Vom Puppenhaus zur Playstation

Gunther Tilche ist Kurator der Weihnachtsausstellung im Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden.
Hohenfelden: Pfarrscheune | Der Weihnachtsmann ist keine Erfindung von Coca Cola. Mit diesem Irrglauben räumt Gunther Tilche aus. Er hat die aktuelle Sonderausstellung im Thüringer Freilichtmusem Hohenfelden konzipiert. Sie steht unter dem Thema: „Was der Weihnachtsmann bringt. Eine kleine Kulturgeschichte des weihnachtlichen Schenkens“.

Tilche zeigt eine Karikatur vom Rauschebart aus den 1860er-Jahren, die im amerikanischen Journal „Harper‘s Weekly“ erschienen ist. Sie kommt unserer heutigen Vorstellung vom Weihnachtsmann schon sehr nahe. Gezeichnet hat sie Thomas Nest, ein Deutscher. Deshalb, so Tilche, sei zu vermuten, dass er die Idee für diese Symbolfigur aus seiner Heimat mit nach Amerika brachte.

Seinen weltweiten Siegeszug hat der Rauschebart aber wahrlich erst dem Limonadenhersteller zu verdanken. Dieser hüllte ihn in einen roten Mantel mit gleichfarbiger Mütze, gab ihm einen großen weißen Vollbart und ließ ihn um den Globus reisen. Als kleine Einstimmung dient der Exkurs zur Geschichte des Weihnachtsmannes in der Ausstellung. Vordergründig aber widmet sie sich dem Brauch des Schenkens.

Als besonderen Glücksfall bezeichnet Tilche die Wunschzettel von Luise, Maria und Siegfried. Sie wurden in den 1890er-Jahren geschrieben und beweisen, dass Maßhalten schon damals nicht Sache der Kleinen war.

Gaben unterm Tannenbaum gab es bereits zu Luthers Zeiten. Waren es vormals vor allem Naschereien und warme Kleidung, so wurden mit den Jahren die Geschenke größer und deutlich mehr. „Das gilt vor allem für großbürgerliche Haushalte“, schränke Gunther Tilche ein. Bis heute gehören Puppenhäuser, Eisenbahnen und Kaufmannsläden zu den Geschenke-Klassikern. Doch immer öfter landet elektronisches Spielzeug im Sack des Weihnachtsmannes. Davon kündet das jüngste Exponat der Ausstellung: eine Playstation 2 der 1. Generation. Sie dürfte für jüngere Ausstellungsbesucher zu Recht als museumsreif gelten.

Dass sich auch die Erwachsenen zum Fest beschenken, entwickelte sich im vorletzten Jahrhundert. Wie heute sind es vor allem Dinge, die man sich nicht jeden Tag leisten kann. So zeigen Werbezettel um 1900, wie für einen elektrischen Fön als Weihnachtsgeschenk geworben wird. „Seit dem 2. Weltkrieg“, so schätzt Gunter Tilche ein, „werden die Geschenke zum Fest immer wichtiger.“ Der christliche Ursprung rückt in den Hintergrund.

TERMIN
- Bis 26. Januar in der Alten Pfarrscheune des Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden. Geöffnet: bis 29. Dezember täglich außer montags, von 11 bis 17 Uhr, ab 4. Januar Samstag und Sonntag, von 11 bis 17 Uhr.
- Am 15. Dezember lädt das Museum alle Kinder ab 13.30 Uhr zum weihnachtlichen Basteln und zu Sonder­führungen ein.
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