Ein Rockpirat im Kirchendienst: Gemeindepädagoge Maik Becker aus Weimar führt ein bewegtes Leben

Maik Becker vor der Johanneskirche. Hier hat der Gemeindepädagoge und Jugendreferent des Kirchenkreise Weimar sein Büro.
 
Maik Becker mit seiner Samba-Gruppe (Foto: privat)

Im ersten Leben war Maik Becker Elektrotechniker, im zweiten Rockmusiker. Heute arbeitet er als Gemeindepädagoge in Weimar. Eine Arbeit, die sehr facettenreich ist.

Stress ist für Maik Becker ein Fremdwort. Das hat er schon bewiesen, als er nach Lehrzeit als freiberuflicher Musiker mit der Band „Rockpirat“ durch Deutschland tingelte und später als Erwachsener das Abitur nachholte und danach sein selbst finanzieren musste. „In der Woche habe ich in Berlin studiert und an den Wochenenden in Thüringen Musikgruppen geleitet.“ Nun arbeitet Becker als Gemeindepädagoge.
im Kirchenkreis Weimar, der von Ramsla bis Blankenhain und von Klettbach bis Mellingen reicht. Als Kreisjugendreferent organisiert er die Jugendarbeit im gesamten Kirchkreis. Zugleich betreut er als Gemeindepädagoge die Junge Gemeinde in Weimars Stadtzentrum, Basisarbeit eben.

Eine Pädagoge, der traut und predigt


Zur Ruhe ist der 37-Jährige noch immer nicht gekommen. Schließlich hat er als ordinierter Gemeindepädagoge gleiche Rechte und Pflichten wie ein Pfarrer. Nicht nur die Arbeit mit Jugendlichen gehört deshalb zu seinen Aufgaben. Ein Viertel seiner Arbeitszeit ist er im pastoralen Dienst: Becker hält Predigten, traut Paare, tauft Kinder und hält Trauerfeiern ab. Zudem gibt er Religionsunterricht am Weimarer Humboldt-Gymnasium.

Diese Mehrfachbelastungen sind für Becker kein Problem. „Ich bin es gar nicht anders gewohnt“, erklärt er. Zudem sei alles noch neu und aufregend, weil sich seit seinem Amtsantritt im April vergangenen Jahres noch keine Routine entwickelt hat. Sein Freizeitluxus ist der Sonntagabend. „Da schaue ich mit meiner Freundin gern Tatort.“ Auch der Montag gehört der Familie, zu der immerhin vier Söhne gehören. „Zumindest versuche ich“, so schränkt Becker ein, „mir diesen Tag frei zu halten.“ Die restliche Woche ist durchgetaktet.

Besonders die Arbeit mit den Jugendlichen erfüllt Becker. Er kann Ratgeber und Gesprächspartner sein. „Ich möchte ihnen Perspektiven bieten.“ Viele Jugendliche hätten Angst, wenn sie in der Schule versagen. Sie glaubten, das Leben sei damit zu Ende. „Doch ich kann ihnen mit meiner gebrochenen Biografie das Gegenteil beweisen.“

Kirchenlieder im Samba-Rhythmus


Nachhaltig Menschen zu erreichen, das macht für Becker den Sinn seiner Arbeit aus. Als Rockmusiker habe er das vermisst. Dieses Gefühl der Nähe kam erst auf, als er die erste Samba-Gruppe in der evangelischen Kirche gründete. Heute sind viele dieser Gruppen in der „Escola Popular“ vereint. Ihre Ursprünge in Weimar, Arnstadt, Pößneck und Erfurt gehen auf Becker zurück. Die Weimarer Gruppe leitet er noch heute.

In der „Escola Popular“ werden Pop-und Kirchenlieder neu interpretiert: mit Bläsern, Gitarre, Klavier, Percussion, Gesang und lateinamerikanischen Rhythmen. „Durch diese Musik bekommen die jungen Leute eine andere Perspektiven aufs Leben“, ist sich der Religionspädagoge sicher. Auch jene, die aus nichtreligiösen Elternhäusern kommen. Willkommen sind diese Jugendlichen auch im Kreis seiner Jungen Gemeinde, zu der rund 15 Heranwachsende gehören. „Bei uns muss niemand mitbeten“, so Becker. „Wir kommen über Alltagsprobleme miteinander ins Gespräch.“

Becker selbst hat erst über Umwege zur Kirchenarbeit gefunden. Er sei zwar zu DDR-Zeiten getauft und später konfirmiert worden. Doch dann habe er - wie so viele Jugendliche auch - die Kirche aus den Augen verloren. Das änderte sich erst mit dem Zivildienst und dem Engagement in der „Esola Popular“.

Jugendarbeit wird wiederbelebt


Als Gemeindepädagoge tritt Becker in große Fußstapfen. Viele Jahre wurde die Jugendarbeit in der evangelischen Kirche im Weimar stark durch Dirk Marschall geprägt. Vielleicht konnte deshalb die Stelle nach dessen Abschied lange Zeit nicht wieder besetzt werden. Erste Wiederbelebungsversuche unternahm Anne Pollmächer.
Nun hat Becker übernommen und viel vor. Er wünscht sich für die Jugendarbeit einen eigenen Raum. Derzeit trifft man sich noch im Herderzentrum. „ Doch junge Leute wollen auch mal die Füße auf den Tisch legen. Das geht in einem Mehrzweck-Seminarraum natürlich nicht.“ Geplant sind zudem ein Hip-Hop- und ein Band-Projekt. Auch die Ferienreisen und Ausflüge sollen fortgesetzt werden. Langweilig wird es Becker also auf keinen Fall. Aber mit Stress kann er ja umgehen.

Vita

Maik Becker wurde 1978 in Weimar geboren und ist in Hopfgarten aufgewachsen.
Nach dem Realschulabschluss 1995 erlernte er den Beruf des Elektrotechnikers, tingelte dann mit der Band „Rockpirat“ durch Deutschland.
Später holte er sein Abitur nach und studierte von 2008 bis 2012 ist Berlin. Seit dem ist Becker diplomierter Gemeindepädagoge. In Weimar absolvierte er anschließend seine praktische Ausbildung als Vikar.
Nach Abschluss des Vikariats wurde Becker ordiniert. Damit hat er die gleichen rechte und Pflichten wie ein Pfarrer. Seit April ist er Kreisjugendreferent im Kirchenkreis Weimar und Gemeindepädagoge für mehrere Kirchen in Weimars Stadtzentrum.

Zur Sache

In den Thüringer Kirchenkreisen sowie dem länderübergreifende Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) arbeiten 205 Mitarbeitende im gemeindepädagogischen Dienst (Stand Dezember 2014).
Für Personalkosten der gemeindepädagogischen Arbeit haben die Kirchenkreise
im Jahr 2014 7.656.334,18 Euro ausgegeben.
Die Entscheidung über den Einsatz der Gemeindepädagogen liegt in der EKM auf der mittleren Ebene, das heißt in den Kirchenkreisen.
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