Geschichtsfestival widmet sich dem Thema Esssen

Zum 5. Mal wird vom 15. bis 17. November in Weimar zum Rendez-vous mit der Geschichte eingeladen. Im Vorfeld sprach der AA-Redakteurin Simone Schulter mit Projektleiterin Franka Günther.

Frau Günther, mit „Geschichtsfestmahl“ haben Sie in diesem Jahr ein sehr populäres Thema gewählt. Erwarten Sie sich dadurch ein verstärktes Interesse?
Sie haben Recht: „Essen“ ist natürlich ein tolles Thema, das einfach alle Menschen immer beschäftigt hat. Unsere Beziehungen, unser Überleben, unsere Gefühle, unser persönliches Selbstverständnis. All das ist eng mit dem Essen verbunden. Eigentlich war das bei unserem Thema im letzten Jahr – „Nachbarschaften“ – auch schon so. Und es sind ja auch wirklich viele Leute gekommen. Natürlich sollen es immer mehr werden – nach oben gibt es eigentlich keine Grenzen.
Das „Rendez-vous mit der Geschichte“ ist wirklich ein Festival der Stadt Weimar für alle. Auch deswegen achten wir ja darauf, dass die Veranstaltungen möglichst keinen Eintritt kosten. Das klappt übrigens überall außer im mon ami, wo man für ein wirklich tolles Filmprogramm rund ums Essen ein paar Euro bezahlen muss. Trotzdem, muss ich gestehen, haben wir erst bei der Beschäftigung mit dem Thema „Essen“ gemerkt, wie populär es ist. Bei den Diskussionen der Historiker werden fast alle Blickwinkel beleuchtet, die wir mit dem Essen verbinden. Klar, es bleiben trotzdem immer viele Fragen offen. Aber das muss auch so sein. Die Franzosen sagen „Il faut quitter la table avec une pointe d‘appétit“; am besten, man steht vom Tisch auf, wenn man noch nicht ganz satt ist. Vielleicht hält sich die Neugier dann ja noch fürs nächste Rendez-vous – 2014.
Die Themen des „Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte“ werden übrigens von einem Beirat festgelegt, der die historischen Fragen im Blick hat. Der Grund für die Wahl des Themas war also in erster Linie, dass die Geschichte der Menschheit immer auch eine Kulturgeschichte des Essens ist.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsgericht?
Mein Lieblingsgericht ist das Ratatouille, also diese Gemüsepfanne mit den typischen Zutaten aus der Provence.

Können Sie uns ein geschichtsträchtiges Essen oder ein Menü nennen?
Polen spielt bei unserem Geschichtsfestival neben Frankreich und Deutschland immer eine große Rolle. Und es ist vielleicht sehr typisch, dass in der Zeit, in der Polen kein Staatsgebiet hatte, das Essen eine besonders große Rolle spielte.
Gerade in Zeiten der Unterdrückung kann die Esstradition für den Erhalt der kulturellen Einheit sehr wichtig sein. Das geschichtsträchtigste Essen in Polen war natürlich das Krakauer Festmahl von Kazimierz dem Großen im Jahr 1364, bei dem der König von Ungarn, der Luxemburgische Herzog und der deutsche Kaiser zu Gast waren und es sage und schreibe vierzig Gänge gab.

Viele Gäste werden zum Festival erwartet. Auf wen freuen Sie sich besonders?
Auf Alfred Biolek, auf die französischen und polnischen Freunde des Rendez-vous, die uns so treu sind, auf all die Schüler, die ja schon hier sind, ach, ich weiß nicht: auf alle! Auf ein internationales Fest der Geschichte!

Welche Veranstaltung sollte man nicht verpassen?
Wenn ich wirklich etwas aussuchen sollte, dann sage ich: Vergesst nicht, dass auch immer wieder verkostet wird! Zum Beispiel rund ums Podium von Susanne Rau am Sonnabend, um 15 Uhr in der Eckermann Buchhandlung wenn es um die europäische Geschichte von Kakao, Kaffee & Co. geht.  
Oder bei unserem Stadtarchivar Jens Riederer, der von der Geschichte der Teegesellschaften in Weimar erzählt. Oder sogar bei der Diskussion über die deutsch-polnische Martinsgans am Sonntag um 11 Uhr. Und natürlich bei den kulturellen Abenden im C-Keller, wo wir uns in Theorie und Praxis dem veganen Essen, dem Slowfood und der chinesischen Teezeremonie zuwenden.

Mehr unter:
www.weimarer-rendezvous.de
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