Fischgräten sorgten einst für Stabilität

Schirmmeisterin Annelies Pennewitz eröffnet im Kulturstadtjahr 1999 in ihren Geschäftsräumen in der Weimarer Innenstadt ein Schirmmuseum. Foto: Simone Schulter
Weimar: Rittergasse | Ist man heutzutage unterwegs, hofft man, sie in der Tasche lassen zu dürfen: Die Funktion von Schirmen hat sich reduziert auf den Regenschutz. Zumeist sind sie klein und handlich, aus Massenproduktionen stammend, weil gerade die Schirme gern vergessen werden.

Das war nicht immer so. In früheren Zeiten waren Schirme ein Statussymbol. Sie demonstrierten Macht, Würde und Wohlstand. Noch heute ziert ein Schirm das Wappen des Papstes.

In der klassischen Goethezeit gehörte der Schirm zum unabdingbaren Accessoire, war Teil der Garderobe und wurde aufgespannt, wenn die Sonne schien. Nur mit Schirm waren die Damen von Adel oder aus dem gehobenen Bürgertum perfekt gekleidet. Die Regenschirme gibt es erst seit knapp 100 Jahre.

Zu einem kleinen Streifzug durch die Geschichte des Schirms lädt Annelies Pennewitz ein. Die Schirmmachermeisterin aus Weimar betreibt in ihren Geschäftsräumen in der Rittergasse ein privates Schirmmuseum. Die ältesten Modelle sind rund 250 Jahre alt. „Man kann davon ausgehen, dass sie die Damen der Goethezeit getragen haben“, erklärt Annelies Pennewitz. Weitere Modelle stammen unter anderem aus der Biedermeierzeit. Andere aus dem asiatischen Raum.

Bei Schirmen aus Europa sei es leichter das Alter zu bestimmen, erklärt die Fachfrau. Formen, Farben, Muster und Material geben Auskunft. So seien beispielsweise bei sehr alten Schirmen die Stäbe aus Fischgräten gefertigt worden. Bei Modellen aus dem asiatischen Raum sei das viel schwieriger. Diese Schirme würden noch heute in traditioneller Weise aus Bambus hergestellt.
Etwa 70 Schirme aus verschiedenen Epochen sind in ihrem Museum zu sehen. Die Exponate hat sie während ihres nun schon 50-jährigen Berufsleben zusammengetragen. „Die Schirme sind nach und nach zu mir gekommen. Ich musste ihnen nicht hinterherlaufen.“

Früher hat Annelies Pennewitz ihre kleine Sammlung zu Sonderausstellungen in verschiedenen Museen gezeigt. Vor Jahren aber wurde nach einem Umbau in ihrem Geschäftshaus ein Raum frei. Dieser beherbergt nun das wohl kleinste Museum in der Klassikerstadt.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige