Harfe ist Instrument des Jahres, aber Jobs sind rar - nur in Weimar nicht

Elisabeth Anetseder-Meyer an einer Konzertharfe. Sie ist Soloharfenistin an der Staatskapelle Weimar.
Weimar: Theaterplatz |

Groß, schwer, teuer: Das Instrument des Jahres 2016 kann viele Attribute auf sich vereinigen. Wer es trotzdem professionell spielen möchte, hat Probleme, einen festen Job zu finden.

Acht Finger gleiten über die Harfensaiten. Fingerfertig zupft ihre Spielerin die Töne. Schon wähnt der Zuhörer, Wasser plätschern zu hören. Ein Stück weit rückt der Alltag in die Ferne. Doch was so mühelos scheint, ist harter Arbeit geschuldet.

"Es gibt zwar Stücke, die ganz ohne die Harfe auskommen. Und natürlich haben wir weniger Einsätze als Streicher und Bläser", reflektiert Elisabeth Anetseder-Meyer, Solo-Harfenistin der Staatskapelle Weimar. "Trotzdem müssen Harfenspieler sehr viel üben." Täglich absolviert die Musikerin ihr Technikprogramm. Täglich mindestens zwei Stunden sitzt sie dafür zu Hause an ihrer Harfe. Hinzu kommen Proben für die aktuellen Auftritte. Man kann mit diesem Instrument die Stücke nicht einfach vom Blatt spielen. Die Noten müssen eingerichtet und Takt für Takt geübt werden. Beim Musizieren sind nicht nur beide Hände ständig im Einsatz, sondern um die Töne zu variieren, müssen zudem sieben Fußpedale bedient werden. Entsprechend hoch ist der Übungsaufwand.

Harfe ist Instrument der Engel


Die Harfe ist eines der ältesten, größten und schwersten Orchesterinstrumente. Als himmlisch gilt sie obendrein. Kaum eine Engelsdarstellung kommt ohne sie aus. Jedoch die Jobs für Harfenspieler sind rar. Aus Gründen der Sparsamkeit verzichten viele Orchester darauf, Musiker dieser Passion fest anzustellen. Auch in Thüringen. Hier besetzen vier der acht Orchester den Harfenpart bei Bedarf mit freiberuflichen Musikern.

Staatskapelle Weimar gibt gleich zwei Harfenspielerinnen Arbeit


Großes Glück hatte hingegen Elisabeth Anetseder-Meyer. Bereits während ihres Studiums war sie als Aushilfe in vielen Ensembles gefragt. Nach dem Abschluss folgte 1999 direkt das Engagement als Soloharfenistin der Staatskapelle Weimar. Mit dem Harfenunterricht begann die Musikerin im Alter von 10 Jahren. „In meiner Musikschule hat man jemanden gesucht, der Harfe spielen möchte", erinnert sich die in Niederbayern Geborene. In ihrer Heimat wird das Instrument verhältnismäßig oft eingesetzt für Volks - und Stubenmusik. Der Wunsch, Harfe zu studieren und professionell auszuüben, kam bei Elisabeth Anetseder-Meyer aber erst nach dem Abitur. An der Hochschule für Musik Würzburg machte sie sowohl eine pädagogische als auch eine künstlerische Ausbildung.

Rarer Job: Bis zu 100 Bewerber auf eine freie Stelle


"In Deutschland werden vielleicht drei bis vier Stellen jährlich ausgeschrieben", weiß Anetseder-Meyer um den schweren Stand ihrer Kolleginnen und Kollegen. 80 bis 100 Musiker wettfeiern dann um eine Anstellung. Dabei sollte ein Haus-Harfenspieler für ein Ensemble kein Luxusgut sein. Vielmehr sorgt er mit für die Kontinuität in einem Orchester. "Eigentlich bräuchte man zumindest an Opernhäusern sogar zwei Spieler", gibt sie zu bedenken.

In Weimar gibt es neben der Soloharfenistin zusätzlich eine Akademisten-Stelle für Harfe. Diese ist mit einer Masterstudentin besetzt, die so im Arbeitsalltag des Orchestermusikers erste Berufserfahrungen sammeln kann.

Bei 30000 Euro liegt der Einheitspreis für Konzertharfen


Vor dem Jobeinstieg steht für viele Musiker allerdings noch eine weitere Hürde. Allein für eine kleine keltische Harfe als Einstiegsinstrument bezahlt man um die 3000 Euro. "Der Preis für eine Konzertharfe beginnt bei 30000 Euro und ist nach oben offen", so Anetseder-Meyer. Die Instrumente werden in Handarbeit gefertigt. Das hat seinen Preis.
Elisabeth Anetseder-Meyer scheint glücklich mit ihrer Harfe. Nicht nur des festen Jobs wegen. Sie reizt die Vielfältigkeit, die ihr die Stelle in Weimar bietet. Hier spielt sie nicht nur in Konzerten, und im Musiktheater sondern gern auch im kammermusikalischen Rahmen. Eine besondere Herausforderung für sie wird im Herbst 2016 Richard Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" sein, die unter der Leitung des neuen Generalmusikdirektors Kirill Karabits in Weimar zu erleben ist. „Auf diese Arbeit freue ich mich schon sehr."

Zur Sache

+ Seit 2010 küren die Landesmusikräte Schleswig-Holstein und Berlin ein Instrument des Jahres. 2016 wurde die Harfe ausgewählt.
+ Die Harfe spielte man schon vor mehr als 3000 Jahren in Mesopotamien. Heute kommt sie in Orchestern und Kammermusik-Ensembles zum Einsatz. Auch Jazz, Pop und Folk kann man mit ihr spielen.
+ Harfen gibt es in vielen Ausführungen. Bekannt sind vor allem die irische Harfe, die Volksharfe und Konzertharfe als größte Ausführung.
+ Eine Konzertharfe wiegt etwa 45 Kilogramm, ist 1,80 Meter hoch und hat in der Regel 47 Saiten aus Nylon, Darm und Stahl. Gespielt wird sie mit 8 Fingern und beiden Füßen.
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