Der Wendler macht‘s - Der Senior aus Tonndorf hat Spaß am Spaßmachertum

 
Willy Wendler, Zuckerwattemann, Tonndorf
Tonndorf: Der Wendler |

„Manches ist so einfach und da geht noch mehr“: Ein Rentner aus Tonndorf engagiert sich ehrenamtlich für Kinder und Senioren





"Kinder haben es heutzutage schwer", sagt Willy Wendler. Mit: "Das liegt an den Lebens­umständen, an der Arbeitslosigkeit der Eltern, an teilweiser Verarmung, am Marken- und Computerstress sowie an der Reizüberflutung", hat der 64-Jährige auch gleich Ursachen dafür parat. "Und dabei kann man ein Kind für weniger als 30 Cent glücklich machen. So einfach geht das."  

Der Tonndorfer ist aufgrund der Tatsachen keineswegs verbittert, ein Haderer oder Nörgler. Er ist ein Unikum, ist lustig, macht Spaß und ist ein Macher. "Ich mag Kinder, arbeite gern mit ihnen zusammen", sagt Wendler. So ist der rüstige Rentner im Schullandheim als ehrenamtlicher Hausmeister aktiv und bastelt auch schon mal mit den jungen Gästen in der Holzwerkstatt. Oder er backt Quark­bällchen und macht Zuckerwatte bei Festen. Und die glück­lichen ­Kinderaugen, wenn er im ­Kessel seiner extra angeschafften Maschine eine Zuckerwattenwolke am Stiel formt, berühren den Wendler. "Es gibt tatsächlich Kinder, die sich über solche Kleinigkeiten freuen", sagt der ehe­malige Gemeinde­arbeiter.  

Diese Begeisterung findet Willy Wendler aber auch bei Senioren, für die er sich auch mal gern ins Zeug legt. "Was, Zuckerwatte gibt es heute sogar in verschiedenen Farben? Das ist ja toll", hört er oft, wenn Kindheitserinnerungen an die klebrige, meist weiße Süßigkeit wach werden. Der Zuckerwatte-Wendler strahlt. Das ist sein Lohn für sein ehrenamtliches Tun.  

Und doch wird der Wendler nachdenklich: "Senioren und Kinder tun mir heutzutage leid." Die einen haben sich ein Leben lang abgerackert, "die anderen sind doch unsere Zukunft". Für ihn ist die Kostenrechnerei für Betreuung und Beschäftigung ein Witz. Vorschriften über Vorschriften, Anträge, Geneh­migungen. "Das Spontane fehlt. Alles ist so kompliziert. Jeder will sich absichern, pocht auf Be­stimmungen - manchmal zu einseitig und zu laut", sagt der ­ehemalige Bergmann.  

Dabei kann man mit wenigen Mitteln und engagierten Helfern etwas auf die Beine stellen. Dazu etwas behörd­licher Willen und eine gänzliche Gebühren-Befreiung bei Kinderfesten wären wünschenswert. Das müsste alles unkomplizierter laufen. "Kinder müssen was erleben", so der Grundsatz von Willy ­Wendler. Und manchmal scheitert es an zehn oder zwanzig Euro für einen Ausflug. "Da müssen Sie mal in die Kinderaugen blicken." Das ist für den Wendler Aus­grenzung.  

Und es fehlt an Spielmöglichkeiten. "Manche Geräte sind gesperrt, weil Geld für die Reparatur fehlt oder sich die Norm geändert hat. Erklären Sie das mal einem Kind. Viel Spaß!" Doch Willy Wendler will mit seiner Rentner-Zeit etwas Sinn­volles anfangen und anderen Spaß bereiten. "Wenn auch viele sagen: Der Wendler spinnt, solange ich kann, erfreue ich Menschen."    

Dann hadert er doch, aber nur ein wenig: "Die ­geringe Resonanz bei Festen tut mir manchmal weh." Viele können Aufwendungen für Vorbereitung, Durchführung, Ehrenamt und Kosten nicht ­einschätzen. Da fehlt es dem Wendler an Wertschätzung gegenüber allen Machern.  

Dennoch muss beim Wendler ein Fest mit Leben erfüllt werden. "Ein Zapfhahn und eine Bier­garnitur reichen nicht", sagt er. Einfallsreichtum ist gefragt: "Es muss leuchten, glitzern, blinken" wie zum Fasching. Da war der Wendler sechs Jahre lang in Tonndorf aktiv Jetzt begeistert er auf Bad Berkaer Bühnen als Andrea Berg, Helene Fischer, Beatrice Egli oder ­Ireen Sheer. Oder er ­präsentiert Sketche auf Geburtstags-, Weihnachts-, Senioren-­ und Hochzeits­feiern. Und einen Tanzzirkel würde der ­Rentner - dem die Ideen nicht auszugehen scheinen - auch gern gründen. "Wenn andere ­Spaß haben, macht das auch mich ­glücklich", sagt Willy Wendler aus Tonndorf.

Zitat

"Kinder und Senioren sind dankbar, wenn man für sie etwas macht."
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 13.07.2016 | 18:00  
Thomas Gräser aus Erfurt | 13.07.2016 | 18:08  
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