Grunzen im Garten

„Wildschweine im Klassenzimmer“: Diese Meldung eilte unlängst durchs Land. In Frießnitz bei Gera hatte sich eine Wildsau durchs geschlossene Fenster einer Grundschule in einen Klassenraum katapultiert. Erst nach einer Betäubung durch einen Tierarzt konnte das Tier wieder aus dem Schulgebäude gebracht werden.

Mit viel wildem Schwein hat auch Dieter Kalmring aus Kösnitz (auf der Saaleplatte im Weimarer Land) zu tun. In sein Haus am Ortsrand schaffen es die Borstentiere aber nicht. Ein gut gesicherter Zaun schützt. Denn Kalmring weiß: „Wild ist nicht so einfach.“ Und doch hat er eine Leidenschaft gerade für diese Tiere entwickelt. Vor vielen Jahren brachte ein Jäger zwei einsame Frischlinge zu ihm – dem Landwirt mit einem großen Herzen für Tiere. Er zog die mutterlosen Tiere groß. Später habe er sich, so erzählt Kalmring, noch eine Bache zu den zwei Keilern gekauft. Und seitdem herrscht zufriedenes Gegrunze im heimischen Garten.

Zwei Bachen, ein Keiler und vier kleinere Tiere, auch Läufer genannt, leben derzeit bei Dieter Kalmring. Täglich werden sie gefüttert. Wenn Kalmring mit einem Einer trockener Brötchen kommt, sind sie gleich zur Stelle. Sehr zahm wirken die Wildschweine. Doch davon lässt er sich nicht täuschen. Ihm ist klar, dass ein Wildtier immer Wildtier bleibt. Dementsprechend vorsichtig ist er. Stall und Freigelände hat er auf seinem großzügigen Anwesen deshalb so verlegt, dass Fremde nicht zu nah ans Gehege kommen. Öfter habe er sehen müssen, wie Besucher vom nahegelegenen Gasthof während eines Spaziergangs ungefragt einfach ans Wildschweingehege kamen. „Und das mit Hunden!“ Kalmring ist immer noch erstaunt über die Unvorsichtigkeit. Nun hat er alles großräumig eingezäunt und abgesichert. Zu den Wildschweinen gehts nur auf Anfrage.

Geschlachtet werden die Wildschweine selten. Meist gibt er sie an Jäger ab, die frisches Blut für ihre Wild­gehege suchen. Kalmrings Tierreich zählt aber nicht nur die Schweine. Zwei Rinder und eine Wollsau gehören ebenso dazu wie Hühner und Ziegen. Früher hatte er auch Ponys und Esel. Im Frühjahr will er wieder Enten groß­ziehen. „Was soll ich auch den ganzen Tag ­machen?“, fragt der 62-Jährige. „Die Tiere sind mein Hobby.“ Und das hält den Rentner fit. Auch wenn er dafür auf Urlaube verzichten muss. Und natürlich sei es schwer, eine Frau zu finden, die sich auf die viele Arbeit einlässt. Nur hier schwingt etwas Bedauern mit.
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