Thüringer Töpfer-Innung wird 25 Jahre - Ausstellung in Bürgel

Brit Heide aus Triptis arbeitet seit 30 Jahren als Töpferin. Streublümchenmuster sind ihr Markenzeichen.
 
Tonformen trocknen vor der Werkstatt in der Sommerhitze.

Die Töpfer-Innung in Thüringen besteht seit einem Vierteljahrhundert. Sie ist Heimstatt geworden für viele Keramiker geworden, die sich nach der Wende als Einzelkämpfer durchschlagen mussten. Mit einer Ausstellung in Bürgel wird das Jubiläum gefeiert. Sie zeigt, wie unterschiedlich die Thüringer Töpfer mit dem Material Ton arbeiten.

„Ich weiß nicht, wie viele Millionen Pünktchen ich schon getupft habe“, erzählt Keramikmeisterin Brit Heide. Aber es klingt nicht nach Langeweile oder gar nach Resignation. Sie und ihre Streublümchen gehören zusammen wie der Ton zur Töpferscheibe. Blaue Blüten kombiniert mit grünen Blättern und ebensolchen Tüpfchen sind zu ihrem Marktenzeichen geworden. Sie zieren die meisten ihrer Tassen, Teller, Vasen oder Schüsseln. Hinzu kommen ständig neue Formen. „Ich probiere mich immer wieder aus“, erklärt sie.

Altes Handwerk mit neuen Ideen beleben


Brit Heide steht beispielgebend für die Mehrzahl der Thüringer Töpfer. Sie pflegen eines der ältesten Handwerke und sind zugleich stetig auf der Suche nach neuen Produkten. Schließlich sind sie nicht nur Produzenten, sondern auch Verkäufer. Im Direktverkauf in ihren Werkstätten oder auf Töpfermärkten müssen sie ihre Waren an den Kunden bringen. Nur auf diese Weise verdienen sie ihren Lebensunterhalt.

Kein einfaches Unterfangen. Und doch liebt Brit Heide ihren Beruf. Auch wenn sich vieles geändert hat, seit sie 1985 ihre Ausbildung begann. „Damals hat man sich eher versteckt“, erzählt Brit Heide über das Töpferinnen-Dasein ihrer Mutter Marianne Knüpfer, bei der sie selbst auch in die Lehre ging. Kaum jemand habe in Triptis von dem kleinen Handwerksbetrieb gewusst, der seine Keramik vornehmlich an Galerien verkaufte. Waren an den Kunden zu bringen, das war zu realsozialistischen Wirtschaftszeiten keine Kunst. Umso schwieriger war es allerdings, einen Brennofen zu beschaffen, Glasur oder Ton.

Lehrlinge und Gesellen kann sich kaum noch jemand leisten


Knapp 30 Jahre später haben sich die Vorzeichen geändert. Material zu besorgen, ist keine Hürde mehr. Dafür gehört das Klappern zum Geschäft. Wer verkaufen will, muss aktiv werden. „Von April bis Oktober bin ich mindestens ein Mal im Monat auf einem Töpfermarkt, in der Regel aber eher zwei Mal“, erzählt Heide. Ihre Kolleginnen und Kollegen halten es nicht anders. Wer bestehen will, müsse sich zudem gut selbst organisieren können. Denn zumeist sind die Töpfer zu Einzelkämpfern geworden. Gesellen oder Lehrlinge könnte sich kaum noch jemand leisten. Töpfer arbeiten allein in ihren Werkstätten und kümmern sich „ganz nebenbei“ auch um Buchhaltung, Materialbeschaffung, Produktentwicklung und Verkauf.

Für den notwendigen Austausch unter Gleichgesinnten sorgt die Thüringer Töpferinnung, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann. Als stellvertretende Innungsobermeisterin und Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit engagiert sich Brit Heide seit vielen Jahren für ihre Standesvertretung. Fast die Hälfe der rund 120 Thüringer Töpfer sind Innungsmitglieder. „Das ist eine gute Zahl“, erklärt die Triptiserin. Im viel größeren Bayern zähle die Innung nur knapp 50 Mitglieder. Eine Erklärung hat sie schnell parat: „Die Innung hat sich von Anfang an für die Probleme der Töpfer interessiert.“ Es sei ein herzliches Miteinander, das die Handwerker miteinander verbinde.

Mitgliederzahlen bleiben in Thüringen stabil


Die Zufriedenheit mit der Innung spiegelt sich auch in der Entwicklung der Mitgliederzahlen. Seit vielen Jahren ist sie stabil. Scheidet jemand aus Altersgründen aus, kommen neue hinzu. Denn noch immer machen sich Töpfer in Thüringen selbstständig und treten der Innung bei. Das alte Handwerk ist auch heute ein Beruf mit Zukunft. Davon ist Brit Heide überzeugt. Selbst wer nicht den holprigen Weg als eigenständiger Handwerker gehen möchte, kann den Töpferberuf als Grundlage für ein Studium nehmen oder als Sprungbrett für andere, kreative Berufe.

Aktivitäten der Innung:

+ Organisation des Töpfermarktes in Weimar und des Tages der offenen Töpferei
+ Weiterbildung für Innungsmitglieder
Innungsausstellungen
+ Mitarbeit im Bundesinnungsverbandes für das Keramikerhandwerk
+ Mitwirkung bei der Meisterausbildung
+ Unterstützung der Berufsausbildung
+ Abnahme der Zwischen- und Gesellenprüfungen im Keramikhandwerk
+ Mitwirkung bei der Erarbeitung von Verordnungen für die Meister- und Gesellenausbildung im Keramikerhandwerk

Termin

+ Innungsausstellung zum 25-jährigen Bestehen vom 11. Juli bis 1. November im Keramik-Museum Bürgel, geöffnet Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr
+ Neue Thüringer Fayence vom 13. September bis 1. November im Rokoko-Schloss Dornburg, täglich außer mittwochs von 10 bis 17 Uhr
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