Des Kanzlers Türme: Auch 200 Jahre nach seiner Geburt ist Bismarck in Thüringen noch immer präsent

Das Bismarck-Relief am Turm in Sondershausen. (Foto: Sibylle Klepzig)

Nach dem Machtverlust kam die große Verehrung. Ein sauer eingelegter Hering wurde nach Otto von Bismarcks (Seine Biografie finden sie hier.) benannt, ebenso eine Biskuitrolle mit Schokobuttercreme (Bismarck-Eiche) und eine Gurke benannt. Doch vor allem huldigte man dem "eisernen Kanzler" durch Türme und Feuersäulen.

Er polarisiert noch heute: der Reichsgründer und Magier der Macht. Für andere war er ein Kriegstreiber, Sozialistenfresser, ein mit Zuckerbrot und Peitsche Taktierender. Die geschichtliche Einordnung des Junkers aus Schönhausen bei Stendal wird wohl immer auch eine Frage der eigenen politischen Verortung sein.

Zum Mythos nach dem Machtverlust


Doch trotz aller Widersprüche: Otto von Bismarck wurde eine Verehrung zu teil wie keinem anderen deutschen Politiker. Sie wurde nicht von oben diktiert, sondern wuchs aus dem Volk heraus. Allerdings erst, als sein politischer Einfluss schwand. Nach seiner Entlassung durch Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1890 wurde Bismarck zum Mythos.

Unter Studenten entstand die Idee, den Altkanzler mit Türmen und Feuersäulen zu ehren. Auf ihnen sollten Feuer lodern. Von Turm zu Turm wollte man ein Flammennetz entspinnen, dass das Deutsche Reich umspannt. 50000 Briefe haben die jungen Bismarck-Verehrer an Städte und Gemeinden verschickt, um für ihr Vorhaben zu werben. Privatleute, Bismarck-Vereine, nationale Verbände sowie Wander- und Verschönerungsvereine sammelten Spenden. Über 200 Türme und Säulen wurden gebaut. 17 davon sind noch immer in Thüringen zu finden. Sie stehen in Altenburg, Apolda, Auleben, Erfurt, Heilsberg, Hildburghausen, Jena,Mühlhausen, Neustadt/Orla, der Rothenburg (Kyffhäuser), Remda, Ronneburg, Rudolstadt und Sitzendorf, Sondershausen.

Manche Türme sind verschwunden


Sieben Bismarcktürme existieren nicht mehr: Bad Sulza (1942), Eisenach (1963), Gera (1949), Lehesten 1979, Meiningen 1927 Vacha (1978) und Weimar (1949). (In Klammern das Jahr des Abrisses).

Als Galionsfigur wird heute Bismarck nur noch von wenigen (hier ein Beispiel) wahrgenommen. Viele Türme aber sind nach langem Dornröschenschlaf wieder ins öffentliche Gedächtnis gerückt – als Ausflugsziel mit wunderbarem Blick ins Land.

Zahlen

+ Von 1869 bis 1934 wurden 240 Bismarcktürme und Bismarcksäulen auf vier Kontinenten errichtet.
+ In Deutschland gibt es heute noch 146 dieser Erinnerungsstätten.
+ Nach Nordrhein-Westfalen ist Thüringen das Bundesland mit dem meisten Bismarcktürmen.
+ In Thüringen sind von 24 Bauten heute noch 17 erhalten. 13 von ihnen sind Aussichtstürme.
+ Die erste Feuersäule wurde nach nur zweimonatiger Bauzeit am 1. April 1899, zu Bismarcks 84. Geburtstag, in Rudolstadt eingeweiht. Heute ist sie stark beschädigt.
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