Gudrun Illert weckt Buchstaben zum Leben und organiert zum 5. Mal die „Buchkunst Weimar“

Wann? 28.11.2015 bis 29.11.2015

Wo? Weimarhalle, Weimar DE
Wortbilder nennt Gudrun Illert diese abstrakten Arbeiten.
 
Die Rede des Indianerhäuptlings Seattle „Worte sind wie Sterne“ füllt ein ganzes Buch.
Weimar: Weimarhalle |

Vor über 20 Jahren sollte ein Kalligrafie-Kurs Gudrun Illert Entspannung bringen. Die Leidenschaft fürs schöne Schreiben hat sie nicht mehr losgelassen. Mittlerweile gestaltet sie nicht nur selbst Künstlerbücher durch Schrift und Bilder per Hand: Sie organisiert auch für andere Künstler eine Verkaufsausstellung in ihrer Heimatstadt. Am 28. und 29. November findet die "Buchkunst Weimar" bereits zum 5. Mal statt.

Die Feder knarzt übers Papier. Die Tusche spritzt. Nicht jeder Buchstabe ist voll ausgeschrieben. Ein großer Klecks, kleine Pünktchen und feine Striche überziehen das Blatt. Schönschreiben im herkömmlichen Sinn ist das wohl nicht. Es ist weit mehr. Es ist Kunst, was Gudrun Illert mit leichter Hand und einer breiten Blechfeder zaubert. Kalligrafie.

Spielzeug aus 26 Buchstaben


26 Buchstaben umfasst unser Alphabet. Jeder einzelne ist für die Weimarerin ein Grund zum Schwärmen. „Mit ihren unterschiedlichen Formen, Binnenräumen und Winkeln kann man unheimlich gut spielen“, erzählt die studierte Schmuckgestalterin. Sie nutzt es weidlich aus.

Unter ihren Händen entstehen Buchunikate. Manche riesengroß oder zum Leporello gefaltet. Andere sorgen durch unterschiedlich lange Buchseiten für Überraschung. Illustrationen und Texte sind eigenhändig gestaltet. Der Inhalt bestimmt die Form.

Durch Schrift Texte interpretieren


„Ein gedrucktes Buch dient der Information oder dem Zeitvertreib, erklärt Illert. Künstlerbücher hingegen seien kleine Schätze. Durch Schrift und Schreibwerkzeug könne man die Texte interpretieren. Bei Goethes Gedicht vom „Fischer“ sind die Schreibzeilen gebogen wie das Profil eines Fisches, die Unterlängen des „G“ gerundet wie eine Wasserblase, das „O“ erinnert an ein offenes Fischmaul. Herman Hesses „Verliebt in die verrückte Welt“ verleiht ein überbreitet „N“ neuen Rhythmus.
Zumeist sind es Zitate, kurz Auszüge aus literarischen Werken, die sich Gudrun Illert in ihren Büchern neu erschreibt. Nur für die Rede des Indianerhäuptlings Seattle hat sie eine Ausnahme gemacht. Seine „Worte sind wie Sterne“ füllen ein ganzes Buch. Uniziale nennt sich die Schrift, die sie dafür genutzt hat. „Sie ist rund, besteht nur aus Großbuchstaben und sorgt für ein geschlossenes Schriftbild.“ Mit dieser Wahl verleiht Illert Seattles Rede zusätzliches Gewicht.

Zur Schreibkunst kam Gudrun Illert über Umwege. „Mit fünf Kindern war es schwierig, meinen Beruf auszuüben.“ Viele Jahre kümmerte sie sich vornehmlich um die Familie. Schmuck gestaltete sie vor allem für sich selbst. Anfang der 90er-Jahre nahm ihre künstlerische Biografie eine jähe Wendung, als sie ihren ersten Kalligrafiekurs belegte. Er brachte ihr viel mehr als die erhoffte Entspannung. Es war eine Initialzündung.

Lehrende, Lernende und Künstlerin


Seit dem lässt sie die Kunst des schönen Schreibens nicht mehr los – als Lehrende, Lernende und Künstlerin. In Kursen gibt sie gern ihr Wissen an andere weiter, setzt sich aber auch selbst immer wieder auf die Schulbank. „Das ist wie bei Musikern. Man muss bis ins hohe Alter üben. Man wird nie fertig. Und immer wieder entdeckt man etwas Neues.“ Und natürlich rührt sie die Werbetrommel für diese besondere Kunstgattung.

Im Jahr 2007 veranstaltet Gudrun Illert in Weimar die erste Verkaufsausstellung für Künstlerbücher. Am 1. Adventswochenende erlebt die als Biennale konzipierte Schau ihre fünfte Auflage. Gestartet war die „Buchkunst Weimar“ als flankierende Ausstellung zur Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek nach dem verheerenden Brand 2004. In kürzester Zeit hatte sie damals über 20 Aussteller gefunden, sie sich an der „Buchkunst“ beteiligen uns gern auch wiederkommen wollten. „Die meisten ist immer noch dabei“, freut sich Illert über den Erfolg. „Weimar genießt in Buchkunstkreisen mittlerweile hohes Ansehen.“ Deshalb bewerben sich auch immer mehr Künstler. Lange Wartelisten waren die Folge. Zum kleinen Jubiläum soll sich das ändern. In diesem Jahr verdoppelt sich die Zahl der Aussteller.

Termin: 5. Buchkunst Weimar


+ Die Buchkunst Weimar findet am 28. und 29. November am neuen Veranstaltungsort im Seminargebäude der Weimarhalle statt. Es ist die 5. Veranstaltung dieser Art.
+ Organisiert wird sie von Gudrun Illert von Atelier G aus Weimar.
+ Die Biennale ist am Sonnabend, von 11.30 bis 19 Uhr und am Sonntag, von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
+ 45 Buchkünstler stellen Malerbücher, Handpressdruck, Unikatbücher und Grafiken aus.
+ Erstmals nehmen an der Verkaufsausstellung auch Hersteller hochwertiger Papier und Künstler der Marmoriertechnik teil.
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