Weimarer Spinnerin ist Mitarbeiterin eines Projektes experimenteller Archäologie in Schweden

    Weimar: Handspinnerei Giftgruen | Es war im Jahre 1936, da arbeitete der 11jährigeThure G. Johansson aus Rolfstorp mit Pferd und Egge auf dem schwedischen Hochmoor Bockstens mosse als sich ein Knochen in seiner Egge verhakte. Schnell wurde klar, dass es sich hierbei um menschliche Überreste älteren Datums handelte.
Der Bockstensmann (auch Bocksten-Mann, schwedisch Bockstensmannen) war gefunden worden, eine Moorleiche aus dem Mittelalter.
Die Besonderheit an diesem Fund ist, dass die Kleidung aus dem Spätmittelalter nahezu vollständig erhalten ist. Fast alles wurde aus grob gewobenem Streichgarn gewebt und ist heute in der Obhut des Hallands kulturhistoriska museum von Varberg in Halland zu besichtigen.

Es gibt Vermutungen, wer es gewesen sein könnte. Vielleicht war es der vermisste Dompropst Simon Gudmundi aus Linköping. Gudmundi soll sich in der Gegend aufgehalten haben, um im Ort Mute ein Wunder zu untersuchen, das für die Heiligsprechung der Katharina von Schweden genutzt werden sollte. Er soll im Jahre 1491 auf Anstiftung des Priesters Hemming Gadh erschlagen worden sein, der an Gudmundis Stelle das Amt des Dompropstes einnehmen wollte, und somit auch ein Mordmotiv hätte.

Hundertprozentig erwiesen ist das aber bis heute nicht.

Eine Weimarer Handspinnerin ist nunmehr Mitarbeiterin eines Projekts, in dem die Kleidung der Moorleiche rekonstruiert werden soll, um dabei weitere Erkenntnisse aus dieser Zeit zu erlangen.
Wir hatten die Gelegenheit, sie dazu zu befragen.

mein Anzeiger: Guten Tag, Frau Kruspe

A. Kruspe: Guten Tag

mein Anzeiger: Sie sind Mitarbeiterin eines Projekts, dass in Schweden angesiedelt ist. Wie kam es dazu?

A. Kruspe: Mehr durch Zufall. Für dieses Projekt wurden Handspinner gesucht. Ich habe es im Internet entdeckt und mich dort gemeldet. Da das Projekt von Deutschland aus geleitet wird, war es für mich nahe liegend. Mit mir arbeiten Spinner und Spinnerinnen aus verschiedenen Region daran, sogar aus Übersee

mein Anzeiger: Wie müssen wir uns das vorstellen?

A. Kruspe: Mir wurden 200g Rohwolle, man nennt es Vlies, vom Guteschaf zugeschickt, die ich nun mittels Handspindel nach bestimmten Vorgaben verspinnen soll. Hier soll ein bestimmter Spinnwinkel eingehalten werden und der Faden soll eine Dicke von 0,7mm haben. Alles muss mittels Handspindel versponnen werden.

mein Anzeiger: Das klingt schwierig

A. Kruspe: Ja, das ist auch wirklich kniffelig. Das Erreichen der geforderten Maße ist nicht ohne. Durch den geforderten hohen Drall reißt der Faden oft, dann fällt die Spindel herunter und es muss neu angesetzt werden. Aber es ist auch wie mit allem, wenn man es eine Weile gemacht hat, dann hat man den Bogen raus.

mein Anzeiger: Sie erwähnten die Handspindel. Unter einem Spinnrad kann sich jeder Leser etwas vorstellen aber was ist eine Handspindel?

