Professor Schmoll, hat Coca Cola den Weihnachtsmann erfunden?

Prof. Dr. Friedemann-Eugen Schmoll, Lehrstuhl für Volkskunde ( Empirische Kulturwissenschaft ) an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Foto: Anne Günther/FSU)
Nein, natürlich nicht, auch wenn so eine „Weihnachtslegende“ natürlich gut in das Selbstverständnis eines globalen Konzerns passen würde. Und tatsächlich haben Werbekampagnen von Coca Cola seit den 1930er-Jahren auch das Bild des Weihnachtsmannes mit rotem Mantel und Rauschebart nachhaltig geprägt. Aber ansonsten ist der Weihnachtsmann natürlich älter als Coca Cola – im Vergleich zu anderen weihnachtlichen Gabenbringern allerdings ziemlich jung. In katholisch geprägten Regionen treffen wir auf die Figur des Heiligen Nikolaus, der zum 6. Dezember Geschenke bringt. Mit der Reformation, die sich gegen die Heiligenverehrung stemmte, setzte sich in protestantischen Gebieten das Christkind mit seinen Geschenken zu Heiligabend durch. Der moderne Weihnachtsmann von heute ist nichts anderes als eine weltliche Variante dieser konkurrierenden Gabenbringer. Er ist seit dem 19. Jahrhundert in Liedern oder Darstellungen wie dem „Herr Winter“ von Moritz Schwind geläufig und orientierte sich optisch zunächst am Vorbild des Kinderbischof Nikolaus. Der Weihnachtsmann ist insofern ein Kind seiner Zeit, weil er für die Verweltlichung des Weihnachtsfestes und seine Kommerzialisierung steht.
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