Vortrag Dr. Klaus Bästlein: Die Strafverfolgung von NS-Verbrechen im deutsch/deutschen Vergleich. Tatsachen, Legenden und ein verhängnisvoller Betriebsunfall

Wann? 30.10.2015 19:30 Uhr

Wo? Tourist-Information , Markt 10, 99423 Weimar DE
Weimar: Tourist-Information | Die Darstellung der Strafverfolgung von NS-Verbrechen lebt von Legenden. So wurde etwa die „Zentrale Stelle“ in Ludwigsburg 1958 weniger „zur Aufklärung von NS-Verbrechen“ geschaffen; vielmehr sollte sie Ermittlungen gegen als „kleine Befehlsempfänger“ eingestufte Täter einschränken. In der DDR bestimmte das MfS keineswegs die NS-Strafverfolgung. Und es gab auch kein „Reservoir“ von NS-Tätern zur Propaganda gegen die BRD. Dort wurden allerdings tatsächlich zahllose „Befehlsempfänger“ nicht juristisch verfolgt, weil sie lediglich auftragsgemäß gemordet hatten. So gesehen kam es bei John Demjanjuk zu einem verhängnisvollen Betriebsunfall. Juristisch ist sein Fall, wie der von Oskar Gröning, ein Debakel, weil kein Tatnachweis geführt werden konnte. Gerade angesichts dieser unter breitestem öffentlichem Interesse gleichsam als „Schauprozesse“ geführten Verfahren muss an das weitgehende Versagen der westdeutschen Justiz bei der NS-Strafverfolgung erinnert werden. Der Vortrag stützt sich dabei auf die Forschungen des niederländischen Strafrechts-Experten Professor Dr. Christiaan Frederik Rüter. Er ist Herausgeber der berühmten „Amsterdamer Sammlung“, die alle 3224 west- und ostdeutschen Urteile wegen NSTötungsverbrechen umfasst.

Dr. Klaus Bästlein, Jg. 1956, ist Volljurist und promovierter Historiker. Er wuchs in Nordfriesland auf und studierte an der Freien Universität (FU) Berlin. Er war bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, der Justizbehörde Hamburg und der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin angestellt. Seit 2008 ist er Referent für politischhistorische Aufarbeitung beim Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, daneben Tagungsleiter der Deutschen Richterakademie. Zu seinen jüngsten Publikationen gehören Vom NS-Täter zum Opfer des Stalinismus. Dr. Walter Linse. Ein deutscher Jurist im 20. Jahrhundert, Berlin 2008 und Der Fall Mielke. Die Ermittlungen gegen den Minister für Staatssicherheit der DDR, Baden-Baden 2002. Demnächst erscheint unter dem Titel NS-Verbrechen ohne Ahndung seine Gesamtdarstellung des Umgangs mit der NS-Gewaltkriminalität.

Ein Vortrag der Reihe "Nationalsozialismus und Justiz 1933 bis 2015" der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen in Verbindung mit dem Förderverein Buchenwald e. V. und der Stadt Weimar 80 Jahre nach der Verkündung der nationalsozialistischen Nürnberger Gesetze

Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit für Rückfragen und Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Hier finden Sie aktuelle Informationen und das Faltblatt zur Vortragsreihe.
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