"Ich war 14 und im Konzentrationslager". Bertrand Herz, Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, liest aus seinen Memoiren

Wann? 09.04.2015 19:00 Uhr

Wo? Stadtschloss, Platz der Demokratie, 99423 Weimar DE
Bertrand Herz. Foto: Peter Hansen, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
Weimar: Stadtschloss | "Mittwoch 11. April 1945 : Deprimiert. Gelangweilt. Dann Alarm. Odic und Laîné verkünden, dass die Amerikaner vor dem Lager stehen. Unglaublich! Aber wahr: zwischen 14 und 16 Uhr das Pfeifen von Kugeln. Und wir kringeln uns vor Lachen. Das Geräusch herannahender Panzer. Wir umarmen uns. Befreiung ! Überall Fahnen (vor allem weiße). Am Abend gehe ich in Block 36."

Das schrieb Bertrand Herz, nicht ganz 15 Jahre alt, in sein Tagebuch, als am 11. April 1945 sein zweites Leben begann.
Bertrand Herz, geboren am 24.4.1930 in Paris, erlebte eine glückliche Kindheit in einem Pariser Vorort, war ein guter Schüler, lernte Deutsch, Latein und Altgriechisch und wollte wie sein Vater später Ingenieur werden. Mit der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht änderte sich allerdings sein Schicksal : Als die antisemitischen Gesetze auch in Frankreich griffen, floh die Familie 1942 in das noch unbesetzte Toulouse, wo sie hofften, bis zum Ende des Krieges und der Befreiung Frankreichs zu überleben. Allerdings platzte diese Hoffnung am 5.7.1944, als die Familie verhaftet und am 30.7.44 nach Buchenwald deportiert wurde. In der Nacht vom 5. zum 6.8. wurden sein Vater und er am Bahnhof Buchenwald von Mutter und Schwester getrennt, die weiter nach Ravensbrück deportiert wurden.
Bertrand Herz beschreibt in seinen im Januar 2015 erschienenen Memoiren mit einfachen Worten, wie er als 14jähriger die Deportation erlebt hat : die vier Monate in Buchenwald, die Arbeit im Kommando Niederorschel, den Tod des Vaters im dortigen Revier am 27.1.1945, die Solidarität des Kapos und eines deutschen Meisters, den Todesmarsch zurück nach Buchenwald und die Befreiung.
Erst nach der Rückkehr nach Paris erfährt er vom Tod der Mutter im Dezember 1944 in Ravensbrück und muss sein Leben neu ordnen. Er legt ein naturwissenschaftliches Abitur ab und beendet ein Studium an der Ingenieurschule Ecole polytechnique als Marinekommissar. Später spezialisiert er sich zum Informatiker und bildet bis 1994 Studenten an der Pariser Sorbonne aus. Er wollte nach 1945 nur eins: ein "normales" Leben und die Deportation vergessen. Aber die Vergangenheit ließ sich nicht abschütteln und so engagiert er sich seit 1993 für den Erhalt des Gedenkens. Seit 2001 ist Bertrand Herz Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos und seit 2009 Ehrenbürger der Stadt Weimar.

Eine Kooperationsveranstaltung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, der Klassik Stiftung Weimar und des Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte

Der Eintritt ist frei.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige