Vor 200 Jahren soll in Weimar der erste öffentliche Weihnachtsbaum aufgestellt worden sein

Stadtführer Jürgen Ben zeigt, wo er erste öffentliche Weihnachtsbaum gestanden hat: Am "Cranachhaus" am Weimarer Markt.

Es kann nicht mit Quellen belegt werden. Für die Weimarer aber steht fest: In unserer Stadt stand der erste öffentliche Weihnachtsbaum.

Ob es eine Statistik gibt über vermasselte Weihnachtsfeste, weil der Baum zu schief, zu klein, zu groß war? Wohl kaum. Aber jeder kennt wohl eine solche Geschichte.

Eine Geschichte mit gutem Ausgang erzählt man sich hingegen in Weimar. Dort soll vor 200 Jahren der Buchhändler Johann Wilhelm Hoffmann einen Weihnachtsbaum vor seinem Geschäft aufgestellt und damit um Spenden gebeten haben für arme und verwaiste Kinder. Kurz nach den napoleonischen Kriegen gab es damals davon reichlich.

Ein Baum als Zeichen der Nächstenliebe

Nun fragt nicht nur der Historiker gern nach genauen Quellen. „Meines Wissens gibt es keine exakte Angabe“, gibt Stadtführer Jürgen Bens zu. „Aber alle in Weimar nehmen das Datum als gegeben an“, zeigt er sich gleichzeitig entschlossen. Für ihn feiert Weimar in diesem Jahr zu Recht die 200. Wiederkehr dieses Ereignisses. Das Zeichen der Nächstenliebe war beispielsgebend für viele andere Städte. Und so setzte sich der Brauch durch, nicht nur in den heimischen Stuben, sondern auch an öffentlichen Plätzen, Weihnachtsbäume aufzustellen. In Weimar verbindet sich dieser Brauch noch immer mit Mildtätigkeit. Noch heute werden durch den Innenstadtverein im Zeichen des Baumes Geschenke für bedürftige Kinder gesammelt.

Brauch etabliert sich durch die neuen Weihnachtsmärkte

Viele geschichtliche Fakten machen das Jubiläum plausibel. „Aber bestätigen kann ich es nicht“, erklärt Dr. Susan Baumert, Volkskundlerin an der Friedrich-Schiller-Universität. „Der Adel befand sich damals unter Legitimationsdruck. Er musste sich bürgernah zeigen.“ Deshalb sei sicher auch das Verbot, Weihnachtsbäume zu schlagen, aufgehoben worden. Bis dahin gab es festlich geschmückte Tannen nur in den Adelshäusern. Wer sich dennoch einen Baum aus dem Wald holte, musste mit Geldstrafen oder gar Gefängnis rechnen. Dass der Baum dann bald den Weg aus der bürgerlichen Stube in den öffentlichen Raum schaffte, ist nachvollziehbar. Das geschah laut Dr. Baumert vor allem durch die Weihnachtsmärkte, die sich in jener Zeit etablierten.

Der Weimarer Weihnachtsbaum soll aus Hoffmanns Garten vor dem Jakobstor stammen. Aufgestellt wurde er am Vorweihnachtsabend vor der Buchhandlung am Markt. Geschmückt mit Äpfeln und Zuckerwerk, durch Laternen beleuchtet – so jedenfalls stellt es sich Bens vor. Man kann sich ausmalen, wie viel Freude Hoffmann den bedürftigen Kindern damit bereitet hat. Seine Bitte um Weihnachtsgaben hat wohl zudem viele Weimarer mildtätig werden lassen.

Auch ohne Belege: Weimar lässt sich sein Jubiläum nicht nehmen. Steht doch ohnehin fest, dass hier der Baum im öffentlichen Raum seinen Ursprung nahm. Und ein bisschen ist es wie zu Hause: Auch wenn der Baum kein Prachtexemplar ist, irgendwann übersieht man den Makel und feiert. Ein frohes Fest!
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1 Kommentar
13.091
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 24.12.2015 | 10:55  
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