Neue Chance dank gelbem Wagen

Helke Henkel vor einem Porträt von Rudolf Baumbach.
Kranichfeld: Baumbachhaus | Aus der Serie: Besondere Orte (6)

Einst marodes Baumbachhaus entwickelt sich seit seiner Sanierung zum gut besuchten Bürgerzentrum

Kranichfeld. Der Abriss war eigentlich schon beschlossene Sache. 1988 war der Zustand des Baumbachhauses in Kranichfeld so desolat, dass niemand mehr darin wohnen konnte. Wie für andere historische Gebäude brachte die politische Wende damals eine neue Chance. „Das war ein großes Glück“, bescheinigt Helke Henkel, die sich seit fast einem Vierteljahrhundert für das Anwesen engagiert.

Vor über 560 Jahren errichtet, diente das Gebäude bis 1945 als Guts-, dann als Wohnhaus. Bedeutung erlangte es, weil hier Rudolf Baumbach geboren wurde, der Dichter von „Hoch auf dem gelben Wagen“. Dieses Lied sollte es sein, das dem Baumbachhaus zu einem neuen Leben verhalf.

Es war 1973, als der damalige Bundesaußenminister Walter Scheel eben mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ die Hitparaden stürmte. Die Kranichfelderin Helke Henkel schrieb deshalb noch 1990 an Scheel und bat um Unterstützung bei der Sanierung des Baumbachhauses. Auf eine Antwort musste man in der Zwei-Burgen-Stadt nicht lange warten. Noch im selben Jahr antwortete Scheel, mittlerweile Altbundespräsident, dass man gern mit seinem Namen werben könne und er auch die Schirmherrschaft für das Aufbauprojekt übernehmen würde. „1992 hat er uns dann das erste Mal besucht“, erzählt Helke Henkel, die noch immer Kontakt zu Scheel hält.

Walter Scheel setzte sich bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für das Baumbachhaus ein, warb in Fernsehsendungen um Spenden. Mit Erfolg. Bereits 1992 waren 980 000 Mark für das historische Gebäude eingegangen. Die Sanierung begann und sollte acht Jahre dauern. In dieser Zeit erhielt das Gebäude auch einen Anbau. Seit seiner Eröffnung 1999 wird das Baumbachhaus als Bürgerhaus genutzt. Dafür hatten sich die Kranichfelder in einer Umfrage ausgesprochen.

Das Konzept fürs Haus entwickelte der 1991 gegründete Förderverein Baumbachhaus Kranichfeld, dem Helke Henkel heute noch vorsteht. Im Gebäude erinnert ein Museum an Rudolf Baumbach. Rund 6000 Besucher kommen pro Jahr. Das Museumscafé dient als beliebter Treffpunkt. Zudem sind die Tourist-Information, ein Seniorentreff und die Bibliothek im Haus untergebracht. Auch ein Trauzimmer – in dem nicht nur geheiratet wird. Hier finden auch die vielen Veranstaltungen statt, zu dem der Förderverein einlädt.

Zur Person

- Rudolf Baumbach wurde am 28. September 1840 als Sohn eines Arztes in Kranichfeld im heutigen Baumbachhaus (Foto) geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Familie nach Meiningen.

- Baumbach studierte in Leipzig und Würzburg, arbeitete als Hauslehrer.

- Seine Leidenschaft galt der Natur und der Dichtkunst. Beidem konnte er sich am 1873 als Redakteur und Schriftsteller widmen.

- Er starb am 21. September 1905 in Meiningen.
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Wolfgang Kahl aus Sömmerda | 26.06.2012 | 21:38  
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