Ein kleines Dankeschön reicht

Christopher Pfau ist in der 6. Generation Zwiebelbauer in Heldrungen. Er will den elterlichen Betrieb übernehmen.
Ein bisschen ärgert sich Heidi Pfau über sich selbst. Mit einer Anfrage im Heldrunger Stadtrat hatte sie einen Stein ins Rollen gebracht, der zu einer Lawine wurde. „Hätte ich meine Frage nur im nichtöffentlichen Teil gestellt“, reagiert sie auf einen Medienrummel, den sie so nicht bezweckte.

Ausgangspunkt war die Frage, ob die Stadt Weimar zum runden Zwiebelmarkt 2013 einige der Zwiebelbauern für ihren jahrelangen Einsatz würdigen wollte.
Heidi Pfau gehört zu einer alteingesessenen Zwiebelbauernfamilie in Heldrungen. Schon Eltern und Schwiegereltern und Großeltern haben die scharfen Knollen angebaut und auf Märkten verkauft. Ein Höhepunkt war und ist dabei der Zwiebelmarkt in Weimar. Er findet 2013 zum 360. Mal statt. Ein kleines Jubiläum, dachte sich Heidi Pfau und eine gute Gelegenheit, die alten Händler zu ehren. Sie werden nicht mehr lange nach Weimar kommen können. Bereits in den vergangenen Jahren nahm ihre Zahl merklich ab. „2011 waren noch 120 Händler in Weimar. In diesem Jahr sind es 60 Stände“, rechnet Ehemann Heiko Pfau vor. Dabei gehörten die Heldrunger einfach zum Weimarer Markt dazu. Sie geben ihm sein besonderes Flair. Das wolle man geachtet wissen. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Wunsch sorgte für Wirbel, wurde im MDR thematisiert. Über den Kommentar von Stadtsprecher Ralf Finke im Thüringen-Journal habe man sich sehr geärgert. Dieser erklärte, dass zwar eine runde Zahl, aber kein Jubiläum anliege. Als Ignoranz wertet man dies. „Diese Generation hat alles zusammengehalten“, erklärt Heidi Pfau. Ihr sei es zu verdanken, dass die Heldrunger Weimar die Treue gehalten haben. Doch die Generation stirbt aus. Sie ist im Durchschnitt 65 bis 70 Jahre alt. „Wir wollten einfach ein Dankeschön.“ Wenn das Jubiläum zum 375. Zwiebelmarkt gefeiert wird, seien diese Händler nicht mehr dabei.

In den letzten Jahren haben die Heldrunger ohnehin mit einigen Änderungen zu kämpfen. Besonders beschwerlich seien neue Anmeldeformalitäten. Früher habe das Heldrunger Rathaus alles erledigt. Heute muss sich jeder selbst anmelden. „Das ist zu viel für die alten Leute“, beklagt Heidi Pfau. Ein bisschen mehr Entgegenkommen wünscht sie sich.
Um die Zukunft eigene Zukunft ist ihr nicht bange. Tochter Marie-Sophie I. ist derzeit Heldrunger Zwiebelprinzessin. Sohn Christopher will den elterlichen Betrieb weiterführen. Er wäre dann in der 6. Generation Zwiebelbauer. Aber derzeit auch der einzige junge Heldrunger, der sich auf dieses Abenteuer einlassen möchte.
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