Die Deutsche Bahn hat für mich immer eine Überraschung parat.

Ich reiste mit der Bahn und las auf dem Reiseplan des IC 2259 die Ankündigung der Gedenkkonzerte zum 70. Jahr Kriegsende mit Chefdirigent Justus Frantz und Philharmonie der Nationen. Am 7. Mai im Konzerthaus Berlin und am 8. Mai in der Alten Oper Frankfurt. Es werden Werke von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven gespielt. Beide sind mir wohlbekannt, aber mich interessierte warum grade diese Stücke ausgesucht wurden und las zu Hause bei Wikipedia und bei Philharmonie der Nationen nach.
Beethovens 5. Symphonie op. 67, dort kommt der strahlend-visionäre Aufbruch aus düsterer Zeit besonders deutlich zum Ausdruck. Der schicksalsschwere c-Moll-Beginn des Werkes wandelt sich in vier Sätzen zum Finale hin in einen Blech-bläser-Jubel in C-Dur.

Schostakowitsch 5. Symphonie op. 47. Er schrieb seine fünfte Symphonie als grelle Klage gegen die von den totalitären Regimen des Stalinismus und des National-sozialismus verfolgte Gleichschaltung der Menschen. Ihr Aufbau folgt nur zum Schein dem auch Beethovens Symphonie zu Grunde liegenden klassischen Schema „Durch Nacht zum Licht!“ – doch steht am Ende kein gelöster Triumph-marsch, sondern der erzwungene Jubel geängstigter Menschen in einem Umfeld von Willkür und Gewalt.

Die beiden Meisterwerke werden ergänzt durch Beethovens Ouvertüre Leonore Nr. 3, deren berühmtes Trompetensignal als klangliche Chiffre für Freiheitsdrang und Humanismus schlechthin steht.

Meiner Meinung nach gehört in das Programm zum 70. Jahr des Kriegsende nicht die 5. Symphonie op. 47 von Schostakowitsch, welche zur Gleichstellung von Faschismus und Stalinismus missbraucht wird, damit werden die 50 Mio. Gesamtopfer des Zweiten Weltkriegs, davon in der Sowjetunion 27 Mio. verhöhnt, sondern die 7. Symphonie in C-Dur op. 60 von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, genannt Leningrader Symphonie:

„Ich widme meine Siebente Symphonie unserem Kampf gegen den Faschismus, unserem unabwendbaren Sieg über den Feind, und Leningrad, meiner Heimatstadt ...“– Schostakowitsch am 29. März 1942 in der Prawda.

Im heutigen Deutschland ist Fremdenhass, eine Form des Faschismus, ein hochaktuelles Thema. Die Zivilgesellschaft muss dafür sorgen, dass der Grund-gesetz, Artikel 3 erfüllt wird.
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Nach der Kenntnis des Konzertprogramms was ich gelesen habe, kann ich Lü Buwei um 300 v. Chr. nur zustimmen:
''Es genügt, die Musik eines Landes zu beobachten, um seine Sitten zu kennen.''
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