Auf zum letzten Tanz: Thüringer Kirmes im Wandel - In Kleinschwabhausen bebt der Plan

Kirmesbursche Edgar Wendelmuth (li.) wird auch am Kirmeslauf in Kleinschwabhausen teilnehmen. Dann im Sportdress und nicht im Anzug.
 
Konrad Geisler wird die Wanderung mit dem Akkordeon begleiten. (Foto: privat)
Kleinschwabhausen: Plan |

Thüringer Brauchtum lebt dort fort, wo sich die Jugend engagiert und neue Ideen für Schwung sorgen - Kirmes und Sport können harmonieren





Mit dem Wonnemonat Mai - mancherorts wird auch zwischen Januar und April gefeiert - startete das Gros in der Thüringer Kirmessaison. Über 700 Kirmesvereinehalten im Freistaat die Tradition hoch. Gefeiert wird aber ganz verschieden. Doch gemeinsam ist, ein Kirmesverein hält die Dorfgemeinschaft zusammen. Gut ist es dort, wo es noch so funktioniert. Denn mit der Kirmes ist es oftmals wie in der Wirtschaft: Die Großen werden größer und die Kleinen werden kleiner, specken ab oder gehen pleite.

Glück haben die Kirmesvereine, die noch auf einen Wirtshaussaal oder ein Bürgerhaus zurückgreifen können. In größeren Ortschaften kann sich ein Festzelt rentieren. Es geht aber auch im Freien wie in Kleinschwabhausen im Weimarer Land. Hier wird der Plan - ein zentraler Dorfplatz - festlich herausgeputzt.

Egal wie und wo die Kirchweih gefeiert wird, Voraussetzung zur Fortführung der Tradition sind die Macher. "Die Jugend ist gefordert. Sie kann das Brauchtum mit Leben erfüllen und somit erhalten", sagt Michael Bang vom Schaustellerfachverband Thüringen. "Jeder will für alles Geld haben. Da müssen Veranstalter gut rechnen, aber auch angesichts der Fülle von Angeboten etwas wagen, ausprobieren und die regionale Nische finden", sagt Bang.

Das haben die Kleinschwabhäuser verstanden. Nach dem Besucherschwund am Nachkirmes- Sonntag haben sie reagiert. So wird seit 2009 einKirmeslaufveranstaltet - der brachte neuen Schwung und wächst. In diesem Jahr sind es über einhundert Starter und der Plan ist wieder brechend voll. Überhaupt ist es erstaunlich wie der 230-Seelen-Ort zur Kirmes - immer drei Wochen nach Pfingsten - aufblüht. Immerhin kann die kleine Gemeinde 300 bis 400 Kirmesgäste verzeichnen. Da scheinen alle vor Ort zu sein - Einwohner, Ehemalige, Verwandte und Freunde. "Alle Dorfbewohner kommen zum Tanz", das hat Peter Kuhles - der 1997 von Frauenwald nach Kleinschwabhausen zog - überrascht. "Auch die Bewirtung zu den Ständchen - immerhin zieht ein ganzer Pulk der Einwohner mit den Kirmespaaren von Haus zu Haus - war neu für mich", sagt Kuhles.

Die Gemeinschaft, der Zusammenhalt macht das alles möglich. Das weiß auch der jung gebliebene Kirmesbursche Konrad Geisler. Er zog mit seiner Kirmesjungfer 1951 erstmals auf den Plan. "Wir haben schon als Kinder 1946 mitgeholfen, dass die Kirmes auf dem Plan stattfindet. Damals gab es keine Bretter, keine Nägel zum Bau der Tanzfläche auf dem unebenen Gelände. Da haben wir Nägel eingesammelt und gerade geklopft", sagt der 79-Jährige. Die heutige Kirmesjugend hat da eine bessere Grundlage und die Kirmesmädels werden auch nicht wie in den 1950er-Jahren zugelost. Nach der Wende wurde sogar an drei Wochenenden hintereinander geschwoft. Doch das lässt die Bürokratie seit zwei Jahren nicht mehr zu. Die sechs Pärchen, die Organisatoren und Helfer aus dem Ort stehen für ihre Kirmes. Und da engagieren sich alle. "Die Frauen backen extra für den Kirmeslauf - jeder Starter erhält als Bonus ein Kuchenpaket - zwanzig Blechkuchen", sagt Birgit Hänsgen. "Und wenn wir was machen, dann ordentlich", fügt sie an. Der Zusammenhalt über Jahrzehnte prägt das dörfliche Leben. Die Kleinschwabhäuser Kirchweih lebt fort.

Egal, ob Kirmeslauf, Beat, Sketche oder regionale Spezialitäten, die Tradition, verbunden mit neuen Höhepunkten, bringt mehr Spaß für die Gäste, fördert aber auch Lust bei den Machern, etwas auf die Beine zu stellen. So bleibt die Kirmes das Nonplusultra in den Thüringer Orten.

TERMIN + INFORM@TIONEN

Kirmeslauf in Kleinschwabhausen, 12. Juni, ab 9.30 Uhr
» www.kirmeskalender.de
» Facebook: Kirmesgesellschaft Kleinschwabhausen
» www.apoldaer-lv.de

ZUR SACHE

Der Kirmeskalender 2016
weist in Thüringen 417
Veranstaltungen aus.
Das machen andere:

 Bauerntheater zur Kinderkirmes in Werningsleben,
 Beatnacht in Windischholzhausen,
 Frühschoppen im Park in Alach,
 Fackelumzug in Altengottern,
Männerkirmes mit Schlachtfest in Apfelstädt,
 Schwarzlichtparty in Auerstedt,
 „Bauer sucht Frau“ in Eichelborn,
 Kabarett in Gebesee
 Oldtimerparade in Gefell,
 Latschenball in Merkers,
 Kloßessen in Nermsdorf,
 Bierzeltolympiade in Neuhaus am Rennweg,
„Original Wißbcher Scharpsch“ (Kartoffelpuffer) in Oberweißbach,
 Trachtenkirmes in Oßmannstedt,
Waldkirmes in Pfiffelbach,
 Essen aus der Gulaschkanone in Sättelstädt /Sondra.
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3 Kommentare
meinanzeiger .de aus Erfurt | 08.06.2016 | 15:28  
Thomas Gräser aus Erfurt | 08.06.2016 | 15:37  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 08.06.2016 | 18:01  
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