Egozentrische Flucht aus der Spießigkeit. TLZ, 30.03.2015.

Die Premiere von Frau Paula Trousseau nach dem Roman von Christoph Hein am 28.03.2015 im E-Werk Maschinensaal, hat mich ratlos gelassen. Welche Botschaft sollte mir dieses Schauspiel vermitteln, welches mit exzellenten chauspielerischem Können gespielt wurde? Oder war es am Ende nur ein Psychothriller?

Die Geschichte erzählt über eine resolute Malerin welche für den persönlichen Wunsch um alles in der Welt Künstlerin zu sein, alles opfert. Ihre Ehe zerbricht, ihre Tochter Cordula bleibt beim geschiedenen Mann, da sie vor Gericht keine Anstalten macht, ihre Rechte als Mutter wahrzunehmen. Im Gegenteil, ihre Tochter war ihr Belastung geworden, bestimmte ihren Tagesablauf und hinderte sie beim Malen. Andere Menschen, welche sie liebten nutze sie nur aus. Den Sohn Michael erzieht sie alleine um zu beweisen, ich kann es auch. Mit rücksichtslosem Egoismus setzt sie sich als Malerin durch. Das alles geht gut, bis zum Mauerfall. Damit hat sich die Situation für viele Menschen im Osten und auch für die freischaffende Künstler geändert. Paulas Auftraggeber machen Pleite oder werden von westdeutschen Verlagen übernommen und diese haben kein Interesse für ihre Bilder. Paula ist 1992 vierzig geworden und am Ende mit ihrem Egoismus. Nach der Einheit Deutschlands ist sie nicht die große Künstlerin geworden. Sohn Michael hat sich abgenabelt und geheiratet. Tochter Cordula möchte von ihrer Mutter nichts wissen. Am Ende des Schauspiels schrieb Paula auf das große weiße Bild, welches ihr großer Traum war und dafür alles geopfert hat: ''Das ist die Bitte geliebt zu werden!'' Sie hat, aber vorher alle Anderen nicht geliebt, nur sich selbst und plötzlich stellt sie fest, dass es ein großer Irrtum war. Sie wird damit nicht fertig und wählt den Freitod.

Und nun wieder meine Frage nach der Botschaft? Paula hatte nie Zeit zu lieben, verfolgte nur eigene Ziele und hat viele Menschen unglücklich gemacht. Aber nur wer sich Zeit nimmt zu lieben, für Andere da zu sein, wird auch geliebt, dies ist der wahre Reichtum des Lebens. Und da ist es egal in welcher Gesellschaft wir leben.
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