Ein Bild und seine Geschichte

Apfel - und Hasenkunde angeregt durch Hugo

Diese sommerlichen Temperaturen waren bisher sehr gut dazu geeignet die gemeinsamen Essenszeiten mit meiner Frau am kühleren Morgen oder am wärmeren Abend ausgiebig auf Balkonien zu genießen. Von dort aus war ein herrlicher Apfelbaum mit rotbäckigen Früchten zu sehen, wo sich zunehmend die Äste bogen von ihrer Last und wir hatten Angst, dass sie durchbrechen.

Doch nicht nur wir bewunderten die reifen Äpfel, sondern wir staunten nicht schlecht, als regelmäßig zur Abendzeit ein Hase erschien und sich an den darunter liegenden köstlichen Früchten labte. Beim ersten Erscheinen tranken wir gerade einen „Hugo“ und somit hatte auch der Hase seinen Rufnamen weg!

Hugo besucht den Apfelbaum regelmäßig, er ist der Hase von unserem Kiez, fast Jeder kennt ihn. Er lässt sich nur kurz von vorbeigehenden Leuten oder Hunden stören, da sucht er schnell das Weite, was ihm bei seinen langen Beinen nicht schwer fällt und dann kommt er wieder zurück.

Diese Geschichte könnte hier zu Ende sein, aber ich bin neugierig geworden und möchte gern mehr über Äpfel und Hasen erfahren und vielleicht weitere Gemeinsamkeiten finden.

Welche Überraschung für mich, es gibt weltweit über 20.000 verschiedene Apfelsorten. Die Germanen kannten nur den Wildapfel, erst die Römer brachten uns den Kulturapfel. Beim aufmerksamen Spaziergang hinten unserem Kiez, im herrlichen grünen Paradies, kann man auch die verwilderten Formen der Kulturapfel (oder sind es Wildapfel ?) sehen. Ob auch Hugo das Sprichwort kennt: "Ein Apfel am Tag - Arzt gespart!". Im Jahr isst jeder Deutsche zirka 17 Kilo Äpfel und trinkt 11 Liter Apfelsaft. Wohl bekomm´s!.

Mir fallen, aber auch die vielen Legenden, Mythen und Bräche um den Apfel ein, die in enger Verbindung mit der Symbolik des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Liebe stehen.

Der Apfel ist eine Kugel und gilt seit der Antike als Symbol für die Erde und als Symbol herrschaftlicher Macht. Im Mittelalter wurde es in einen Reichsapfel umgewandelt, der durch die Form Vollkommenheit, Ganzheit und Einheit vermittelte.

Der Apfel kommt in vielen deutschen Märchen vor. Das Bekannteste ist wohl Schneewittchen, dessen böse Stiefmutter die rote Seite eines Apfels vergiftet und das schöne Mädchen damit töten will um die Schönste zu sein. Aber ein schöner Prinz rettet Schneewittchen.

Wir dürfen den Apfel beim Urteil des Paris nicht vergessen. Den Apfel bekommt nur die Schönste von drei Göttinnen, Aphrodite, Athene oder Hera. Hera verspricht ihm Herrschaft über die Welt, Athene verspricht Weisheit und Aphrodite die Liebe der schönsten Frau der Welt. Aber die schöne Helena, war schon verheiratet und so kam es wegen dem Raub der schönen Helena zum Trojanischen Krieg.

Zum Glück schläft Hugo nicht unter dem Apfelbaum, dass kann weh tun, so bekam der Apfel nämlich auch für die Wissenschaft Bedeutung. Isaac Newton, soll während seines Mittagsschlafes unter einem Apfelbaum ein Apfel auf den Kopf bekommen haben, was sehr weh tat. Er dachte nach, die Erde muss den Apfel irgendwie angezogen haben. Mit diesen Überlegungen hatte Newton die Entdeckung der Gravitationskraft gemacht.

Auch im DNT geht manchmal nichts ohne Apfel. Wie schrieb Friedrich Schiller in seinem Drama ''Wilhelm Tell'', uraufgeführt am 17. März 1804 am Weimarer Hoftheater? Der Jäger Wilhelm Tell schießt seinem Sohn Walter mit einer Armbrust einen Apfel vom Kopf. Das Spannungsverhältnis von individueller Freiheit und mitmenschlicher Solidarität ist, neben dem Recht auf Widerstand, eines der Hauptthemen des Dramas

Ob es tatsächlich die verführerische Frucht Apfel war, die Eva und damit der Menschheit zum Verhängnis wurde und zum Sündenfall, sei dahingestellt. In der Bibel ist keine Rede von einem Apfel, sondern von einer Frucht und diese Frucht hat die Kirche zum Apfel gemacht. Auf Lateinisch hießt Apfel ein Malus und das Böse heißt auch Malus oder Malum. Und Adam soll ein Bissen der verbotenen Frucht im Hals stecken geblieben sein, daher medizinisch der Adamsapfel.

Der angebissene Apfel als Firmenlogo ''Apple'' ist die Maßeinheit der Computertechnik "Byte" und sollte Wissenszuwachs symbolisieren, wie mit einem Biss vom Baum der Erkenntnis im Paradies.
Endlich auch ein positives Urteil über unseren geliebten Apfel.

Doch ich glaube, dass interessiert unseren Kiez Hasen Hugo überhaupt nicht, wenn er sich Abend für Abend an diesen schönen Äpfeln labt. Aber mich interessiert, was die klugen Leute, alles über den Hasen wissen.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass der Hase für uns Menschen das vielseitigste Tier der Welt ist. Er hat einen wichtigen Platz in unseren Brauchtum, unseren Mythen, aber auch in der Religion.

