Mellinger Malzdarre öffnet am 28. und 29. Juli zum Tag der Architektur

Wann? 29.06.2014 bis 30.06.2014

Wo? An der Malzdarre, Mellingen DE
Bürgermeister Eberhard Hildebrandt vor der sanierten Malzdarre.
 
Die Darre mit angrenzendem Fachwerkteil.
Mellingen: An der Malzdarre | Wer zahlt schon gerne Rechnungen? Wenn aber diese geringer ausfallen als ursprünglich geplant, kann man ihnen durchaus noch etwas Positives abgewinnen. Ist man zudem mehr als zufrieden mit dem Gegenwert, schmerzt die Überweisung gleich viel weniger. So dürfte es derzeit Eberhard Hildebrandt gehen. Der Mellinger Bürgermeister erwartet die Schlussrechnung für das größte Bauprojekt seiner Gemeinde seit der Wende. In den vergangenen drei Jahren wurde die ehemalige Malzdarre - ein Gebäudekomplex bestehend aus Darre mit Turm, Fachwerkgebäude und angeschlossenem Wirtschaftstrakt - saniert. „781000 Euro waren dafür eingeplant. Wir werden wohl deutlich darunter bleiben“, freut sich Hildebrandt. Durch Gelder aus der Dorferneuerung können die Kosten für Mellingen noch einmal gesenkt werden. 65 Prozent der Rechnung werden gefördert.

Als die Gemeinde den Gebäudekomplex vor sieben Jahren kaufte, gab es unterschiedlichen Ansichten, was mit der Malzdarre passieren soll: Abreißen oder sanieren hießen die Alternativen. „Aber die Darre ist ein für das Dorfbild prägendes Gebäude“, meint Bürgermeister Hildebrandt. Er freut sich, dass das Gebäudeensemble mitten im Ort erhalten werden konnte. Im April hat er im Anbau sein neues Bürgermeisterbüro beziehen können. Für die Bauhofmitarbeiter ist ein Sanitärtakt entstanden. Zudem hat der Jugendclub an der Malzdarre sein neues Domizil. In der Darre selbst entsteht die neue Heimatstube. Sie war vorher ebenso wie der Jugendclub in einem angemieteten Gebäude untergebracht. Nun bietet die Darre ein historisches Ambiente für die Fundsachen aus der Mellinger Geschichte. Und die Gemeinde spart fortan Mietkosten.

Gerste fürs Bier wurde früher in der Malzdarre der Familie Kirchner trocknete. Im weniger als 200 Meter entfernten Gasthof dann der Gerstensaft gebraut. Nachdem Kirchners nach dem Krieg in den Westen flüchteten, wurde die Darre staatlich verwaltet. Eine Wäschereiannahme zig ein. Auch als Badeanstalt wurde das Gebäude genutzt. „Ich bin 1992 nach Mellingen gekommen“, erinnert sich Hildebrandt. „Die Darre kannte ich nur als Ruine.“

Das Gebäudeensemble direkt an der Ilm hat zu neuer Schönheit gefunden. Im schlichten Beige ist der Wirtschaftstrakt gehalten. Er wurde auf den grundmauern des alten Gebäudes fast vollständig neu errichtet. Die Räume sind so aufgeteilt, dass sie auch Wohnung genutzt werden können. „Wir wollten vorausschauend planen, falls das Haus als Gemeindesitz nicht mehr benötigt wird“, erklärt Hildebrandt. Das Fachwerkgebäude wurde in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz behutsam saniert. Ein grünlicher Anstrich bringt die Fachwerkbalken besonders zur Geltung. In der Darre selbst wurden zwar die Transportbänder für die Gerste entfernt, aber der Ofen erhalten. Fußböden aus Gitterrosten spiegeln die alte Nutzung wieder. Auch im Originalzustand konnte durch die offenen Böden unten bis unters Dach schauen. Trotz denkmalgerechter Sanierung hat auch die Moderne Einzug gehalten. Denn geheizt wird das Gebäude mit einer Wasserwärmepumpe, die durch eine unterirdische Quelle angetrieben wird. „So kommen wir mit monatlich zwischen 50 bis 60 Euro für Heizkosten aus“, freut sich der Bürgermeister.

Zur Sache

Der Tag der Architekturen findet in diesem Jahr in Thüringen zum 20. Mal statt. Damit soll zeitgenössische Architektur für ein Wochenende in den öffentlichen Fokus gerückt werden. 71 Projekte in 35 Städten und Gemeinden haben am 28. und/oder 29. Juni in Thüringen geöffnet. In Weimar und dem Weimarer Land sind das: die „Bauhaus-Factory“ in der Bauhausgasse 7c, Café Donndorf in der Rittergasse 12, das Herderzentrum am Herderplatz 6/7, ein Mehrzweckgebäude in der Friedensstraße 42, ein Niedrigenergie-Wohnhaus in der Paul-Schneider-Straße 56 (alle in Weimar), die Malzdarre in Mellingen und eine Bürogebäude in der Erfurter Straße 13 in Nohra. In den Objekten werden Führungen zu unterschiedlichen Zeiten angeboten. Das gesamte Programm finden Sie unter: architekten-thueringen.de. Zum Aktionstag wurde auch eine kostenfreie App entwickelt. Sie kann abgerufen werden unter mobil.tag-der-achitektur.de. Erhältlich ist auch ein kostenfreies Faltblatt mit Informationen zu allen.
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