Besondere Orte: Kutschenmuseum in Auerstedt

Das Kutschenmuseum beherbergt stattliche Gefährte.
Auerstedt: Schloss | „Diese hier hat sogar eine eingebaute ­Toilette.“ Werner Meister weist auf eine herrschaftliche Kutsche. Mit ihr reisten Maria Pawlowna und Erbprinz Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach von Sankt Petersburg nach Weimar. Die Kutsche ist ein Geschenk von Zar ­Ale­xander I., dem Bruder Maria Pawlownas, zur Hochzeit seiner Schwester mit dem Deutschen. Gebaut wurde sie 1804 in Russland. Auch ein Geheimfach gibt es in der viersitzigen Kutsche. Hier konnten Wertsachen verstaut werden, um sie bei Überfällen nicht preisgeben zu müssen. „Aber das hätte wohl im Falle eines Falles nicht viel genützt“, ist sich Meister sicher. Auch die Nutzung der „Bordtoilette“ erscheint heutzutage als zumindest gewöhnungsbedürftig. Ihre Funktionsweise erinnert an ein Plumpsklo. Die „Geschäfte“ landeten auf der Strecke.

Werner Meister weiß interessant und anschaulich nicht nur über die Hochzeitskutsche zu berichten. Er ist Vorsitzender des Heimat- und Traditionsvereins von Auer­stedt und mit der Geschichte seines Ortes und der Region sehr vertraut. Gemeinsam mit seinen Vereinsmitgliedern bietet er Führungen im Schloss Auerstedt an. Hier in den ehemaligen Stallungen ist der noch erhaltene Fuhrpark der Herzöge und Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach untergebracht. Elf Kutschen an der Zahl. Die Kutschensammlung gibt einen kleinen Überblick über Funktion und Bauweise von Kutschen und deren technische Weiterentwicklung. Die Sammlung gehört der Klassik Stiftung Weimar und wurde im Jahr 2004 aus der Orangerie von Schloss Belvedere nach Auerstedt überführt. Neben dem Hochzeitswagen sind Reise-und Jagd­kutschen zu sehen. Auch eine Kinderkutsche. Diese konnte mit Hunden, Ziegen oder Ponys gezogen werden. Gebaut wurde sie um 1812 in Weimar und soll von Carl Alexander genutzt worden sein.

Besondere Aufmerksamkeit verdient ein Staatswagen, der 1808 in Gotha gebaut wurde. Gewölbte, runde Fenster unterstreichen seine Kugelform. Herzog August wollte die Kutsche Napoleon zur Verfügung stellen, als dieser 1808 auf dem Erfurter Fürstenkongress weilte. „Doch der Franzose sah in dem futuris­tischen Gefährt ein Machwerk des Teufels“, erzählt Werner Meister, „und stieg nicht ein“.

ENTDECKUNGEN:
Nicht die gesamten Stallungen auf Schloss Auerstedt werden durch die Kutschensammlung genutzt. In Teilen des Gebäudekomplexes sind das Heimatmuseum und das Handwerkermuseum des Heimat- und Traditionsvereins untergebracht. Werkzeuge aus Handwerk und Landwirtschaft erinnern an die bäuerliche Arbeit. Zudem wird ein Eindruck vom alltäglichen Leben auf dem Lande vermittelt – mit Hilfe nachgestellter Wohn- und Schlafräume. Auch eine Speisekammer ist zu besichtigen.
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