Bierexperte hat über die Geschichte des Weimarer Bieres recherchiert

Helmut Geiger hat schon viele Biergläser von Weimarer Brauereien gesammelt. Er selbst trinkt am liebsten Zwickel der Brauerei Haberstumpf in Trebgast, ein ungefiltertes Bier mit süßlichem, vollmundigen Geschmack.
 
Auch Bierdeckel gehören zu seiner Sammlung.
Weimar: Hainweg 13 |

Fast sein gesamtes Berufsleben drehte sich ums Bier. Der Gerstensaft lässt Helmut Geiger auch als Rentner noch nicht los. Besonders der aus Weimar hat es ihm angetan. Hier war in den 1990er Jahren Geschäftsführer der Ehringsdorfer Brauerei. Nun hat er auch zu anderen Brauhäusern der Stadt recheriert und ein Buch darüber geschrieben. Am 12. November wird es öffentlich vorgestellt.

Industriebier kommt nicht ins Glas


Helmut Geiger ist inkonsequent. Aber damit scheint er gut leben zu können. Industriebier kommt ihm nicht ins Glas. Er mag die kleinen Brauereien und ihren Gerstensaft, liebt den ursprünglichen Geschmack, lässt sich aber auch gern durch neue Eindrücke überraschen. „Die Kleinen“, ist er sich sicher, „lassen sich noch Zeit beim Brauen. Während Industriebier in sieben bis neuen Tagen fertig ist, reift handwerklich gebrautes Bier sechs bis zehn Wochen.“

Polnisches Bier im Unruhestand


Trotzdem verdient Geiger seit vielen Jahren sein Geld mit den Großen. Seit 1977 hat er als Kaufmann für verschiedene Brauereien gearbeitet, im Jahr 1998 sogar eine eigene Firma gegründet. Die Drinks Union Deutschland mit Sitz in Weimar-Legefeld vertreibt böhmisches Bier in Deutschland. Inzwischen hat er das Unternehmen in andere Hände abgegeben, sorgt derzeit aber noch „etwas nebenbei“ dafür, dass polnische Biere in deutschen Supermarktregalen stehen. „Allerdings nicht mehr die ganze Woche über“, klärt der Rentner im Unruhestad auf. Das Mehr an Freizeit hat der Franke aber nicht für gemütliche Bierrunden in Gastwirtschaften genutzt, sondern ein Buch geschrieben.

Anfang der 1990er Jahre war Geiger für fast zwei Jahre Geschäftsführer der Ehringsdorfer Brauerei. Seitdem pendelt er zwischen seinem Wohnort Guttenberg bei Kulmbach und seinem Arbeitsort Weimar. Die Brauerei am Weimarer Stadtrand konnte er damals vor der Insolvenz nicht bewahren. „Dafür war die Substanz zu marode.“ Geblieben aber ist sein Interesse für das Bier aus der Klassikerstadt. Dessen Geschichte hat er jetzt aufgeschrieben.

Erst eine Sammlung, dann das Buch


Mit geschenkten Biergläsern und Werbeschildern begann vor 20 Jahren Geigers Leidenschaft fürs Weimaer Bier. Später kamen Bierdeckel und Etiketten hinzu. Irgendwann begann er selbst aktiv zu suchen und zu kaufen. „Allerdings hatte ich damals noch nicht die Absicht, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben.“

Diese Idee kam ihm erst mit dem halbherzigen Ruhestand vor zwei Jahren. „Ich hatte früher bereits drei Bücher über Kulbacher Brauereien geschrieben“, erklärt der Autor. Warum also sollte er nicht gleiches für Weimar tun? Im Dezember letzten Jahres hat er aktiv mit der Arbeit begonnen. Nun ist das Buch „Weimar und sein Bier“ vor – und deckt Verblüffendes auf.

Thüringens größe Privatbrauerei stand in Weimar


Zehn Brauereien hat es auf dem Territorium des heutigen Stadtgebietes gegeben. Es waren große und kleine. Geiger hat sie alle aufgelistet. Darunter ist auch Deinhardt zu finden. Sie war galt bis zum 2. Weltkrieg sogar als Thüringens größte Privatbrauerei. Überlebt hat sie trotzdem nicht. Ende der 1960er Jahre wurde das Bierbrauen im Unternehmen, das früher sogar eine eigene Malzerei in Bad Sulza betrieb, ganz eingestellt. Fortan wurde nur noch Limonade produziert. Überlebt hat als einzige die Ehringsdorfer Brauerei. Zudem wird heute in Weimar noch im Felsenkeller gebraut. „Ein sehr schönes Pils“, wie Geiger findet.

Weimarer Brauereien, so Geiger, hatten immer schon einen schweren Stand. Sie mussten sich in der eigenen Stadt stets gegen die ganz Großen durchsetzen, das Absatzgebiet mit ihnen teilen. In der viel besuchten Kulturstadt gehörte es schließlich zum Resümee der Restaurants, nationale Biersorten anzubieten. Keine leichte Aufgabe sei das gewesen.

Weimarer Reinheitsgebot ist älter als das bayrische


Heute könnte man in der Klassikerstadt mit einem besonderen Pfund wuchern. Zu Geigers Verwunderung aber wird es nur als Randnotiz wahrgenommen. Vor fünf Jahren fand Hobbyhistoriker Hubert Erzmann im Weimarer Stadtbuch von 1348 einen Eintrag, in dem beschrieben wird, womit ein Bier zu brauen ist. Damit wäre dieser Nachweis älter als das bekannte Reinheitsgebot aus Bayern oder Weißensee.„Aber hier hat man ja Goethe und Schiller“, meint Geiger. Das scheine als Stadtwerbung auszureichen.

TERMIN

Mehr über „Weimar und sein Bier“ (ISBN 978-3-00-050320-7, 216 Seiten) erfahren Interessierte zur Buchvorstellung am 12. November, 19.30 Uhr im Brauereimuseum der Ehringsdorfer Brauerei, Hainweg 13 in Weimar.
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