Blaufärberin Sigritt Weiß ist wohl die letzte Meisterin ihres Fachs

Blau blau blau, sind alle meine Kleider. Blau, blau, blau ist alles, was ich hab.“
 Das trällern Kinder in einem Lied, das Farben und Berufe verknüpft. Ein Lied, in das Sigritt und Klaus Weiß wunderbar einstimmen könnten. Die 77-Jährige ist vermutlich die letzte Blau­druckerin mit Meistertitel – und außerdem ­anerkannte Kunsthandwerkerin in diesem Beruf, der nahezu ausgestorben ist.

Trotz ihres Alters ­arbeitet sie noch täglich in ihrer Werkstatt. „Daran ­haben wir uns gewöhnt.“ Beim Wörtchen „uns“ schließt sie ihren Mann Klaus gleich mit ein, der fürs „Grobe“ in der Blaudruckwerkstatt zuständig ist. Er hat beispielsweise eine spezielle Waschmaschine zum Spülen der Stoffe entwickelt, zwei Meter tiefe Färbebottiche ­(Küpen) im Kellergeschoss eingelassen und verrichtet auch sonst alle schweren Arbeiten. Und davon gibt es mehr als genug. Auch er ist 77 Jahre alt.

Irgendwann Anfang der 1980er-Jahre haben die beiden ihren beruflichen Alltag an den Nagel gehängt. „Wir bekamen einen Blaudruck in die Hand, der uns so faszinierte, dass wir das auch machen wollten“, erinnert sich Sigritt Weiß. Also wurden aus einer HO-Verkaufsstellenleiterin und dem Lehrer für Polytechnik: Künstler.

„Die ersten Versuche haben wir in einem ­Eimer ­gestartet“, sagt Sigritt Weiß ­lachend, weil sie heute genau weiß, dass das nicht funktioniert. Es habe eine Weile gedauert, bis erstmals etwas Brauchbares dabei herausgekommen sei. Entmutigen lassen haben sich die beiden nicht. „Man darf nicht denken, dass irgendein Blaufärber seine Methoden oder Tricks verraten hätte. Das waren gut gehütete Geheimnisse.“ Ein schwieriger Start.

Wenn die 77-Jährige der Reihe nach aufzählt, welche Arbeitsschritte nötig sind, können Außenstehende den Eindruck bekommen, dass diese Aufzählung kein Ende nimmt. Die filigranen Muster auf dem tiefblauen Stoff lassen das kaum erahnen.
Der Blaudruck ist ein Verfahren, bei dem das, was später weiß zu sehen ist, nicht mitgefärbt wird. Wer aber einmal mit dem Farbstoff
Indigo in Berührung gekommen ist, weiß, wie schwer es
sein muss, diesen Teil ungefärbt zu lassen. Die sogenannte Papp, an deren Zusammensetzung die beiden Künstler Jahre lange getüftelt haben, verhindert das Eindringen des Farbstoffes. Später werden die Stellen, auf denen das Papp mit Hilfe eines ­Mo­dels aufgetragen wurde, mit einer leichten Säure wieder in den weißen Zustand versetzt.

„Der Blaudruck war die Spitze der armen Leute“, ­erklärt Sigritt Weiß. Heute ist es etwas Schönes für Jedermann. Vorausgesetzt er hat Gelegenheit, einen Termin in der Schauwerkstatt der beiden in Erfurt-Hochheim zu bekommen. Denn viele Blaudrucker gibt es nicht mehr.
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