Nicht nur blau sehen: Das Färbezentrum in Neckeroda

Hannelore Stein (links) und Christine Schwarzbach gehören zum Vorstand des Färberdorf-Vereins.
Neckeroda: Ortsstraße | Ein Kreuzblütengewächs brachte den Bauern in Neckeroda Wohlstand. Im Mittelalter wurde hier, im südlichsten Zipfel des Weimarer Landes, Waid angebaut. Waid war in jener Zeit der bedeutendste Farbstoff. Die Pflanze konnte die unterschiedlichsten Nuancen erzeugen, von Braun über Grün bis zum kraftvollen Blau.

Doch war es ziemlich aufwändig, die Farbe zu gewinnen. Nur zwei Prozent der Trockenmasse einer Waidpflanze liefert das begehrte Pulver. Aus Indien kam schließlich Konkurrenz: Indigo verdrängte im 17. Jahrhundert mehr und mehr den heimischen Waid. Auch in Neckeroda wurde er nicht mehr angebaut. Über 200 Jahre lang.

Im Jahr 1999 war es, als sich der Verein „Thüringer Färbedorf Neckeroda“ gründete. Seine Mitglieder wollen an alte Traditionen anknüpfen und zugleich Neues schaffen. Man beschränkt sich deshalb nicht allein auf den Waid. „Wir färben mit allem, was links und rechts des Weges steht“, erklärt Hannelore Stein. Reseda wird ebenso verwendet wie Krapp. Heidelbeeren, Zwiebeln und Brennnesseln kommen zum Einsatz. Wissenswertes über die unterschiedlichsten Pflanzenfarben wird ebenso zusammengetragen wie die Erfahrungen über einzelne Färbemethoden. In der vereinseigenen Bibliothek sammelt man umfangreiches Material.

Sein Zuhause hat der Verein mittlerweile im Färbezentrum gleich neben der Kirche gefunden. In dem historischen Gebäude wurde früher der Neckerodaer Nachwuchs unterrichtet. In den vergangenen Jahren entstanden in der ehemaligen Schule ein Seminarraum und eine Teeküche sowie eine Färbeküche und eine Hofladen. Vereinsmitglieder geben ihr neu erworbenes Wissen über alte Färbetechniken an Interessierte weiter. Wer möchte, kann selbst im großen Färbetopf rühren. Seniorengruppen, Privatpersonen und Schulklassen nehmen das Angebot gern an. Und der ganze Ort hilft mit. Christine Schwarzbach vom Vereinsvorstand freut sich: „Die Zusammenarbeit funktioniert in Neckeroda sehr gut.“

Auch ein Schaugarten wurde angelegt. Hier blühen die unterschiedlichen Färbepflanzen. Der Kreislauf ist für den Gast nachvollziehbar: von der Pflanze bis zum Kleidungsstück. Das gibt es im Hofladen neben Tüchern, Stoffen,und Wolle.

Erklärtes Ziel des Vereins ist es, Neckeroda zum Zentrum des Färbens für ganz Deutschland und darüber hinaus zu entwickeln. Um das zu erreichen, arbeitet man mit vielen Partnern zusammen: mit Kunsthandwerkern und Tourismuseinrichtungen, mit dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoffforschung und dem Verein Thüringer Ökoherz.

Veranstaltungen & Kontakt:
5. Mai 2012: Goethewandertag mit Station in Neckeroda
25. August 2012: Färber- und Handwerkerfest

Förderverein "Thüringer Färbedorf Neckeroda" e.V., Ortsstraße 46, in 99444 Blankenhain OT Neckeroda
Telefon: 0 36 74 3/20 91 7, www.faerbedorf-neckeroda.de, info@faerbedorf-neckeroda.de

Der Laden des Färbezentrums ist dienstags 11 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.
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