Weimar und Jena widmen Charlotte von Schiller eigene Ausstellungen

Wann? 11.03.2016 bis 15.07.2016

Wo? Hans-Wahl-Straße 4 , Weimar DE
Dr. Silke Henke und Dr. Ariane Ludwig, Mitarbeiterinnen der Klassik Stiftung Weimar, haben eine Ausstellung über Charlotte von Schiller im Goethe und Schiller-Archiv konzipiert und ein Buch über sie geschrieben. Im Hintergrund ist ein Porträt Charlottes als Lesende zu sehen. Gemalt hat es Ludovike Simanowiz.
 
Ein Zettelkasten mit Lektürenotizen gehört zu den 27 Exponaten der Ausstellung.
Weimar: Hans-Wahl-Straße 4 |

Sie war mehr als die Frau an Schillers Seite. Charlotte von Schiller hat selbst Erzählungen geschrieben, übersetzt und gezeichnet. Die Frau jenseits der Klischees zeigen jetzt zwei Ausstellungen in Jena und Weimar. Hier hat die geborene Rudolstädterin viele Jahre ihres Lebens verbracht.

Die deutsche Literaturgeschichte muss nicht umgeschrieben werden, wohl aber die Sichtweise auf jene Frau, die 15 Jahre mit Friedrich von Schiller verheiratet war. Als Ehefrau und Mutter kannte man sie bisher. Doch Charlotte von Schiller war weit mehr, war Dichterin, Übersetzerin, Zeichnerin. Mit vielen Geistesgrößen ihrer Zeit pflegte sie regen Austausch.

Erste Ausstellung allein für Charlotte


Mittlerweile nähert sich die Forschung dieser Frau nicht mehr nur als Lebensgefährtin eines Klassikers. Immer öfter wird sie als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen. „Die Forschung über Charlotte ist im Fluss“, erklärt dazu Dr. Ariane Ludwig, Mitarbeiterin der Klassik Stiftung Weimar. Gemeinsam mit Dr. Silke Henke hat sie sich auf Spurensuche begeben. Die Ergebnisse werden derzeit in einer Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv gezeigt. Es ist die erste Schau, die allein Charlotte von Schiller gewidmet ist.

Lektürenotizen in drei Sprachen


Ludwig und Henke zeichnen das Bild einer sensiblen, vielseitig gebildeten und auch naturwissenschaftlich interessierten Frau. Zu sehen sind Tagebucheintragungen und Briefe, Zeichnungen, selbst verfasste Gedichte und Übersetzungen. Auch über die fünf von ihr verfassten Erzählungen wird berichtet. Exemplarisch für den Wissensdurst dieser Frau steht ein kleines Holzkästchen. Auf 149 Karteikarten hat sie sich Notizen zu Büchern gemacht, die sie gelesen hat: Redewendungen, Zitate, Verse. „Die Aufzeichnungen sind dreisprachig“, berichtet Dr. Ludwig. Denn Charlotte von Schiller sprach neben deutsch auch englisch und französisch und konnte berühmte Werke im Original lesen.

Auch in Jena kann man jenen Lektürekärtchen begegnen. Als vergrößerte Kopie liegen sie auf einem Schreibtisch in Schillers Gartenhaus. „So können unsere Besucher sie auch mal in die Hand nehmen“, erläutert

Museumsleiter Dr. Helmut Hühn

. Wer Charlottes Handschrift nicht lesen kann, findet auf der Rückseite die Notiz in Druckschrift und wenn nötig, auch eine Übersetzung.

Auch mit Goethe eng befreundet


Die Karten gehören zur neuen Ausstellung des Literaturmuseums. Bisher hat man bei uns wenig über Charlotte erfahren können, bedauert Dr. Hühn. Mit der Umgestaltung von zwei Räumen soll Schillers Frau mehr Raum gegeben werden. Wir wollen damit auch zeigen, dass Charlotte in der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller die dritte im Bunde war. Das Gartenhaus als authentischer Wohnort der Familie Schiller sei dafür besonders geeignet.

Am 22. November nächsten Jahres jährt Charlotte von Schillers Geburtstag zum 250. Mal. Gefeiert wird sie schon heute – in Weimar und Jena als ungewöhnliche Frau ihrer Zeit.


Ausstellungen


+ Unter dem Titel „Ich bin im Gebiet der Poesie sehr freiheitsliebend“ ist in Schillers Gartenhaus in Jena, Schillergäßchen 2 eine neue Dauerausstellung zu sehen. Im Rückgang auf ihren Nachlass präsentiert sie Charlotte von Schiller am authentischen Ort und in exemplarischer Darstellung als gebildete Leserin, Autorin, Briefschreiberin und Zeichnerin.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend, 11 bis 17 Uhr

+ Die Sonderausstellung „Damit doch jemand im Hause die Feder führt“ mit 27 Einzelstücken wird bis zum 11. März im Goethe- und Schiller-Archiv, Hans-Wahl-Straße 4 in Weimar gezeigt. Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr

Veranstaltungen

Im Rahmen der Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv lädt die Klassik Stiftung zu zwei Kuratorenführungen und einem öffentlichen Vortrag ein:
- Dr. Silke Henke und Dr. Ariane Ludwig führen Gäste am 25. November 2015 und am 20. Januar 2016, jeweils 11 Uhr durch die Schau.
- Am 25. Februar 2016, 17 Uhr spricht Dr. Sabine Fischer, Deutsches Literaturarchiv Marbach, zum Thema »Freundin, Braut und Dichtergattin. Charlotte von Schiller im Porträt«.

Zur Person

Charlotte von Schiller wurde 1766 als Charlotte von Lengefeld im Heisenhof nahe Rudolstadt geboren. 1790 heiratete sie Friedrich Schiller in Wenigenjena. Das Dorf ist heute ein Stadtteil von Jena. Die Kirche ist nach Schiller benannt. Die Straße davor nach Charlotte.
Das Ehepaar Schiller hatte vier gemeinsame Kinder. Nach dem Tod Schillers 1805 kümmerte sich seine Witwe um sein Andenken. Charlotte von Schiller starb 1826 in Bonn und ist dort auch beigesetzt.
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