Geheimtipp: Wie war das noch gleich mit dem Abakus?

Gunther Tilche am Abakus. Foto: Heyder
  Kranichfeld: Alte Schule |

Serie: Geheimtipp, lernen wie vor 100 Jahren – Was war nochmal ein Abakus? – Alte Schule in Hohenfelden macht das Lernen dort für morderne Schulklassen möglich

Der Bühnenaufgang zur großen Welt der Mathematik hat nur dreieinhalb Stufen. Aber immerhin ein kleines Geländer, falls die schweren Aufgaben den Schüler doch ins Wackeln bringen. Solche kleinen Holztreppen, um die aufgemalten Kästchen an der Tafel auch mit kurzen Beinen zu erreichen, gibt es heute nicht mehr. Sonst aber haben sich Schulräume im Wesentlichen kaum verändert. Da steht oder sitzt ein Lehrer vorn. Früher thronte er erhaben auf einem Holzpodest an seinem Pult, heute zumeist nur noch am Lehrertisch. Aus Schülersicht links vorne. Die Form der Bänke hat sich verändert, die Einkerbung für das Tintenfass ist nicht mehr nötig. Die Kanonenöfen sind verschwunden und der Zeigestock wurde durch den Laserpointer ersetzt.

Ganz selten nur zu finden ist der Abakus, wie er in der hergerichteten Dorfschule in Hohenfelden, die Teil des großen Museumskomplexes ist, zu sehen ist. Vielleicht ein bisschen zu unrecht, wenn man Gunther Tilche (34) studierter Volkskundler, bei dessen Bedienung zuschaut. Die Holzrechenmaschine, die einst Standard über Jahrhunderte war, hat es in sich. 365 plus 795, ruckzuck eine schnelle Kugel geschoben und da lässt sich von oben nach unten ablesen: Ein Tausender, ein Hunderter, sechs Zehner gleich 1160. „Rund 20 bis 30 Schüler saßen damals wohl in einer Klasse“, erklärt Tilche. „Mehrere Jahrgänge in einem Raum, gerade in den kleine Dorfschulen die nur einen Lehrer hatten.“ So wie Volksschullehrer Rolf Meisegeier aus Rittersdorf, dessen Foto am Pult von 1950 beispielhaft dort zu sehen ist. Auch er muss den Kindern damals erklärt haben, wie so ein Abakus funktioniert. Und, dass sie damit bequem ganz große Zahlen rechnen können. Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division – all das war möglich mit dem Holzkugelrechner, mit etwas mehr Mühe auch Brüche. Mathematik zum Anfassen, 3000 Jahre ist die Erfindung alt.

Der Pfarrer war verantwortlich


„Schulklassen haben hier die Möglichkeit, zu erleben, wie sich Schule vor 100 Jahren angefühlt hat“, erklärt Tilche. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Existenz einer Schule in Hohenfelden verbürgt. „Für die Schule war immer der Pfarrer verantwortlich, ihm war die Schulaufsicht unterstellt“, erklärt Tilche. Ein Grund, warum Pfarrhof und Schule in Rufweite stehe. Neben dem Klassenraum auf Stand der 50er Jahre ist zudem aus gleicher Zeit die Wohnung des Lehrer im Obergeschoss zu sehen.

Seine Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem Taschenrechner – für geübte Finger bei Plus und Minus – werden dem Abakus aber sicher nicht zu einer Renaissance verhelfen. Aber Schülern zu neuen Einblicken, wenn Sie mal einen Tag in die alte Schule gehen.


Ein Abakus (lateinisch abacus, heißt die Tafel, das Brett) ist ein mehr als 3000 Jahre altes einfaches mechanisches Rechenhilfsmittel. Der Abakus enthält Kugeln, meist Holz- oder Glasperlen, beim vergleichbaren Rechenbrett kamen auch Münzen (Rechenpfennige) oder Rechensteine (Calculi) zum Einsatz.

Öffnungszeiten: Auch über den Winter sind Besuche in Hohenfelden möglich, die alte Schule, die Sonderausstellung „Kein Schwein gleicht dem anderen“ und Pfarrhof können außer montags je von 11 bis 17 Uhr besucht werden.3. November bis 30. Dezember: täglich außer montags 11:00 bis 17:00 Uhr. Ab 3. Januar 2015 bis 28. März 2015: samstags und sonntags 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr
(3. November bis 28. März nur Pfarrhof mit Dauerausstellung, Dorfschule und Sonderausstellung) Der letzte Einlass erfolgt eine Stunde vor Schließung des Museums (bei einsetzender Dunkelheit auch früher). Hunde sind angeleint auf dem Museumsgelände willkommen!
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