A. Kruspe: Eine Handspindel besteht unter anderem aus einem Wirtel, das ist der Kopf oder der Fuss, man kann sich da in etwa ein Holzrad vorstellen. Dieser Wirtel wird auf einen Holzstab geschoben und daran ist noch ein Haken. Diese Spindel dreht sich dann, ich mache den Auszug und durch die Verdrallung der Fasern entsteht dann der Faden. Der wird dann so nach und nach auf den Stab gewickelt.
Das Spinnrad, wie wir es heute kennen, ist noch relativ jung, nämlich erst 250 Jahre alt. Bis dahin wurde alles mit dem Stäbchen oder der Handspindel gemacht. Wenn man dann mal an die Segel eines Segelschiffes denkt, bekommt man vielleicht ein bißchen eine Ahnung, wie fleißig die Handspinner und Weber früher waren und wie lange sie für so ein Riesentuch benötigten.

mein Anzeiger: Sie haben 200g Vlies. Wie lange werden sie dafür benötigen?

A. Kruspe: Naja, ich sitze nicht täglich 8 Stunden an diesem Projekt sondern so schätzungsweise zwei bis vier. 50g schaffe ich locker in einer Woche, also veranschlage ich mal drei bis vier Wochen dafür. Dann sind 200g fertig und können zurückgesandt werden.

mein Anzeiger: Wie geht es dann weiter?

A. Kruspe: Der fertige Faden wird dann gewaschen, und mit Gewichten beschwert zum Trocknen. Dann wird er verwebt und dann kann der Stoff zur Kleidung vernäht werden. Da es viele Kleidungsstücke sind, wird auch viel Garn benötigt und 200g steuere ich bei.
Letztendlich wird alles in einer Wanderausstellung gezeigt. Wo es danach dauerhaft ausgestellt wird ist noch nicht ganz klar, es gibt aber viele Museen, die diese Repliken gern für sich hätten.

mein Anzeiger: Welche Erkenntnisse nehmen sie aus dem Projekt mit?

A. Kruspe: Ich habe noch nie ungewaschene und unkardierte Rohwolle verarbeitet. Durch das Lanolin ist die Wolle verklebt und man muss Kraft und Gefühl aufwenden, um einen vernünftigen Faden daraus zu spinnen. Letztendlich ist das Lanolin aber auch eine gute Hautpflege und entschädigt ein bisschen für diesen ungewohnten Schwierigkeitsgrad.
Das Arbeiten mit der Handspindel macht mir auch richtig viel Spaß. Darauf werde ich jetzt immer mal wieder zurückkommen. Letztendlich begeistert mich diese Technik und wenn ich mir überlege, dass unsere Vorfahren in der Bronzezeit schon damit gesponnen haben, fühle ich mich auch ein bißchen mit ihnen verbunden.
Durch das gleichtönige, ja man kann sagen meditative Arbeiten sind bei mir viele neue Ideen und Gedanken entstanden. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine der Antriebsfedern für Forschung und Entwicklung war. Sowas geht uns ja heutzutage völlig ab. Man geht los, kauft seine Klamotten, fertig. Dass das Herstellen von Sachen und da rede ich natürlich nicht nur von Kleidung, viel Raum für Kreativität schafft, geht dabei verloren. Das finde ich sehr schade.

mein Anzeiger: Frau Kruspe, sie geben ihr Wissen an der Handspindel sowie am Spinnrad weiter. Wie kann man mit ihnen in Kontakt treten, wenn man das Erlernen möchte?

A. Kruspe: Es gibt die Möglichkeit mit mir im Einzel- oder Kleinstgruppenunterricht bis zu drei Teilnehmern, das Spinnen an Handspindel und Spinnrad zu erlernen. Auch habe ich in Weimar eine entsprechende Gruppe gegründet, die noch interessierte Teilnehmer aufnimmt. Voraussetzung hierfür sind eine regelmäßige Teilnahme und Lust auf externe Schauspinntermine zu haben. Für beides kann man mir Kontakt aufnehmen und unsere Gruppe kann man auch engagieren.

mein Anzeiger: Frau Kruspe, wir bedanken uns für die ausführliche Auskunft und freuen uns auf das fertige Projekt

A. Kruspe: Gerne. Ich werde mich melden, wenn es soweit ist und die Ausstellung auf Wanderschaft geht. Sicherlich wird es da etliche Termine in Deutschland geben.
Abschließend noch meine Kontaktadresse:

HandspinnereiGiftgruen@outlook.de
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