Der Müller: Weit weg von Max und Moritz

Am Walzenstuhl: Michael Müller (links) ist Deutschlands bester Müller-Lehrling. Mittlerweile ist er in seinem Ausbildungsbetrieb, in der Mühle Otto Crienitz in Wünschendorf, fest angestellt. Sein Ausbilder Felix Scharf war 2005 ebefalls der bundesweit erfolgreiche Müller-Azubi.
 
Michael Müller( links) und Felix Scharf begutachten das gemahlene Mehl.
Wünschendorf/Elster: Am Mühlengraben 4 |

Deutschlands bester Müller-Lehrling 2016 geht in der Wünschendorfer Obermühle einem modernen Beruf nach. Eine Sonderstellung nimmt er nicht ein.


„Rickeracke! Richeracke! Geht die Mühle mit Geknacke.“ ­– Ein gar grausiges Ende nehmen Max und Moritz. Doch nicht deswegen mag Felix Scharf die Wilhelm-Busch-Geschichte nicht besonders. „Sie zeichnet ein stark überholtes Bild von unserem Beruf.“

Das Müller-Handwerk, wie Scharf es als Miteigner der Wünschendorfer Obermühle versteht, ist ein knallhartes Geschäft. Überkapazitäten auf dem Mehlmarkt machen den Müllersleuten zu schaffen. Bestehen könne man nur durch Qualität. Und dafür braucht er gut ausgebildete Mitarbeiter. Einen solchen hat er mit Michael Schulz gefunden.

Müller sind heute Verfahrenstechnologen


Über Umwege ist der junge Mann zu seinem Beruf gekommen. Verfahrenstechnologe in der Mehl- und Futtermittelwirtschaft nennt er sich offiziell. Müller ist die bekannte Kurzform. „Ich habe erst Kfz-Technik studiert“, erzählt Schulz. Aus Kostengrüden gab er auf. Arbeiten wollte er und Geld verdienen. Schwager Felix Scharf bot ihm eine Ausbildung in der Mühle. Nach einem Praktikum wusste Schulz: „Das ist was für mich.“

Mit 30 Jahren startet er 2014 noch einmal von vorn, setzt sich mit Jugendlichen auf die Schulbank. „Es was genauso, wie man es sich vorstellt“, erinnert er sich an die Feierlaune seiner Mitschüler, mit der er selbst nicht mehr mithalten wollte. Trotzdem war er sehr wohl gelitten in seiner Klasse, übernahm ein bisschen die Rolle des Klassenpapas. „Ich war ja in dem Alter ähnlich: erst feiern, dann lernen.“ Das ist lange her. Schließlich konnte Schulz seine Lehre mit einem Durchschnitt von 1,0 abschließen. Damit ist er in seinem Ausbildungsberuf nicht nur der beste Thüringers, sondern gar deutschlandweit.

Eine Sonderstellung hat er dadurch nicht. Schließlich schaffte Felix Scharf das Gleiche 2005. Zwei Jahrgangsbeste arbeiten nun in der Obermühle. „Ich durfte als Auszubildender von vornherein in alle Bereiche reinschnuppern und war komplett eingebunden“, glaubt Michael Schulz eine Ursache des Erfolgs zu kennen. Durch die Betriebsgröße von 25 Mitarbeitern sei jeder gefragt. Größere Mühlen beauftragen Fremdfirmen, wenn Maschinen zu reparieren sind. In Wünschendorf erledigen das die Angestellten.

Als weitere Ursache darf sicher Schulz’ Ehrgeiz gelten. Er wollte zu den Besten gehören und hat sich deshalb intensiv auch in Bereiche eingearbeitet, die er von Schule und Studium nicht kannte. „Die Ausbildung war kein Selbstläufer, vor allem nicht in Chemie und Biologie.“ Aber die im Studium erworbenen Lernkompetenzen waren sehr hilfreich.

Mehlproduktion ist computergesteuert

„Rickeracke! Richeracke! Geht die Mühle mit Geknacke.“ Nicht aber in Wünschendorf. Hier läuft alles vollautomatisch. Der Müller überprüft die Weizenqualität und kontrolliert über Computer den Mahlvorgang. Körperlich schwere Arbeit hat Schulz nur kennengelernt, als er als Azubi auch bei der Auslieferung geholfen hat. So mancher Kleinabnehmer bekommt sein Mehl immer noch säckeweise geliefert.

Schwieriger ist es eher, mit dem Schichtsystem klar zu kommen. In der „Otto Crienitz KG“, zu der die Mühle gehört, wird rund um die Uhr gearbeitet. „Doch daran gewöhnt man sich“, so Schulz. Schon im Praktikum konnte er das testen.

Beste Jobchancen für Müller


Die Möglichkeit haben auch jene, die sich für den Müller-Beruf interessieren. Zwei Wochen bezahltes Praktikum ist Voraussetzung. Wer dann noch anfangen möchte, erhält eine umfassende Ausbildung. Für eine abschließende Anstellung muss man nicht Deutschlands Bester werden, nur willig sein. „Arbeitslose Müller gibt es nicht“, macht Felix Scharf Interessierten Mut.


Zur Sache

+ Die Wünschendorfer Obermühle besteht seit rund 250 Jahren. Früher wurde sie durch einen Nebenarm der Weißen Elster angetrieben. Noch heute deckt man zehn Prozent des Energiebedarfs über Wasserkraft.

+ Die Otto Crienitz KG ist ein Familienunternehmen und produziert etwa 60000 Tonnen Mehl im Jahr. Sie beliefert Groß- und Kleinkunden; vom Großkunden wie Zwieback-Hersteller Brandt bis zu Pizzerien, mittleren und kleineren Bäckereien.

+ Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Wünschendorf. Hier werden verschiedene Typen von Weizenmehl sowie Weizenschrote und Weichweizengrieß hergestellt. In der Nebenstelle, der Rothenmühle in Weida, werden Roggenmehle gemahlen.

+ Das Unternehmen bildet nicht nur Verfahrenstechnologen in der Mehl- und Futtermittelwirtschaft aus, sondern auch Berufskraftfahrer sowie im kaufmännischen Bereich aus.

+ Mehr Inform@tionen: www.otto-crienitz-kg.de
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