Heute sind die Vertreter der Familie Hase (Feldhase und Schneehase) auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis zu finden. Die Menschen haben den Hasen nach Südamerika, Australien und verschiedene Insel mitgenommen, wo sie früher nicht gewesen waren, als Erinnerung an ihre Heimat.

Öfters wird er mit dem Kaninchen verwechselt. Doch Hasen haben Lange Ohren, kräftige Hinterbeine, leben in freier Natur und neugeborene Hasen haben ein Fell und offene Augen und sind Nestflüchter. Kaninchen dagegen graben Erdbaue, deshalb würden lange Ohren und kräftige Hinterbeine stören. Sie leben gesellig und die neugeborenen Kaninchen sind ohne Fell, blind, das sind Nesthocker.

Hasenbraten schmeckt vorzüglich und deshalb wird er in Deutschland gejagt. Aber seit den 1960er Jahren geht der Bestand stark zurück, deshalb wird der Hase in der Roten Liste als „gefährdet“ geführt. Die Ursachen des Rückgangs in Deutschland sind die starke Intensivierung der Landwirtschaft, der massive Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie der Einsatz der Landmaschinen.

Der Hase gilt für uns Menschen als ein Symbol für Lebenskraft, Wiedergeburt und Auferstehung. Durch seine große Vermehrungsrate war er bereits in der Antike ein Fruchtbarkeitssymbol.

Mit seinem schnellen Davonlaufen ist er ein Symbol der Schnelligkeit aber auch der Ängstlichkeit und Feigheit. Die Redewendungen: Angsthase, Hasenfuß und Hasenherz beziehen sich auf seine Angst. Redewendungen: ein "alter Hasen" ist ein Menschen mit sehr viel Erfahrung. "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts" bedeutet: "Keine Ahnung", "Ich weiß nicht wovon du sprichst" oder "Ich hab nichts mit der Sache zu tun", geht auf einen Studenten mit dem Namen Hase zurück. Oft wird gesagt, wo nichts los ist ''Auf dem Lande sagen sich Hase und Fuchs gute Nacht''.

Für Christen ist Ostern das wichtigste Fest im Kirchenjahr, Jesus ist von den Toten auferstanden. Aber davon halten viele Menschen nichts und Ostermontag ist für viele nur ein Feiertag, verbunden mit Osterhasen aus Schokolade, welche man schon Anfang des Jahres im Supermarkt kaufen kann. Der Höhepunkt ist der Familienspaß, wo die Erwachsenen mit den Kinder die bunten Eier suchen.

Der Hase hat, aber auch seinen Platz in Märchen und Fabeln. Am bekanntesten ist wohl ''Der Hase und der Igel''. Der Hase macht sich über die schiefen Beine des Igels lustig, woraufhin ihn dieser zu einem Wettrennen herausfordert. Bei dem Rennen auf einem Acker läuft der Igel nur beim Start ein paar Schritte, hat aber am Ende der Ackerfurche seine ihm zum Verwechseln ähnlich sehende Frau platziert. Als der siegesgewisse Hase heranstürmt, erhebt sich die Frau des Igels und ruft ihm zu: „Ich bin all hier!“. Dem Hasen ist die Niederlage unbegreiflich, er verlangt Revanche und beim 74. Rennen bricht er erschöpft zusammen und stirbt. Der Igel ist ein „kleiner Mann“, der Hase ist „ein vornehmer Herr und grausam hochfahrend noch dazu“. Die Moral aus der Geschichte: Man soll sich über vermeintlich unterlegene Leute nicht lustig machen.

Bei YouTube kann man sich über die lustigen Geschichten von ''Hase und Wolf'' (Nu, pogodi! Na, warte!) erfreuen. Der Wolf (russ. Волк, Wolk) wird als ein typischer Hooligan dargestellt. Er ist gelegentlicher Raucher, ein Vandale, der gerne Mülltonnen umwirft, seinen Abfall auf die Straße wirft und die Gesetze missachtet. Sein Ziel ist, den Hasen zu fangen, aber ohne Erfolg. Der Hase (russ. Заяц, Sajaz) ist eine positive Figur und mit Erfolg entkommt er dem Wolf immer im letzten Moment. In den letzten Folgen rettet der Hase gelegentlich auch den Wolf.

Der Hase, aber auch das Kaninchen sind in der bildenden Kunst ein häufiges Bildmotiv. Der Feldhase, ein Aquarell von Albrecht Dürer, das in Wien aufbewahrt wird, ist eins der berühmtesten Tierbildnisse der europäischen Kunstgeschichte überhaupt. Das Hasenfenster in Paderborn, bei denen drei Hasen jeweils zusammen nur drei Ohren haben, die zusammen ein Dreieck bilden, können als Symbol für die Dreifaltigkeit aufgefasst werden, und gehen wohl auf ein altes Symbol für den Lauf und das Vergehen der Zeit zurück.

Ja so nimmt auch der Sommer seinen gewohnten Lauf und die Äpfel sind abgeerntet und Hugo kann sich nicht mehr an seinen köstlichen Äpfeln laben. So muss Hugo nun im grünen Paradies hinten unserem Kiez seine Nahrung suchen.

Dank dem Hasen Hugo, der mich auf die tollen Gedanken über Äpfel und Hasen brachte. Ich wünsche ihm einen milden Winter und dass wir ihn gelegentlich beim Spaziergang im Kiez wieder sehen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige