Digitale Bildung: In der Schleizer Goethe-Schule ersetzen Tablets die Schulbücher

iPads haben in Schleiz die Schulbücher abgelöst. Auf sie werden auch die Tafelbilder gesendet. So kann jeder Schüler selbst aktiv werden.
 
Laurin Wöhrle (links) und Domenik Manger lernen gern in einer iPad-Klasse. „In Geografie haben wird mit dem Tablett sogar schon einen Filme gedreht“, erzählt Domenik. Laurin findet es sehr gut, Recherchen für den Unterricht über das Internet erledigen zu können. Mit der Hand schreiben beide aber immer noch. Nicht nur in Heften. Auch auf dem iPad. Bei Lückentexten und Formeln seien Stifte besser geeignet als die Tastatur.
Schleiz: August-Bebel-Straße 10 |

Schwere Ranzen haben ausgedient - zumindest in einigen Klassen an der Schleizer Schiller-Schule. Fast alles, was die Schüler brauchen, haben sie auf iPads gespeichert. Das macht die Jungen und Mädchen nicht schlauer oder ehrgeiziger, aber sie haben nachweislich mehr Spaß am Unterricht. Die digitale Bildung befördert zudem ihre Medienkompetenz.

Eine amerikanische Steuernummer für eine Thüringer Regelschule: Das dürfte einmalig sein – ebenso wie der intensive Einsatz der Tablett-Computer von Apple im Schulalltag. An der Goethe-Schule in Schleiz praktiziert man das Lernen 2.0. „Die Steuernummer haben wir für den Verkauf unseres letzten Jahrbuches benötigt“, erklärt Schulleiter Toralf Hieb. Das wurde schließlich nicht nur auf Papier gedruckt, sondern ist auch als iBook im iTunes-Store erschienen.

Bereits das zweite Schuljahr werden in ausgewählten Klassen die Schulbücher durch iPads ersetzt. „Wir haben uns vorher verschiedene Geräte angeschaut“, so Hieb. Die Apple-Modelle seien nicht störanfällig und immer einsatzbereit. „Die Dinger müssen im Schulalltag eben problemlos funktionieren“, ergänzt Informatiklehrer Thomas Hauschke. Nur so könne sich der Lehrer auf den zu vermittelnden Stoff konzentrieren.

Die Risiken der digitalen Welt verstehen


Eine 7. und eine 8. Klasse lernt und arbeitet derzeit in Schleiz mit dem iPad. Man darf die technische Entwicklung in der Schule nicht ignorieren, sind sich Hieb und Hauschke einig. In den iPad-Klassen werden deshalb jeden Tag praxisbezogen die Risiken und Chancen der digitalen Welt vermittelt. „Die Schüler lernen so auch, mit den Gefahren umzugehen“, erläutert Hauschke. „Wir erzählen nicht nur davon, sondern zeigen es.“

Die Anregung, vornehmlich mit dem iPad im Unterricht zu arbeiten, kam von einem jungen Lehrer. Hieb und Hauschke waren schnell begeistert. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurde das Projekt entwickelt, die Eltern und der Schulförderverein informiert, das Wlan-Netz ausgebaut und das Angebot gestartet. Eine Pflicht, es anzunehmen, besteht aber nicht.

Eltern entscheiden übers iPad


Die Eltern entscheiden, ob ihre Kinder in eine iPad-Klasse gehen oder weiterhin auf herkömmliche Weise mit Lehrbüchern und Arbeitsheften unterrichtet werden. Gibt es zu viele Bewerbungen, liegt die endgültige Entscheidung bei der Schulleitung. „Das geht nicht nach der Leistung, sondern nach dem Verhalten“, so Hauschke. Denn elitär sollen die iPad-Klassen nicht sein. „Wir haben dazu einen Verhaltenskodex entwickelt. Kein Schüler darf sich als etwas Besonders betrachten, nur weil er eine dieser Klassen besucht.“

Finanziert werden die iPads allein durch die Eltern. Möglich wird das über einen Miet-Kauf-Vertrag. Der Schulförderverein ist dabei Vertragspartner. „Zehn Euro müssen die Eltern pro Monat bezahlen“, so Hieb. „Das ist für jeden realisierbar.“ Zumal alle Apps kostenlos sind. Auch die Wartung der Tablets übernimmt die Schule. Sie spielt auch das benötigte Material auf. Eine Versicherung gegen Glasbruch ist im Miet-Kauf-Vertrag enthalten.

Eingesetzt wird das iPad in allen Fächern. Der Ranzen bleibt deshalb erfreulich leicht. „Auf Papier und Stift verzichten wird trotzdem nicht“, so Hieb. Aber ein Großteil der Schülerarbeiten wird über das Tablet erledigt. Hierauf spielen die Lehrer Arbeitsblätter und Tafelbilder, die dann gemeinsam vervollständigt werden können. Zur Kontrolle haben die Lehrer Zugriff auf die iPads der Schüler. Ob die Schüler für ihre Aufgaben die Tastatur oder einen Stift nutzen, ist ihnen überlassen. Auch ein Austausch der Schüler untereinander ist über das iPad möglich und erlaubt, ebenso wie die private Nutzung.

Schulbuchverlage sind noch zögerlich


Bedauerlich findet der Direktor, dass Schulbuchverlage das Potential der neuen Technik nicht ausnutzen. Es gebe kaum interaktive Lehrbücher. Zudem sperren sich die Verlage, die herkömmlichen Lehrbücher auch als iBook anzubieten. Deshalb konzipieren die Lehrer der Goethe-Schule eine Vielzahl der Unterrichtsmaterialien selbst. Der Spaß an der neuen Arbeitsweise motiviere zu diesem Mehraufwand, meint Hieb.

Kein Leistungsschub, aber mehr Schüleraktivität


Eine besondere Leistungssteigerung in den iPad-Klassen konnten Hieb und Hauschke bisher nicht feststellen. „Wir betrachten das Projekt auch vielmehr als eine Bereicherung unserer Schulkultur.“ Ehrgeiz und Leistungswillen könne es nicht ersetzen. Fest aber steht: Die Schüleraktivitäten im Unterricht haben stark zugenommen. Besonders gut kann man das bei Duellen beispielsweise im Kopfrechnen beobachten. „Die Schüler sind mit Begeisterung bei der Sache. Der Unterricht macht ihnen einfach mehr Spaß“, so Hauschke

Zur Schule

Die Regelschule besuchen 360 Schüler in 16 Klassen. Unterrichtet werden sie durch 35 Lehrer. In der 7. und 8. Jahrgangsstufe gibt es je eine iPad-Klasse. Im nächsten Schuljahr kommt eine weitere Klasse hinzu, so dass durchgängig von der 7. bis zur 9. Klasse mit dem Tablett überrichtet wird.
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