Freiwillig weggesperrt: Im Rätselraum in Weimar werden historische Mythen geklärt

Rätselräume sind Trend. Nun hat auch Weimar einen. Entwickelt hat ihn Jan Quilitzsch.
Weimar: Erfurter Straße 21 |

Selbstversuche kommen im journalistischen Alltag weniger häufig vor, als mancher vermuten dürfte. Doch diesmal muss es sein. Schließlich behauptet Spieldesigner Jan Quilitzsch, Trendsetter in Thüringen zu sein. Mit einem Rätselraum.


Rätselraum? Nie gehört! Was soll der Quatsch? Spielgruppen müssen einen Raub von Cranach-Gemälden aus dem Weimarer Stadtschloss aufklären und – so ganz nebenbei - das Bernsteinzimmer finden. Gewürzt wird alles noch mit etwas Goethe, ohne den es in der Klassikerstadt ohnehin kaum geht. Um das Rätsel zu lösen, wird man in einen Raum eingesperrt. Raus kommt man nach maximal 60 Minuten. Dann hat man entweder den versteckten Schlüssel gefunden und sich selbst befreit oder verloren. Solcherlei Aktivitäten seien derzeit so beliebt, erklärt Jan Quilitzsch, dass sie den Städtetourismus ankurbeln.

Alles klar. Da trommelt jemand ganz schön mächtig für seine Idee. Zu zweit machen wir uns auf den Weg. Der ist erst einmal unspektakulär. An der viel befahrenen Erfurter Straße, in einem Ladenlokal finden wir ihn, den Weimarer Rätselraum, auf neudeutsch Escape Room genannt. Die Begrüßung ist freundlich. Ein paar einführende Worte und schon bekommen wir ein Lämpchen in die Hand und werden weggesperrt.

Big Brother ist immer dabei


Regale, Kisten, ein alter Schreibtisch – die Umrisse eines Detektivbüros lassen sich nur erahnen. Dass es auch einen Lichtschalter gibt, für diese Erkenntnis brauchen wir noch etwas Zeit. Mühsam erkunden wir den Raum. Aufgaben werden hier nicht gestellt. Man muss sie selbst finden. Und über allem wachen Jan Quilitzsch und sein Mitstreiter Alexander Berlich, ähnlich wie bei „Big Brother“ im Privatfernsehen. Denn allein sind die Gruppen im Rätselraum nicht wirklich. Von außen schauen die beiden dem Treiben zu.

Rechnen muss man können


Ganz ohne Hinweise findet niemand die Lösung, hatte Quilitzsch am Anfang Mut gesagt. „Wenn der Frust zu groß wird, wird geholfen.“ Auch wir sind darauf angewiesen. Ein Zahlendreher in einer Rechenaufgabe kostet unnötig Zeit. Ein Codewort lässt sich nicht entschlüsseln. Über ein Walkie Talkie halten wir Kontakt zur Außenwelt.

„Es ist wichtig, dass sich die Spielenden unterhalten, ihre Lösungsansätze gemeinsam diskutieren. Nur so können wir eingreifen“, so Quilitzsch. Wir brauchen viele Tipps. Dass zudem ständig die noch verbleibende Zeit durchgesagt wird, sorgt zusätzlich für Stress. Positiven Stress – zum Glück. Denn wir werden vom Rätseleifer erfasst.

Nach einer Stunde ist alles vorbei. Den Schlüssel haben wir nicht gefunden, dafür haben wir für mächtig Unordnung im Rätselraum gesorgt und uns im wahrsten Wortsinn die Finder schmutzig gemacht. Der Staub ist gewollt, soll für Authentizität sorgen. Schließlich fand der Kunstraub in den 1970-er Jahren statt. Das Bernsteinzimmer wird bekanntermaßen schon viel länger vermisst. Vielleicht hätten Historiker, Hobby-Schatzgräber und die Volkspolizei viel früher in der Erfurt Straße nachschauen soll. Wir wissen jetzt, wo die Schätze versteckt sind! Denn am Ende wurde uns die Lösung dann doch verraten.

Routine hilft beim Rätsellösen


Für Jan Quilitzsch und Alexander Berlich geht es ans Aufräumen. Mit uns haben sie wohl nicht allzu viel Arbeit. „Manche Gruppen nehmen den Raum richtig auseinander“, erzählt Qulitzsch. Das sind zumeist Wiederholungstäter, die wissen, wie sich eine Aufgabe an die andere reiht. Es ist wohl ein ähnlicher Effekt wie beim Kreuzworträtsel oder Sudoku. Übung macht den Meister. Die Geschichte mit dem Rätselraum-Tourismus wird nachvollziehbar. Wo ist der nächste?

KONTAKT

Erfurter Straße 21, Weimar
info@raumraetsel.de
0176/27182742
www.escaperoomweimar.com


ZUR SACHE

+ Der Rätselraum wird von Alexander Berlich und Jan Quilitzsch betrieben.
+ Beide sind passionierte Rätselraumbesucher und haben die Aufgaben in Weimar mit Mythen der Klassikerstadt verknüpft.
+ Gespielt wird in Teams von zwei bis fünf Mitspielern.
+ Der Trend kommt aus Japan und führt aus der virtuellen Spielewelt zurück ins Reale.
+ Rätselräume gibt es mittlerweile in vielen europäischen Städten und über 120 mal in Deutschland, darunter auch in Jena. Deutsche Angebote sind zu finden unter: www.escaperoomgames.de.
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