Kantig und kreativ – Rückblick auf den Musiktheater-Regisseur Franz Olschowsky zu seinem 80. Geburtstag

Franz Olschowsky (Foto: Archiv B. Olschowsky)
 
(Foto: Archiv B. Olschowsky)
Anlässlich seines 80. Geburtstages will ich an Franz Olschowsky erinnern. Ein umtriebiger und rastloser Regisseur des Musiktheaters kann diesen Tag leider nicht feiern, doch diejenigen, die ihn kannten und schätzten, denken gern und mit Freude an ihn zurück.

Zu seinem künstlerischen Credo gehörte eine werktreue Umsetzung eines Opernstoffes, aber auch das verstehbare Herausarbeiten eines auch heute verstehbaren Konfliktes. So gab es beispielsweise viel Jubel für seine Geraer Tosca-Interpretation. Franz Olschowsky zeigte sich immer wieder als dialogischer Inszenator mit einem festen Standpunkt, aber auch das Gespräch suchend. Nicht nur als Künstler, sondern als Kulturpolitiker, versuchte er dies in Weimar. Seine politische Einmischung begann schon in der DDR-Zeit.

Auch in der friedlichen Revolution vernahm man ihn mit deutlicher Stimme in Weimar und hier setzte er sein Bemühen auch als Kommunalpolitiker in Kulturfragen fort. Darüber hinaus mischte er in vielen Bereichen mit, zeitweilig leitete er sogar eine Laienspielgruppe bei den Maltesern in Erfurt. Sein besonderes Augenmerk richtete er immer auf die deutsch-polnische Verständigung. Polnisch beherrschte er aus seiner Kindheit und Jugendzeit ganz beeindruckend, denn er war als Sohn eines Schuldirektors im oberschlesischen Opole aufgewachsen. So pflegte er Freundschaften zu vielen polnischen Künstlern und Journalisten. Verstehen und Verständigung wollte Franz Olschowsky auch immer weitergeben. Darum engagierte er sich in der deutsch-polnischen Gesellschaft in Thüringen und reiste mit der Landeszentrale für politische Bildung nach Kraków. Dort gab er auch für Studenten Seminare und inszenierte einige Male verschiedene Opernstoffe.

Weil nach der Wende die Grenzen offen und die Opernbesucher immer weniger und die Einnahmen immer geringer wurden, hatte er eine ebenso kühne wie glänzende Idee. „Wir müssen raus aus Gera und dorthin, wo man uns erst kennenlernen muss“, meinte Franz Olschowsky damals. Er ging mit seinem Ensemble auf Reisen in die neue Welt der alten Bundesländer. In Stadthallen, wie in Böblingen, feierte er große Erfolge, machte Gera bekannt und füllte die Kassen des Geraer Theaters. Dabei blieb er sich und seinem künstlerischen Impetus immer treu. Außerdem war er auch kein Unbekannter als Regisseur.

Schon vor der Wende wollte ihn August Everding nach München zum Inszenieren einladen, doch das vereitelten die örtlichen SED-Funktionäre. Er galt ihnen als unzuverlässiger Kandidat. Denn eines konnte man von Franz Olschowsky immer erwarten: ziemlich deutliche Worte. Damit hatte er das Misstrauen der Herrschenden immer an seiner Seite.

Als Opern-Dozent erwies er sich als geradezu rastlos. Schon in den achtziger Jahren begann er mit Lehrtätigkeiten an der Weimarer Musikhochschule. Gemeinsam mit Reinhard Schau belebte er das Belvedere-Theater neu und sorgte für eine Wiedereröffnung für Publikum und Gesangsstudenten. Die in Weimar Studierenden erlebten ihn als einen Dramaturgie und Dramatik einflößenden Regisseur, der ihnen die Struktur von Bühnenfiguren vermittelte. Dazu brauchte er gar nicht so viel erklärende Sprache, es war der Umgang mit ihm, der die Eleven lehrte auch über Sprachgrenzen hinweg. Die Funken seines inneren Feuers sprangen schnell über und so war er bei Studenten aus Korea oder den USA immer gern gesehen. Unaufdringlich über die Arbeit an einem Stück ließ er andere an seinen Erfahrungen teilhaben. Ein koreanischer Student resümierte einmal, dass er solche Erfahrungen an vorherigen Musikhochschulen nie gemacht hätte. Dieses Erschließen eines Opernstoffes über ein Regiekonzept hatte Olschowsky vor allem bei Walter Felsenstein und Götz Friedrich gelernt und konsequent eigene Interpretationen entwickelt.

Insgesamt hat Franz Olschowsky über hundert Werke aller Genres des Musiktheaters inszeniert. Dazu gehören viele Schätze des Musiktheaters, wie die Opern „Der Rosenkavalier“, „Der fliegende Holländer“, „Salome“, „Jenufa“, „Macbeth“ sowie Musicals, wie „Cabaret“ und „Evita“ und zahlreiche Operetten, zuletzt 1998 „Die keusche Susanne“. Von Gera aus bespielte er auch das Theater im Schloss Kochberg, über 50 Inszenierungen kamen so auf die historische Bühne.

Schillers Wort, dass die Nachwelt dem Mimen keine Kränze flicht, zitierte er gern und nüchtern. Gegen einen Moment des Erinnerns und Rückblickens würde er aber bestimmt zu seinem 80. Geburtstag am 25. März nichts einwenden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Olschowsky
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