Klassik Stiftung Weimar überprüft Bestände nach Raubkunst

Ein Exlibris zeigt, dass dieses Buch einst Arthur Goldschmidt gehörte.
Weimar: Platz der Demokratie | Vieles, was in den Archiven, Museen und Bibliotheken der Klassik Stiftung Weimar schlummert, ist nicht ihr rechtmäßiges Eigentum. Man rechnet damit, dass es sich bei 23 bis 37 Prozent der Bestände, die in den Jahren zwischen 1933 und 1945 hinzukamen, um nationalsozialistisch entzogene Kunst- und Kulturgüter handelt. „Es ist keine Frage der Moral“, erläutert Stiftungspräsident Hellmut Seemann, „ob man diese Kunstwerke zurückgebe oder nicht.“
Mit dem 1998 auch von Deutschland unterzeichneten Washingtoner Abkommen über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust ist geklärt, dass es keine Verjährung mehr gibt für den Raub von Kunstwerken. Die Sammlungen haben heute die Pflicht nachzuweisen, dass sie sauber sind. Von einer „unendlichen Aufgabe“ spricht der Stiftungspräsident. Denn es müssen nicht nur die Neubestände aus der Nazizeit überprüft werden, sondern auch spätere Ankäufe. Auch diese könnten schließlich in der NS-Zeit unrechtmäßig entzogen worden sein.
Seit dem Jahr 2010 widmet sich die Klassik Stiftung Weimar verstärkt der Herkunftsgeschichte von Kunst- und Kulturgütern, auch Provenienzforschung genannt. Im Blick hat sie dabei vor allem Dokumente, Bücher und Sammlungsgegenstände, die zwischen 1933 und 1945 in den Bestand der Vorgängereinrichtungen der Stiftung aufgenommen wurden.
Zu jenen Kulturgütern, die in den letzten Jahren auf ihren rechtmäßigen Erwerb überprüft wurden, gehört auch die Almanachsammlung von Arthur Goldschmidt. Dieser hatte in seiner privaten Bibliothek rund 40 000 Bücher zusammengetragen, darunter eine stattliche Reihe von Almanachen zu ganz unterschiedlichen Themen. Diese reichten vom Trivialen bis zu Erstveröffentlichungen von Goethe und Schiller.

„Wir sind nicht nur Hüter der eigenen Bestände, sondern zugleich Hüter der Sammler.“

Hellmut Seemann
Präsident der Klassik Stiftung


Als die Sammlung 1936 nach Weimar kam, wurden Goldschmidt 2 000 Reichsmark gezahlt. Geschätzter Wert zu jener Zeit waren allerdings 50 000 Reichsmark. Doch Goldschmidt als Jude war wirtschaftlich gezwungen, sich von seiner Sammlung zu trennen.
Dieses Unrecht konnte jetzt wieder gutgemacht werden. Nachdem die Stiftung herausfand, dass die Sammlung weit unter Wert angekauft wurde und damit als nationalsozialistisch entzogenes Kulturgut zählt, wurden die Erben ausfindig gemacht. Mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder konnte durch die Zahlung einer sechsstelligen Summe dafür gesorgt werden, dass dieser Sammlung als rechtmäßiger Besitz in Weimar verbleiben kann.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige