzeit im Weimarer Land wieder die Krötenschutzzäune aufgestellt. Auf insgesamt 2000 Metern. Die Zäune stehen nicht nur in Loßnitz, sondern auch in Tiefengruben, Bergern, Kranichfeld, München und Rottdorf. Die einzelnen Standorte legt die Untere Naturschutzbehörde des Weimarer Landes fest.

Die grünen, feinmaschigen Flechtzäune werden fest im Boden verankert. Aufgeschüttete Erde sorgt dafür, dass kein Schlupfloch offen bleibt. Zudem werden alle 30 Meter Eimer in den Boden eingegraben. Hier soll die Wanderschaft der Amphibien vorläufig enden. Angela Blume weiß: „Diese Gefangenschaft auf Zeit ist eine wahnsinnige Stresssituation für die Tiere.“ Deshalb sei es umso wichtiger, sie vorsichtig über die Straße zu tragen und dort sanft auf den Boden zu setzen.

Rund sechs Wochen sind Naturschützer an den Zäunen im Einsatz. Am frühen Morgen und am Abend werden die Tiere auf die andere Straßenseite getragen, um ihren Weg fortzusetzen. Den Rückweg müssen sie hingegen alleine meistern, denn diese Wanderung dauert nicht nur viel länger. Die Frösche, Molche und Kröten passieren die Straßen auch nicht mehr konzentriert an bestimmten Stellen, sondern suchen ihre eigenen Wege. „Die Zäune müssten verdoppelt oder verdreifacht werden. Das ist nicht zu leisten“, sagt Angela Blume.

STATISTIK:
Selbst auf einer wenig ­befahrenen Straße mit neun Autos pro Stunde liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit der wandernden Erdkröten bei unter 20 Prozent
(Quelle: NABU)
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