Otto A. Thoß vom DNT Weimar weckt bei jungen Leuten Lust auf Theater und wird dafür ausgezeichnet

Otto A. Thoß liebt dem Blick vom Weimarer Theaterbalkon: Hier hat er die Stadt, ihre Bewohner und Gäste im Blick – und natürlich auch Goethe und Schiller.
Weimar: Theaterplatz |

Otto A. Thoß vom DNT Weimar liebt das Theater. Auf die Bühne zieht es ihn hingegen nicht. Er will junge Leute für moderne und alten Dramen begeistern, in dem er Zusammenhänge zur ihrer Lebenswirklichkeit sucht. Für seine Arbeit wurde der 27-jährige Vogtländer jetzt ausgezeichnet.

Für Außenstehende scheint es eine Mamutaufgabe: Junge Menschen fürs Theater zu begeistern. Doch Otto A. Thoß sieht das anderes. „Eigentlich ist es ganz einfach“, klärt er auf. „Für mich ist wichtig, über Inhalte zu verhandeln.“ Wenn diese etwas mit der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen zu tun haben, könne Theater auch diese Zielgruppe begeistern.

Die etwas andere Gretchenfrage


Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Klassiker oder ein modernes Stück handelt. Allerdings eignen sich Jugendstücke besser als die großen Dramen für diese Aufgabe, ist sich Thoß sicher. Doch auch bei klassischen Stoffen könne man Bezüge zur Lebensrealität des jungen Publikums herstellen. Bei Fausts Gretchen biete sich an, die Frage nach dem Umgang mit einer verfrühten Schwangerschaft zu stellen ­­– ein Gretchenfrage der anderen Art. Wichtig sein zu überlegen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen Figur und eigenem Leben gibt.

Cooler Nebel bei Faust II


Wenn das möglich ist, hat Thoß auch Spaß klassischen Stoffen, die sehr modern inszeniert werden. Da gebe es kein falsch oder richtig, gut oder schlecht. „Allerdings muss das Konzept stimmig sein“, fordert er. Gerade junge Leute merken, wenn es nicht passt. Sie sind ein sehr kritisches Publikum, das aber durch gute Effekte zu begeistern ist. „Wenn bei Faust II der Nebel über die Bühne kriecht, finden die das total cool.“

Großer Erfolg mit Theater im Klassenzimmer


Er selbst hat mit der Inszenierung des Klassenzimmerstücks „Deine Helden - Meine Träume“ von Karen Köhler bewiesen, dass Theater den Jungen Spaß machen kann. „Mit dem Stück gehen wir in die Schulen“, erzählt er. Direkt im Klassenzimmer werden Eifersucht, Verliebtsein, Elternhaus und Rechtsradikalität thematisiert. Dabei agiert ein Schauspieler im Raum und bezieht die Schüler mit ein. „Wenn die dann wissen wollen, wie die Geschichte weiter geht, laden wir zum zweiten Teil ins Theater ein.“ Ein dritter Teil findet in der Schulaula statt. „Das Stück ist großer Erfolg. Schon rund 4000 Jugendliche habe Teil 1 gesehen“, so Thoß. Mit der Resonanz auf die beiden anderen Teile ist man am DNT nicht minder zufrieden. Dieses Serienprinzip – in Weimar entwickelt – kommt an.

Während das Klassenzimmerstück weiter gebucht werden kann, plant Thoß schon das nächste Projekt. „Frühlingserwachen“ soll in der kommenden Saison auf die Bühne kommen. Ein Musical mit 40 jugendlichen Darstellern, zehn Musikern der Staatskapelle und zwei Schauspielern des DNT. Es wird eine barrierefreie Inszenierung. Geflüchtet, Beeinträchtigte und Gehörlose gehören zu den Akteure. Die Handlung wird direkt auf der Bühne in die Gebärdensprache übersetzt.

