Michael von Hintzenstern über Neue Musik

Michael von Hintzenstern ist der künstlerische Leiter der 26. Tage Neuer Musik in Weimar.
Musik mit Steinen und aus Gartenschläuchen: Neue Musik ist anders, arbeitet gegen Konventionen, steht für Extreme und sucht, so scheint es, den Widerspruch. Seit 1988 hat diese zeitgenössische Kunstform einen festen Platz im Weimarer Kulturkalender. Am 30. Oktober starten bereits die 26. Tage der Neuen Musik in der Klassikerstadt. Sie stehen diesmal unter dem Thema „Amerika – Europa“. Das Programm zeigt, welchen Einfluss amerikanische Musiker auf die Neue Musik in Europa seit Ende der 50er Jahren hatten. Zentrale Figur ist hierbei John Cage. Einer seiner Schüler wird in Weimar erwartet, der 79-jährige Christian Wolff. Mit Mary Bauermeister kommt eine weitere Zeitzeugin nach Weimar. Im Vorfeld des Festivals sprach der AA mit dessen künstlerischem Leiter, Michael von Hintzenstern.

Können sie die Vorbehalte vielen gegenüber der Neuen Musik nachvollziehen?
Ja, sicher. Neue Musik ist überraschen. Die beste Möglichkeit sich ihr zu näheren ist, sie öfter zu hören. Das musikalische Spektrum ist durch unterschiedlichste Stile geprägt. Manche Klänge haben eine große Suggestivkraft, andere sind sehr abstrakt. Unser Festival versucht, durch unterschiedliche Veranstaltungen die Hemmschwelle gegenüber dieser Musik zu nehmen.

Als nicht versierter Zuhörer meint man, die Musik entsteht eher zufällig. Eine wahre Vermutung?
Es kommt drauf an, was man hört. Manche Stücke sind bis auf das I-Tüpfelchen durchorganisiert. Ein anderes Extrem ist, dass die Interpreten ihren Part durch Zufallsoperation “erwürfeln” und unabhängig von ihren Mitspielern realisieren sollen. An anderen vorbeizuspielen, ist für Musiker sehr schwierig. Im Rahmen solcher Extreme entsteht aber oft Neues, das sich kein Mensch ausdenken konnte.

Das Festival bietet acht Veranstaltungen. Welches Konzert empfehlen Sie jemanden, der sich erst mit Neuer Musik vertraut machen möchte?
Das Familienkonzert mit Mike Svoboda steht da an erster Stelle. Er tritt am 2. November, um 16 Uhr in der Jenaplanschule in Weimar auf. Er spielt auf einem Alphorn und mit Kuhglocken, verwendet einen Gartenschlauch, eine Seemuschel und ein Didgeridoo. In dem Konzert passiert auch optisch sehr viel. Der Mann ist als Person schon ein Ereignis.

Worin liegt für Sie der Reiz der Neuen Musik?
Ich habe diese Musik für mich entdeckt, da war ich 12 Jahre alt. Von da an war ich mittendrin. Es hat mich nicht mehr losgelassen. In der DDR galt unsere Musik als spätbürgerlich-dekadent und besaß einen gewissen Protestcharakter. Bei unseren ersten Konzerten in der Denstedter Kirche hatten wir immer ein volles Haus. Mit der Wende ist das Interesse aber stark zurückgegangen.
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