Die Mehrfach-Kreative aus Stedten am Ettersberg

 
Das hängende Teil stammt aus Ollendorf.
Berlstedt: Göpfardt |

Petra Göpfardt ist eine malende Friseurmeisterin, die in ihrem Haarstudio in Stedten am Ettersberg ein kleines Friseurmuseum betreibt




"Friseure haben viele Haare, aber noch mehr verrückte Einfälle."
Mark Twain


Petra Göpfardt (54) ist am Kopf anderer und an ihrer Staffelei kreativ. Da die malende Friseurmeisterin aus Stedten am Ettersberg ihren Beruf stets als Hobby angesehen hat, übt sie eben zwei schöpferische Lieblingsbeschäftigungen aus.

Dabei haben die zwei Begabungen durchaus gemeinsame Schnittmengen: Sie haben mit Farbe, Proportionen, Intuition und handwerklichem Geschick zu tun. Und dafür hatte die 54-Jährige schon immer ein Händchen. "Ich bin eine Kreative. Da kann ich mich vollkommen ausleben", sagt Göpfardt. Das merkte sie bereits während ihrer Lehrzeit, die 1977 startete. Schon als Lehrling musste sie mit Zeichnungen von verschiedenen Frisuren ihr Talent unter Beweis stellen.

Frisur und Malerei haben noch eine Gemeinsamkeit: In beiden Gewerken findet der Farbkreis Anwendung. "Ich bin für natürliche Farben", sagt die Haarstylistin. Und da Violett und Gold (damit ist nicht Gelb gemeint) nicht harmonieren, kommen bei ihr die beiden Farben nicht gemeinsam auf Kopf oder Leinwand.

Bei der Kunst am Haar kommt es auf das Erscheinungsbild an. "Denn auch durch Farbe kann der Typ unterstrichen werden", sagt die Stedtenerin. "Mit einer Frisur kann ich ein Gesicht positiv hervorheben, ich kann einiges kaschieren und ein Gesicht strecken oder runder wirken lassen." Sozusagen gestaltet die Friseurmeisterin ein lebendes Bild, indem sie berät und sich auf die Wünsche ihres Motivs einlässt. "Ich mag es, am Menschen zu arbeiten. Ich mag die Geselligkeit, die Unterhaltung", sagt Göpfardt.

Bei der Malerei ist es ähnlich und doch anders. Hier findet die Haar- und Bild- Künstlerin ihre Motive nicht auf dem Frisierstuhl, sondern in der Natur, im Urlaub, als Blumenstrauß auf dem Tisch. Sie sind weder gesellig, noch reden sie und obendrein sind sie beratungsresistent. "Ich muss das Motiv sehen oder erleben, bevor es die Leinwand ziert", sagt die Mehrfach-Kreative, die auch Schöpfergeist in ihrem kleinen Friseurmuseum, im Vorraum des Salons an den Tag legt.

Auch wenn Petra Göpfardt viele ihrer Motive vor dem Malen erst fotografiert, ist das gemalte, das selbst geschaffene Werk etwas Besonderes. "Ein Foto entsteht durch Knopfdruck. Ein Foto ist Tatsache. Ein gemaltes Bild ist etwas Persönliches", erklärt sie. Beim Gemälde nuanciert die Künstlerin. Ins Farbenspiel fließt die Stimmung mit ein. "Ein gleiches Motiv würde anders aussehen, wenn ich es später noch einmal malen würde."

Dabei hätte die Welt noch einige Zeit auf Werke von der malenden Friseurin warten müssen. Denn eigentlich wollte sie erst ihre Rentenzeit mit der Malerei verschönern. Doch die Langeweile während einer Krankheit in Baden-Württemberg - die Familie zog es 1989 "auf die Walz", wie sie sagt - brachte Petra Göpfardt 1993 an die Staffelei. Da wusste sie bereits, dass es wieder zurück ins Weimarer Land geht. "Vielleicht wollte ich die zweite Heimat noch im Bild festhalten", sucht die Künstlerin nach einer Antwort auf das Ölgemälde, an dem sie lange arbeitete.

Heute ist es anders: "Ich bin eine Schnellmalerin." Gemalt wird im Wechsel jetzt mit Acryl- und Aquarellfarben. Und im offenen Atelier der Weimarer Mal- und Zeichenschule - die sie seit 2002 besucht - auch mit Kreide. "Hier wurde auch meine Leidenschaft zur Malerei neu erweckt. Jetzt wollte ich nicht mehr bis zur Rente warten". Seither sind zig Bilder entstanden. Wie viele, weiß die pinselnde "Barbierin" nicht. "Bisher habe ich alle verschenkt." Bis auf momentan 38 in ihrer ersten Ausstellung und eines in Arbeit. "Eigentlich will ich ja kein Bild hergeben. Aber letztendlich freue ich mich, wenn dann andere Freude daran haben", sagt Petra Göpfardt. Und das trifft ja schließlich auch auf die kunstvollen Frisuren zu.


Die Ausstellung

•„Ich male mir die Welt, wie sie mir gefällt“, Bilder von Petra Göpfardt,
AZURIT Seniorenzentrum Schillerhöhe,
Ernst-Busse-Straße 29, Weimar-Schöndorf,
bis 11. März täglich von 9 bis 18 Uhr



Vita Petra Göpfardt

° geb. 1961
° 1977 Friseur-Lehre
° 1982 Meisterausbildung
° 1989 in verschiedenen Haarstudios in baden-Württemberg
° 1994 selbstständig, eigenen Salon in Stedten a.E.
° 2002 Malerei-Neustart
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1 Kommentar
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Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 20.01.2016 | 11:22  
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