Briefbeschwerer aus der Herderkirche

Stücke des Ettersberger Travertins vom alten Kirchenboden verkauft Elke Schwarz jetzt als Souvenir im Kirchenladen.
 
Superintendent Henrich Herbst und Architektin Dr. Anja Löffler vor dem Seiteneingang der Kirche, der auch während der Sanierung für Besucher geöffnet bleibt.
Weimar: Herderkirche | Trotz Sanierung bleibt das Weimarer Weltkulturerbe geöffnet – Souvenirverkauf soll bei Finanzierung helfen

Weimar. Die Herderkirche zum Mitnehmen, das ist eine Idee, mit der die evangelische Kirche ihren Eigenanteil von einer Million Euro an der Sanierung der Weimarer Stadtkirche finanzieren möchte. Ab dem 13. März beginnen die umfangreichen Sanierungsarbeiten im Gotteshaus.

Zum Beispiel wird der Fußboden von Chor und Kirchenschiff erneuert. Der bisherige Boden wurde in den 1950er-Jahren verlegt und besteht aus Ettersburger Travertin. Einige Teile des Bodens sind bereits herauslöst und in kleine Stücke zersägt worden. Ab sofort werden diese als Souvenir verkauft. „Ich könnte mir das Teil ganz gut als Briefbeschwerer vorstellen“, sinniert Superintendent Henrich Herbst über die Verwendung des nur in begrenzter Zahl erhältlichen Erinnerungsstückes.

Ein neuer Fußboden ist dringend notwendig. Rund 200 000 Besucher werden pro Jahr in der Kirche gezählt. Das zieht klimatische Probleme nach sich. Der Cranach-Altar und das Luthertriptychon könnten auf längere Sicht Schaden nehmen. Ein neuer Fußboden mit einer Fußbodenheizung soll das Problem lösen. Kombiniert mit Heizungen an ausgewählten Wänden kann so eine konstant niedrige Temperatur von 6 bis 8 Grad gehalten werden. „Dauerhaft auch im Winter“, erklärt die leitende Architektin Dr. Anja Löffler. Bei Konzerten könnte man etwas aufheizen. Dafür sorgen Radiatoren unter dem Gestühl.

Während der Bauarbeiten soll die Kirche auch weiterhin zugänglich sein. Über einen Seiteneingang können die Gäste auf die erste Empore gelangen und von dort aus einen Blick ins Kircheninnere werfen. Der Cranach-Altar wird zu sehen sein, allerdings hinter einer Plexiglasscheibe. Um ihn aus nächster Nähe betrachten zu können, will man außerdem eine große, mit einem Bild vom Altar bedruckte Plane im Kircheninneren aufhängen. Zusätzlich informiert auf der Empore eine Ausstellung über die Baumaßnahmen und die Geschichte der Kirche.

Täglich um 17 Uhr wird zu Führungen auf die Baustelle eingeladen. Während der Besuch der Kirche weiterhin kostenlos ist, wird während der Sanierung ein Eintritt zur Empore in Höhe von 4 Euro erhoben. „Das Geld kommt zu 100 Prozent der Sanierung zugute“, erläuterte Pfarrer Hardy Rylke. „Kirche im Umbruch“ hat die Kirchgemeinde diesen transparenten Prozess umschrieben. Dazu werden im Laufe des Jahres auch Konzerte direkt auf der Baustelle veranstaltet. Die Aufgaben der Stadtkirche übernimmt während der Sanierung die Jakobskirche. Es ist geplant, die Herderkirche zu Weihnachten 2012 für Gottesdienste wieder nutzen zu können.

Hintergrund:
- Die im Volksmund als „Herderkirche“ bezeichnete evangelische Stadtkirche St. Peter und Paul ist eine der bedeutendsten Kirchen Thüringens. Luther predigte mehrmals in der Kirche. 1525 wurde hier die Reformation eingeführt.

- Ihren Beinamen trägt sie nach dem Theologen und Philosophen Johann Gottfried Herder. Er wirkte von 1776 bis zu seinem Tod 1803 als Generalsuperintendent in der Kirche und fand hier seine letzte Ruhestätte.

- 1807 wurde hier auch Herzogin Anna Amalia bestattet. Besonders bemerkenswert ist der Cranach-Altar.

- Die Restaurierung der Herderkirche 2012 ist erstes Teilprojekt des UNESCO-Welterbeprogramms, das weitere Baumaßnahmen umfasst. So wird der Herderplatz 6-8 bis 2013 zu einem Herderkirchzentrum mit Saalbau, Besucherzentrum und Kirchenladen, Gruppenräumen und Büro umgestaltet.

- Die Gesamtkosten von etwa vier Millionen Euro tragen der Bund, das Land Thüringen, die Stadt Weimar und die Evangelische Kirche gemeinsam.
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