Reisetipp: La Scala Mailand / Premiere Ballett „Sogno di una notte di mezza estate“ von Felix Mendelssohn Bartholdy

(Foto: Copyright: Marco Brescia e Rudy Amisano Teatro alla Scala)
 
(Foto: Copyright: Marco Brescia e Rudy Amisano Teatro alla Scala)
Traumhaft und zum Verlieben schön

„Einfach nur schön“, hauchte eine begeisterte Besucherin aus Deutschland in der Pause und ihre italienischen Freunde raunten italienische Superlative dazu.

Fünfzehn Jahre nach dem ersten Erfolg und sechs Jahre nach der letzten Tournee des Scala-Balletts, hat die Mailänder Scala dieses von George Balanchine wunderbar choreographierte Stück wieder in den Spielplan aufgenommen. Patricia Neary hat für die bewährte Umsetzung aller balanchinen Formen gesorgt. Die Tänzer der Scala und die Studenten der Scala-Akademie setzen den Sommernachtstraum in märchenhafte Tanzformen um. Das Gesamtbild wird durch die Kulissen und Kostüme von Luisa Spinatelli gekrönt. Sie schafft eine zauberhafte Atmosphäre, die den Zuschauer rauschhaft hineinzieht. Am Pult des Scala-Orchesters steht David Coleman, der sich längst einen Namen als überragender Dirigent für Ballett-Musik gemacht hat. Alle zusammen schaffen einen Traum von unvergesslicher Perfektion. Dabei bleibt alles leicht und spielerisch. David Coleman sorgt für einen luziden-seidenen Klang des Scala-Orchesters und das Corpo di Ballo del Teatro alla Scala mit den Studenten der Scala-Ballett-Akademie tanzen den Stil George Balanchines präzis und einprägsam, so dass man diese wunderbaren Bilder nie mehr vergisst. Mit Kristallschliff präsentiert sich das Corpo di Ballo, in dessen Adern Musik pulsiert. Musikalisch tragen auch die Sängerinnen: Ewa Tracz, Sopran und Mareike Jankowski, Mezzo-sopran zum Gelingen dieser Wiederaufnahme-Premiere bei.

Vor allem die Solisten präsentieren sich in Topform, perfekt choreografiert von Patricia Neary. Mit dieser Solistenequipe, die den enormen Rollenansprüchen (zwölf an der Zahl) bestens gerecht werden, mit Nicoletta Manni als Titania und Marco Agostino als Kavalier, ein ideal aufeinander eingetanztes Pas-de-deux-Paar, das sich wunderbar weich und fließend präsentiert in der Bella-Danza-Tradition als tänzerischem Pendant zum Belcanto- Gesang.

Und da dieser Abend ausschließlich der Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy gehört, hat George Balanchine ein dramatisches Handlungsballett geschaffen, das sozusagen einen zweiteiligen Sommernachtstraum bildet. Im ersten Akt wird die Aktion kurz und knapp zusammengefasst, um sich dann im zweiten Akt, anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten, umso verschwenderischer in einem Divertissement zu verströmen. Von Shakespeare übernimmt Balanchine gewissermaßen nur die Stichworte der Handlung und ihre Charaktere, die er allerdings präzise und unmissverständlich choreografisch formuliert, basierend auf der großen Petipa-Tradition. Wer Shakespeare nur aus der Sicht Titanias und des Eselkopfes interpretiert, stößt rasch an Grenzen.

Balanchine ist in seiner Konzeption weniger von Shakespeare als von Mendelssohn ausgegangen, jenem Mendelssohn, der auf seiner Italienreise 1830/31 Shakespeares Komödie in seinem Gepäck mit sich führte. Und wie Mendelssohn sich in Shakespeare verliebte, so verliebte sich Balanchine in Mendelssohn, so dass sein Ballett Mendelssohns Musik aus allen Poren verströmt. Ein Traum an Musikalität und Tanz! Und die fabelhaften Tänzer von der Scala tun nun ein Übriges und würdigen Mendelssohn als einen italienischen Komponisten sozusagen in Abwandlung seines Ouvertüren-Titels als einen Heimkehrer aus der Fremde. Nämlich aus seiner russisch-amerikanischen Ballett-Fremde und speisen ihn mit ihrem italienischen Tänzer-Blut, dem noch immer ein paar Tropfen Rossini, Bellini und Donizetti beigemischt sind.

Diese Aufführung wird auch zu einem italienischen Traum der Solisten. Antonino Sutera als Puck wird zum humorigen Star, der mit seinem tänzerischen Spiel alle Zuschauer mitreißt. Nicola Del Freo als Oberon begeistert ebenso wie Emanuela Montanari als Elena und Mariafrancesca Garritano als Ermia. Maurizio Licitra tanzt einen hervorragenden Demetrio. Alessandro Grillo zeigt einen wunderbaren Lisandro und Virna Toppi bezaubert mit ihrer Ippolita-Darstellung. Riccardo Massimi ist als Teseo prächtig und Matthew Endicott als Bottom, sprich als Eselchen, gewinnt mit seiner tierischen Putzigkeit die Herzen aller Zuschauer. Antonella Albano als Schmetterling verleiht der Choreographie das Sahnehäubchen. Eifrig mit von der Partie sind die Eleven der Ballettschule der Scala, das Nachwuchsreservoir für die kommenden großen Ballettproduktionen.

Und alles wird eingerahmt durch die Ausstattung von Luisa Spinatelli im Design eines „Sogno d´una notte d´estate“, das alles ist so köstlich wie Panettone und andere Leckereien aus der Pasticceria Motta in der Galleria Vittorio Emanuele di Milano. Man kann sich nicht sattsehen und hören an dieser lukullischen Inszenierung, die immer in Gedanken bleiben wird, ohne dass man dick davon wird. Genuss ohne Reue, aber mit zauberhaftem Impuls.

Eine Vorstellung zum Verlieben schön, so dass man sie am liebsten gleich ein zweites Mal hätte sehen wollen. Das war die Premiere des Balletts der Mailänder Scala mit Balanchines Sommernachtstraum und das Publikum aus Touristen und Einheimischen zeigt sich entzückt und fasziniert.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige