Die Postkarte lebt – nur der Schnee fehlt: Zu Weihnachten erlebt der handschriftliche Gruß eine Renaissance

In diesem Jahr war diese Weihnachtskarte besonders beliebt. Sie besticht auch ohne Schnee. (Foto: Matthias F. Schmidt)
 
Jörg Bley (links) und Günter Burghard mit einer Auswahl von Weihnachtspostkarten, die der GraviPrint-Verlag aus Bad Salzungen für Erfurt entwickelt hat. Aus macher Postkarte entsteht gar ein Adventskalender. Foto: Schulter
Bad Salzungen: Am langen Steif 5 |

Postkarten geschrieben, erzählt Jörg Bley vom Gravi-Print-Verlag in Bad Salzungen. E-Mails, SMS und WhatsApp-Nachrichten setzen dem handgeschriebenen Gruß durchaus zu. „Zum Glück aber nicht so sehr, wie noch vor ein paar Jahren vermutet.“

Einen Rückgang von rund einer Million auf etwa 800000 verkaufte Postkarten pro Jahr musste das Unternehmen verkraften. „Aber“, so Bley, „die Postkarte ist nicht tot.“ Dem stimmt auch Günter Burghard zu. Er hat den Verlag lange Zeit unter seinem Familiennamen geführt. Vor allem die Generation 50plus gehöre zu den Kartenschreibern, ist sich der Senior sicher.

Vielmehr als elektronische Postwege setzt dem Verlag das Wetter zu. Denn er erzielt einen Großteil seines Umsatzes durch Weihnachtspostkarten. „Der Schnee fehlt für winterliche Fotomotive“, so Bley. Noch mehr wirkt sich das aber auf die klassische Urlaubskarte aus den Thüringer Winterferienorten aus: „Sie werden nur gekauft, wenn auch wirklich Schnee liegt.“ Selbst in Suhl finde man immer winterliche Motive. Allein Oberhof bilde eine Ausnahme.

Trotzalledem findet Bley immer wieder neue Anregungen für seine Produkte. Eine hohe Schlagzahl an Neuauflagen gibt es zur Weihnachtszeit. Allein drei neue Karten gibt es in diesem Jahr für Erfurt. Viele andere Thüringer Städte versorgen Bley und sein Team mit Weihnachtskarten mit regionalen Motiven.

Weihnachtsmarkt mit Krippe besonders beliebt


Der Verkaufsschlager in dieser Saison ist eine Karte vom vom Erfurter Weihnachtsmarkt. Sie braucht keinen Schnee, sondern lebt allein von der Stimmung. In weiches Licht getaucht sind die Verkaufsbuden. Im Hintergrund thront der Dom. Der Blick des Betrachters aber wird auf die Weihnachtskrippe im Vordergrund gezogen. „Diese Sicht auf den Markt gibt es nur auf der Postkarten“, gibt Bley zu. Die Karten machen die Realität eben immer ein bisschen schöner.

Um das zu erreichen, trickst man auch. „Ein störender Strommast wird aus dem Bild entfernt“, erzählt Burghard. Die Vorlage des Fotografen wird zudem auf andere Weise optimiert: Farbe und Konturen müssen stimmen, die Schrift dazu passen. Bei mehreren Motiven ist zu entscheiden, wie die Bilder anzuordnen sind. Auch aktuelle Trends spielen eine Rolle. Mal bevorzugen die Käufer Ränder, mal wollen sie keine. Es gab Zeiten, wo schrille Farben Mode waren. „Das alles aufeinander abzustimmen, kostet Zeit und Nerven“, erzählt Bley.

Ideen für die klassischen Postkarten kommen oft aus dem Internet


Viele der im Verlag erscheinenden Fotomotive stammen von Seniorchef Burghard. Doch zumeist liefern freie Fotografen das Bildmaterial. „Manchmal finde ich auch in der Zeitung ein schönes Motiv und frage nach, ob wird das Foto als Karte herausbringen können“, erklärt Bley die Vorgehensweise. Und paradoxerweise finde er Ideen für die klassische Ansichtskarte auch im Internet.

Zur Sache

+ Der Verlag wurde 1938 durch die Eltern von Günter Burghard in Berlin gegründet. + Nach dem Krieg siedelte er ins Erzgebirge um, später nach Bad Salzungen.
+ Der Verlag wurde immer privat geführt, auch zu DDR-Zeiten.
+ Im Sommer verkaufte Günter Burghard den Verlag an Ute Bley. Seitdem heißt er Grai-Print.
+ Der Verlag produziert vornehmlich Postkarten für West-, Nord- und Südthüringen.
+ 80 Prozent des Sortiments umfasst Fotopostkarten. Hinzu kommen Klappkarten, Magnete und Fototassen. Auch Adventskalender mit Postkartenmotiven gehören dazu.
+ Jedes Jahr werden rund 200 Motive neu ins Programm genommen.
+ Hauptabsatzmarkt ist vor allem Erfurt. Für die Landeshauptstadt gibt es allein 20 weihnachtliche Motive, für andere Thüringer Städte eins bis zwei.
+ Die Auflage einer Postkarte beträgt in der Regel 3000 Stück. Sie sollte in 3 bis 5 Jahre vergriffen sein. Manche Motive schaffen es viel schneller.
+ Eine Karte mit den Rennsteiglied gilt als Klassiker des Verlages und wird seit Jahrzehnten verkauft.
+ Etwa 800000 Postkarten verkauft der Verlag pro Jahr. Zu DDR-Zeiten waren es acht Millionen.
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