Vortrag Dr. Christoph Kreutzmüller: Zur gesellschaftlichen und juristischen Wirkungsgeschichte der „Nürnberger Rassegesetze” in Deutschland

Wann? 11.12.2015 19:30 Uhr

Wo? Tourist-Information , Markt 10, 99423 Weimar DE
Weimar: Tourist-Information | Bereits im Zuge der Machtübergabe an die Nationalsozialisten Anfang 1933 kam es in Deutschland zu antisemitischen Ausschreitungen. Von NSDAP-Mitgliedern organisierter „Volkszorn“ und der Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April heizten die Stimmung weiter auf. Die am 15. September 1935 vom Reichstag einstimmig verabschiedeten „Nürnberger Gesetze“ waren ein weiterer Ausgrenzungsschritt. Juden verloren nunmehr alle politischen Rechte, Eheschließungen zwischen ihnen und Nichtjuden wurden unter Strafe gestellt. Die einen Monat später erlassene Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz definierte, wer als „jüdischer Mischling“ Reichsbürger bleiben bzw. wer als „Jude“ davon ausgeschlossen werden solle. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung begrüßte diese Maßnahmen. In den folgenden Jahren schränkten eine Vielzahl weiterer Gesetze und Verordnungen die Rechtsstellung der Juden zusätzlich ein. Nachdem 1939 zunächst im besetzten Polen der Judenstern eingeführt worden war, mussten ihn ab dem 19. September 1941 auch Juden im Reichsgebiet tragen. Vor diesem Hintergrund trafen sich am 20. Januar 1942 15 hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und SS-Behörden, um nach der Ausgrenzung die systematische Ermordung und Vernichtung auch der in Deutschland lebenden Juden zu organisieren.

Christoph Kreutzmüller, Jg. 1968, ist Kurator des Jüdischen Museum Berlin. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann schloss er ein Lehramtsstudium in Geschichte und Englisch ab. 2004 schloss er seine Promotion zum Finanzplatz Amsterdam und den deutschen Großbanken 1918 bis 1945 ab. Anschließend koordinierte er das Projekt Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930 bis 1945, aus dem die preisgekrönte Publikation Ausverkauf. Die Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit in Berlin 1930-1945, Berlin 2012 hervorging. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz organisierte er u. a. die Konferenz zum 80. Jahrestag der „Nürnberger Gesetze“. Neben zahlreichen Aufsätzen war er auch an den Bänden Berlin 1933-1945. Stadt und Gesellschaft im Nationalsozialismus, München 2013 sowie Ein Pogrom im Juni. Fotos antisemitischer Schmierereien in Berlin (1938), Berlin 2013 beteiligt.

Ein Vortrag der Reihe "Nationalsozialismus und Justiz 1933 bis 2015" der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen in Verbindung mit dem Förderverein Buchenwald e. V. und der Stadt Weimar 80 Jahre nach der Verkündung der nationalsozialistischen Nürnberger Gesetze

Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit für Rückfragen und Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Hier finden Sie aktuelle Informationen und das Faltblatt zur Vortragsreihe.
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