Thoß’ Innovationen werden durchaus gewürdigt. Gerade wurde er mit dem Dr.-Otto-Kasten-Preis für junge Theaterschaffende ausgezeichnet. Für ihn ein Ansporn und Grund zur Freude. 5000 Euro hat er dafür bekommen. „Noch habe ich das Geld nicht verplant. Ein Urlaub steht aber an.“ Außerdem freue man sich als Theaterarbeiter, der nicht so viel verdient, wenn etwas mehr auf dem Konto ist.

Aus der Metzgerfamilie ins Theater


Dass Otto A. Thoß’ Weg ihn einmal ins Theater führt, war ihm nicht in die Wege gelegt. Eigentlich stammt er aus einer Metzgerfamilie. Doch die Großeltern hatten ein Theaterabonnement und nahmen ihren Enkel oft mit. An sein ersten Stück „Den kleine Prinz“ am Theater in Plauen, kann er sich noch sehr gut erinnern. Später hat er sich mit den Großeltern alles angeschaut, ganz egal ob Schauspiel, Oper oder Konzerte.

Nach dem Abitur stand für den jungen Vogtländer deshalb schnell fest: „Ich mache irgendwas mit Theater.“ Nach gründlicher Überlegung hat er sich für die Theaterpädagogik entschieden. „Sie verknüpft das Theater und die Arbeit mit Menschen ganz unterschiedenen Alters und Herkunft.“ Das Wechselspiel reizt und fordert ihn.

Doch trotz aller Liebe zum Spiel war für Thoß klar: „Ich wollte nie selbst auf der Bühne stehen.“ Er fühlt sich wohl in der Rolle des Vermittlers.

Zur Sache

+ Der Theaterpädagoge des DNT Weimar Otto A. Thoß wurde im Juni mit dem bedeutenden Dr.-Otto-Kasten-Preis ausgezeichnet. Der Preis wurde ihm im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Intendantengruppe des Deutschen
Bühnenverein zugesprochen.
+ Weiterer Preisträger ist der Regisseur Alexander Charim. Die beiden
teilen sich den mit 10000 Euro dotierten „Förderpreis der deutschen
Intendanten", der seit 1985 im zweijährigen Rhythmus an junge, herausragende Theaterschaffende aus allen künstlerischen Sparten verliehen wird.

Zur Person

+ Der 27-jährige Otto A. Thoß stammt aus Markneukirchen im vogtländischen Musikwinkel. Er hat einen Bachelor in Theaterpädagogik und einen
Masterabschluss in Dramaturgie für Theater, Film und neue Medien.
+ Seit der Spielzeit 2013/14 ist er am DNT Weimar beschäftigt. Es ist sein erstes festes Engagement.
+ Hier leitet er den Bereich „Junges DNT", der die Theaterpädagogik und Vermittlungsarbeit umfasst. Zudem gestaltet der das Kinder- und Jugendprogramm des Hauses mit.
+ Als Regisseur brachte er mehrere Inszenierungen mit Jugendlichen auf die Bühne und verantwortet den von ihm 2014 ins Leben gerufene Mehrgenerationenclub des DNT. + Als Dramaturg arbeitete Otto A. Thoß maßgeblich an der Uraufführung des Klassenzimmerstücks „Deine Helden - Meine Träume“ von Karen Köhler mit und verantwortete als pädagogischer Leiter Inhalt und Nachgespräche dieses und der beiden folgenden Teile der Trilogie.
+ Als einer der Festivalleiter prägte er 2015 organisatorisch und künstlerisch die 2. Ausgabe des Kinder- und Jugendfestivals „Wildwechsel", das das Junge DNT zusammen mit dem „stellwerk – junges Theater Weimar" ausgerichtet hat. Auch die jährlichen Weimarer Schultheatertage werden von ihm maßgeblich mitorganisiert und durchgeführt.
+ Zudem bietet Thoß Einführung und Nachbesprechung zu aktuellen Theaterproduktionen sowie Theaterführungen an.
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