Ein Lied gegen Kinderlähmung

Oswald Georgi hat ein Lied geschrieben, das für die Schutzimpfung gegen Kinderlähmung wirbt.
Die Augen lachen immer mit. Wer Oswald Georgi gegenüber sitzt, merkt ihm sein schweres Schicksal nicht an. Beim Laufen versucht er, sein Handicap zu kaschieren. Wie es tief in seinem Inneren aussieht, beschreibt aber ein Lied, dass er vor zwei Jahren schrieb.

Als Hinkebein und Stottermann sei er in seiner Kindheit oft gehänselt worden, gesteht Oswald Georgi, der vielen besser als Alleinunterhalter Ossi aus Zöllnitz bekannt sein dürfte. Mit drei Monaten erkrankte Georgi an Kinderlähmung (Poliomyelitis, auch Polio genannt). Die 1962 eingeführte Schutzimpfung gegen diese heimtückische Krankheit kam für ihn - Jahrgang 1945 - viel zu spät. Er musste mit einem verkürztem Bein und Muskelschwund leben lernen. „Wenn ich sehe, wie schlecht es anderen mit der Krankheit geht, bin ich zufrieden“, erzählt er. Mit Sport versucht er sich fit zu halten. Seit vielen Jahren. Soziale Barrieren konnte er mit einer anderen Leidenschaft einreißen. Gesang half ihm aus der Isolation, die Außenseiter so oft ertragen müssen. In seinem Lied beschreibt es, wie er sein Glück fand. Selbst sein Stottern konnte er nach einer Therapie im Alter von 27 Jahren ablegen.

Es war nie einfach, die Tücken der Krankheit zu umschiffen. Um so weniger kann Oswald Georgi verstehen, wieso nicht alle Eltern ihre Kinder mit einer Impfung gegen Kinderlähmung schützen. Sein Lied, die Polio-Hymne, ist ein Appell, diese wichtige Vorsorge zu nutzen. Denn nicht nur die direkten Folgen der Kinderlähmung machend Erkrankten zu schaffen. In späteren Jahren leiden viele am Post-Polio-Sydrom. „Wir müssen sehr genau auf uns achten und lange Erholungsphasen einlegen, damit unsere Muskeln nicht noch mehr Schaden nehmen“, erklärt Georgi.

Seine Hymne hat er zwischenzeitlich schon auf vielen Veranstaltungen gesungen. Die Euregionale Initiative für Kinderlähmungsfolgen hat das Lied sogar auf ihrer Internetseite veröffntlicht. Derzeit entsteht eine englische Version. „Es ist gar nicht so einfach, den Text so zu übersetzen, dass er auf die Melodie passt“, so Georgis Erfahrung. Schon 4 bis fünf Versionen habe es gegen. Mit diesen war er aber nicht zufrieden. Nun hat er einen Schotten gefunden, der in Deutschland lebt, und den Text so bearbeitet hat, dass sie dem Autoren gefällt. Mit einer Lehrerin übt Oswald Georgi derzeit die englische Version zu singen. Schließlich will er sein Lied zum Internationalen Weltpolitag in Juni vor einem großen Publikum selbst singen.
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Petra Seidel aus Weimar | 14.03.2014 | 17:47  
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