Von Höhenflügen bis Bruchlandungen

Anne-Kathrin Lange ist Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus in Weimar-West. Bei ihr laufen die organisatorischen Fäden für das Theaterprojekt zusammen.
Weimar: Prager Straße | Wenn Anne-Kathrin Lange vom neuen Projekt im Mehrgenerationenhaus in Weimar-West erzählt, funkeln ihre Augen vor Begeisterung. Kein Wunder, hat sie doch schon sehr lange an der Idee gefeilt. Jetzt kann sie umgesetzt werden – mit 12000 Euro aus einem Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Ab September sollen sich Kinder und Jugendliche, Menschen im erwerbsfähigen Alter und Senioren zusammenfinden zu einem gemeinsamen Theaterprojekt. Jeweils montags, von 9 bis 15 Uhr treffen sich die Generationen in Weimar-West, um gemeinsam zurück und nach vorn zu schauen, miteinander zu reden, zu arbeiten und Mittag zu essen.

Entwickelt werden soll eine Inszenierung nicht auf Grundlage eines schon fertigen Stückes. „Wir spielen biografisches Theater“, erläutert Anne-Kathrin Lange, die Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus ist. Fast schon philosophisch mutet die Herangehensweise an. Unter dem Motto die „Kunst des Fliegens“ sind die Teilnehmer eingeladen zu reflektieren. Wo standen sie? Wo stehen sie? Wo soll es hingehen? Eigenes Leben wird in Bezug gesetzt zum Lebensumfeld Weimar. Die Stadt als Nest für Kinder, als Ort, den man als Jugendlicher schnell verlassen möchte oder als neu- oder wieder entdeckte Heimat im Alter – Höhenflüge und Bruchlandungen inbegriffen.

Unter fachlicher Begleitung des Vereins „Schauplatz am Dom“ aus Erfurt soll im April das Theaterstück zu sehen sein. „Wir hoffen, es im E-Werk zeigen zu können“, blickt Lange in die Zukunft. Doch bis es so weit ist, haben Jung und Alt, Groß und Klein genügend Zeit zum gemeinsamen Gestalten. Durch kreatives Arbeiten, Musik und gemeinsames Spiel entsteht nicht nur das Theaterstück, sondern auch Kunstobjekte, Bilder und Videos. Auch das soll öffentlich in einer Ausstellung gezeigt werden.

Aus der ­Kindertagesstätte „Kinderland“ werden die jüngsten Teilnehmer kommen. „Direkt aus dem Brennpunkt Weimar-West“, so Lange. Zum Mitgestalten haben sich auch Schüler aus dem Goethegymnasium angemeldet. Für sie ist das Projekt in den Unterrichtsalltag integriert. „Speziell für sie wird das sehr spannend werden“, so die Koordinatorin. Viele von ihnen kämen aus privilegierten Elternhäusern. In dem Projekt würden sie mit einer anderen Lebenswirklichkeit konfrontiert. Zugleich könne man so auch einen Bogen schlagen vom Zentrum der Stadt ins Randgebiet. Aufgegriffen werden soll auch die differenzierte Wahrnehmung Weimars als Klassikerstadt. Junge Menschen fühlten sich von ihr eingeengt, während ältere gerade wegen dieser Traditionen in die Stadt kämen.

Während Kinder und Jugendliche schon gefunden sind fürs gemeinsame Theater, gestaltet es sich etwas schwieriger, interessierte Erwachsene und Senioren für das Projekt zu gewinnen. Deshalb hat Anne-Kathrin Lange bereits Kontakte zum Marie-Seebach-Stift und einer Senioren-Theatergruppe am DNT geknüpft. Weitere Mitstreiter hofft sie durch eine Informationsveranstaltung am 28. August zu finden. Auch Menschen in den mittleren Jahren sind willkommen. Sie weiß um deren zeitliche Einschränkungen. „Vielleicht finden sich Teilnehmer, die halbtags arbeiten oder Hausfrauen, die unser Projekt als ihr Hobby wählen und sich die Zeit dafür nehmen.“
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